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und daraus, daß von denen, welche darin sind, gesagt wird (i. Petr. 4, 6), daßsie gestraft werden, sehen wir, l) daß dieser Kerker eine Strafe der Entbehrung mitsich bringt, 2) aber auch eine positive Züchtigung. Dasselbe sehen wir von demreichen Manne. AIS er, gefangen gehalten, seine Augen aufhebt und LazaruS stehtin Abrahams Schooße, leidet er die Strafe deS Verlustes, und als er rufen muß:ich leide Pein in dieser Flamme! leidet er die Strafe der Empfindung, d. i. anderepositive Züchtigungen. Nehmen wir nun zusammen, daß der Kerker und der Ortder Qual in dem Hades liegt, daß er Seelen der Art. wie wir vorhin sahen, zumBesten, also zur Läuterung dient, und daß sie dabei ebengezeigter Weise büßen, biösie durch Christus krast seines Opfertodes in das Paradies hinüber gelangen: washaben wir in dem bösen Orte deS HadeS überhaupt? — Wir wollen eS unS durchdie Kirchenväter z. B. durch den heiligen HermaS, durch JrenäuS, durch TertullianuS ,durch Cyrillus von Jerusalem, CyprianuS , Clemens von Alerandrien, OrigeneS,ChrysostomuS, LactantiuS , HieronymuS, AugustinuS, AmbrosiuS, PrudentiuS u. A.sagen lassen, durch die ältesten kirchlichen liturgischen Formulare, durch die alte grie-chische wie lateimsche Kirche, ja durch die Beibehaltung von beiden getrennten alt-orientalisch christlichen Parteien: — wir haben daS kurgatorium, daSFegefeuer!"
Wir haben aus der vortrefflichen Schrift deS Pf. Lütkemüller mit Absicht seineAnsicht über die Kirche, den Cölibat und daS Fegfeuer hervorgehoben, weil dieseTrias in der Regel die Angriffspunkte der Feinde der katholischen Kirche bilden, undwir wiederholen die Versicherung unseres Bedauerns, nicht noch mehr z. B. überden Primat, daS heilige Meßopfer, Gemeinschaft der Heiligen u. s. w. hervorhebenzu können. Von der Wahrheit, der unumstößlichen Wahrheit seiner aufgestellten unddurchgeführten Glaubenssätze ist der Verfasser so sehr überzeugt und so tief durch-drungen, daß er alle redlichen und wackern Sucher und Kämpfer der Wahrheitauf Seite des Protestantismus nicht als Feind, sondern als Freund im höchstenSinne, und als langjährigen, erprobten Waffengenossen zu einem brüderlichen Wett-streite zur größern Ehre Gottes herausfordert. Wie sehr er die Zeit ersehnt, daßnoch Eine Heerde und Ein Hirt werde, weil doch Christi Werk Niemand hindernkann, möge er uns mit seinen eigenen Worten sagen: „O komm, du ersehnte Zeit,über mein deutsches Vaterland, bringe ihm den Frieden und heile seine Wunden,seine Zwietracht! Kehre wieder, du germanisches Zeitalter der christlichen Kirche!Nicht in dem Abfalle der Völker von der Kirche, wovon unsere deutsche Geschichtenamentlich zu sprechen weiß, kommt der Friede, nicht in dem Widerstande von Kai-sern, den sie der Kirche persönlich entgegensetzten, nicht in dem Abfalle von Fürsten ruht der Friede, nicht in dem Unternehmen von Theologen und Philosophen, dieKirche mit der Schärfe ihres Verstandes zu ertheilen. Diese Krankheit war unterunS Deutschen schon vor der Reformation eingerissen, und die Reformation deS lötenJahrhunderts machte diesen Krebsschaden unter unS nicht gut, sondern führte ihngar zum AuSbruche. Unsere, von Jedermann unter uns empfundene, beklagte Zer-rissenheit bis auf dem politischen Gebiete, ja bis in die Ehen, sie hat den EinenGrund der Entfernung von uns selbst, von Gott und von seiner heiligmachendenGnade im tiefsten Innern. — Darum: Was uns Deutschen hoch noth thut? ES istdie Rückkehr zu der heiligen Kirche."
Wie der Verfasser seine Schrift mit der Widmung „der heiligen allgemeinend. i. katholischen Kirche " begonnen hat, so beschließt er sie mit dem Decrete deStridentinischen Concils, 8ess. XXIV. über daS Purgatorium. DaS letzte bildlicheZeichen krönt den Schluß, eS ist das Siegeszeichen des Christenthums: I. U. 8. mitKreuz und Nägeln, und das fast letzte Wort ist — Iesuite n-M issionen! (K. BI. a. Fr.)