Ausgabe 
12 (7.11.1852) 45
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Himmel und das Paradies, nach der Himmelfahrt unseres Heilandes, als verbunden,als ein Gemeinsames erscheinen, so zu sagen, als identisch der That nach und alsunterschieden nur noch dem Namen nach. So heißt eS denn auch, Ossenb. 14, 13:Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geistspricht, sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach."

Aber, kann nun eingewendet werden, das Paradies steht ja doch nun leer?

Keineswegs." DaS zeigt schon Paulus dadurch, daß er dort unaussprechlicheWorte hört. In die Stelle derer, welche dasselbe verlassen, ziehen ja, kraft dersel-ben Predigt Christi, welche den Himmel für die Seelen im Schooße Abrahams bewirkte, nun ins Paradies zunächst schon diejenigen Geister ein, welche von derPein in den Flammen und aus dem Orte der Qual in der Unterwelt ihre Erledi-gung finden. Aber hierin müssen wir unsern Tert ansehen.In demselben (Geiste)kam er" u. s. w. Auch vor Abraham war schon die Kirche vorhanden. Noah warihr Prediger, Priester und Patriarch. Die Geister, welche hier als im Gefängnissebefindlich von dem heiligen Petruö angegeben sind, werden Kap. 4, 6Todte"genannt. Sie sind offenbar im Gegensatze zu denen so genannt, welche nach ChristiAussage im ParadieseGott leben." Doch ist dieser Tod nicht zu verwechselnmitdem andern Tode," mit dem Zustande der ewigen Verdammniß inder Hölle, welchen wir Ossenb. 20, 14 kennen lernen. Die Geister sind zu diesemOrte der Qual grkommen, an welchem auch der reiche Mann Pein leidet in denFlammen. WeShalb? Weil sie einst ungläubig waren; aber später, als daS vonGott durch Noah verkündete Strafgericht Gottes hereinbrach, kamen sie noch zurBuße und Umkehr. 5) Ein ernster Beleg zu der Mahnung: Spare deine Buße nichtauf, bis du krank werdest, sondern bessere dich, weil du noch sündigen kannst.Verziehe nicht fromm zu werden, und harre nicht mit Besserung deines Lebens bisin den Tod! Eine Masse aus den Todten und zwar Gleichverschuldete undzu gleicher Zeit Gestorbene werden hervorgehoben. Kraft desselben OpfertodesChristi gelangen sie aus dem Orte der Qual und aus ihrem Gefängnisse, kraftdessen das Paradies vom Herrn auch dem Schächer zuertheilt wurde, weil er buß-fertig sich noch in seinem Leiden zu Christo bekehrte. Dieses lehrt unS, daß dieGnabö Christi für jeden dieser beiden Fälle vorhanden blieb, daß aber keineswegsalle Sünden von Christo (gänzlich, ewig ausgenommen bleibt die Sünde wider denheiligen Geist) in diesem Leben vergeben werden, sondern erst in jenem Leben, ^)nachdem der letzte Heller bezahlt, und die erforderliche Reinigung der Seele erfolgtist, ich kann sagen, nachdem die Seele von den sündhaften Schlacken gereinigt, undihr Metall so ausgeschmolzen worden ist. Dann folgt die Verbindung mit dem Bräu-tigam der Seele, die Durchdringung mit der Gnade in göttlicher Entwicklung. Wirsehen weiter, daß die Opferkraft Christi eine Milderung, einen Erlaß in der Gefäng-nißzeit herbeiführen kann. Wenn aber ChristnS durch seine Predigt zuerst in dieUnterwelt die Erledigung bringen und dadurch in unserm letztern Falle denen imGefängnisse dasjenige gewähren konnte, was zur Abkürzung ihrer Gefangenschaftdiente, so sehen wir damit: 1) daß das Reich, die Kirche Christi, auf der Ober-und Unterwelt insofern den engsten Zusammenhang hat, daß dieselben Gnaden-mittel nach der HeilSordunng für beide Theile gelten, so weit nämlich noch Seelender Erlösung in der Unterwelt bedürftig sind; 2) daß also anch die von Christo derKirche übertragene Macht der Gnade znr Vergebung der Sünden, zu lösen und denHimmel aufzuthun, daS Amt der Schlüssel, sich auf die Unterwelt erstreckt."Wir können also zur ergänzenden Bestimmung der zweiten Abtheilung des HadcSzurückkehren. AuS ihrer BenennungKerker" oderGefängniß", wie Matth . 5, 25,! >: !, ^ !,. ,1-tt ,hkvKhüK'Ä»il' »MgUM^ÄjÄ^MttH tMvck.sV .nsHoickij

') Vcrgl. hiemit die 20. Bemerkung in der Alioli'schen Bibelübersetzung zu gedachter Stelle1. Petr. 3, 20. A d. E>

) Besser formulirt wird dieser Passus lauten: daß auch in dem andern Leben Sünden gesühnt. und erlassen werden können. - A. d. E.