Ausgabe 
12 (19.9.1852) 38
Seite
298
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

298

dem Verlust eines KindeS.Ich Hab'S schon aus dem Sinn geschlagen und Gottbefohlen," schreibt sie dem Bruder nach dem Hinscheiden eines SohneS in seinerzartesten Kindheit;ich zweifle nicht, deine Christina und mein seliger Carl werdenim Himmel gute Gesellschaft haben und ihren Gott treulich für unS bitten.» Aufdie Nachricht von dem Tod der neunzehnjährigen Erzherzogin Katharina schrieb sieihrem Sohn Ferdinand von der Reise nach Siebenbürgen zur Vermählung ihrer TochterMaria Christina mit dem Großfürsten SigiSmund Bachori:mit herzlichem Leid habeich die Nachricht erhalten, daß mir der Allmächtige meine liebe Tochter Katharinagenommen hat, wiewohl sie nie mein, sondern, wie ihr Kinder alle, dessen war, dersie wieder zu sich genommen hat. Ihm sey ewig Lob, Ehr und Dank. Wie abermeinem mütterlichen Herzen ist, daS weiß Gott am besten; denn sie war ein frommes,gotteSfürchtiges, gehorsames Kind, welches, wie ich in Wahrheit von ihr bezeugenkann, mich hoch geliebt und geehrt hat; darum ihr Gott ohne Zweifel die ewigeKrone wird gegeben haben. O mein Ferdinand, ich habe ein liebes Kleinod anunserm Hause verloren, doch Gott sey ewig Lob, er hat mir genommen, was zuvorsein gewesen ist."

Erzherzog Carl und seine Gemahlin sorgten vor Allem dafür, daß ihre Kindervon den frühesten Jahren an nur von solchen Personen umgeben würden, welchetreue Erfüllung aller religiösen Obliegenheiten durch Anleitung und Vorbild in ihnenwecken konnten. Hierdurch, wie durch der Eltern eigenes Beispiel, sollte der Kinderzartem Sinn Hingebung an Gott, freudige Beachtung alles dessen, was der leben-dige Glaube und die denselben erhaltende Kirche fordert, eingepflanzt, daneben, wasdiese vorschreibt, gefestigt und entwickelt werden. Kaum daß die erzherzoglichen Kinderdes Gebrauches ihrer Finger mächtig waren, wurden sie gelehrt, daS Kreuzeszeichenzu machen, heiligen Dingen Ehrerbietung zu erweisen. Sobald ihr Sprachvermögensich zu entfalten begann, mußten ihnen die Wärterinnen den Namen Jesus undMaria vorsprechen, damit frühzeitig alle Anschauungen des Segenövollen und Trost-reichen an dieselben sich knüpfen möchten. Schon in ihrem zartesten Alter wurden siein die Schloßcapelle gebracht, um in den Uebungen der Andacht gleichsam aufzu-wachsen. Traten sie in daS Alter, in welchem der Unterricht beginnen konnte, sowurde noch strenger darauf gehalten, daß sie täglich der heiligen Messe beiwohnten.Von dem nachmaligen Kaiser Ferdinand namentlich wird berichtet, daß er in seinerzartesten Kindheit, noch bevor er die Gebete vollständig dem Gedächtniß eingeprägt,dennoch eS wohlverstanden habe, unter der heiligen Messe und bei dem Geläute desAve Maria niederzuknieen und allen heiligen Handlungen mit unverkennbarer innererTheilnahme zu folgen. Bereits mit seinem siebenten AlterSjahre mußte er der Fron-leichnamSprocession beiwohnen; und mit solcher Andacht und Geistessammlung nahmer hierauf als Jüngling zu Jngolstadt an allen gottesdienstlichen Uebungen, kirchlichenFesten und Umzügen Theil, daß er den dortigen Einwohnern zur Erbauung und zurNacheiferung diente, und nach langen Jahren noch Greise sich erinnerten, unter denStimmen der Vorsänger die seinige gehört zu haben. Ein anmuthiger Zug desselben,welcher von hellbewußter Gottesfurcht Zeugniß gibt, hat sich in der Ueberlieferungbis auf den heutigen Tag erhalten. Der Hofmeister schenkte einst dem kaum zehn-jährigen Erzherzog zum Angebinde für den Namenstag einen Spiegel in einem schönenRahmen. Ferdinand nahm heimlich das GlaS heraus und ersetzte eS durch ein Bildvon der unbefleckten Empfängnis) Mariens. Wie nun nach einiger Zeit der Hofmeisterdem Spiegel nachfragte, wies der junge Erzherzog auf das Bild und sagte:Hierist der Spiegel und zeigt das wahre Bild, nach welchem wir uns zu richten haben."

Die Wirkungen dieser Erziehung treten am anschaulichsten vor Augen in derPersönlichkeit der Erzherzogin Anna, Königin von Polen , Mariens ältester Tochter.Dieselbe betete täglich für Freund und Feind, für Gläubige und Ungläubige, oftauch um den Geist der Weisheit und der Erkenntniß für ihren Beichtvater; an Fest-tagen kam noch das Brevier hinzu, wie eS den Geistlichen vorgeschrieben ist. Täg-lich erhob sie sich um fünf Uhr von dem Lager, weilte dann zwei Stunden einsamin ihrer GebetSkammer. Schweigend, um den Rosenkranz beim zu können, ließ sie