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dies war, wie dem Schächer, so Allen im Volke Israel, aus der Lehre klar undverständlich. ES braucht also der heilige PetruS hierüber in unserer Stelle kein Wortzu verlieren, sondern diese That Christi in dem xa/ „auch" nur anzudeuten. Zuerstist er also in das Paradies als Erlöser gegangen. ES ist mit dem Sündenfalle ent-rückt. ES ist so das vorläufige Behältniß für die Seelen der Gerechten bis aufChristus. Nun erscheint dieser, der Erlöser, in seinem ErlösungSwerke selbst auch sürdie, welche „unter der Erde " sind, und wird Jacobs Sehnsucht bei seincui Ster-ben: „Herr, ich warte auf dein Heil!" (1. Mos. 49, 18) in letzter Instanz befrie»digen. Geschieht dieses, so wird auch daS Paradies selbst eine Aenderung, dieErl ösung, erfahren. Hier müssen wir zu dem xc>i zunächst weiter 3) das x»^<7<7etv:„er kam zu den Geistern und predigte," verstehen lernen. /ü^ovetv. predigen,hebräisch ist dasselbe, was Kap. 2,6, erläutert ist durch e^a^eA^v. Es
wird in profanem Sprachgebrauche von Herolden gebraucht, von den Boten deSKönigs, welche als Stellvertreter desselben etwaS verkünden, waS daS Publicumbetrifft, und mit ihrer empfangenen Botschaft vor demselben hergehen. Uebcrtragenwird eS von der Predigt des Evangelii gebraucht: daß Gott also die Welt geliebthat, daß er seinen eingebornen Sohn gegeben hat! auf daß alle, die an ih» glau-ben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. So predigt also Christusauch den Geistern im Gefängnisse dasjenige, waS für sie darauf Bezug hat, undzwar einer gewissen Masse derselben. Merken wir nochmals auf daS Wort xai,„auch" predigte er. Also zunächst hat er denen, die im Paradiese sind, für ihrbesonderes Bedürfniß das in Ihm zur Erlösung zum ewigen Leben und zurSeligkeit für sie enthaltene Heil verkündet. Hier geschieht in beiden Fällen, für dieim Paradiese und sür die an dem Orte der Qual, dasselbe: er erfüllt die Weissagungdes Propheten Jesaja in äußerster, letzter Instanz: „er predigt den Gefangenen ihreErledigung." Vcrgl. auch Luc. 4, 18. WaS der Sohn verkündet, daS bestätigtder Vater den Harrenden im Paradiese sofort durch die That: „Die Gräber thatensich auf und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen ausihren Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt underschienen Vielen." Matth. 27, 52. 53. So wurde die Predigt Christi denen imParadiese, den Patriarchen und den Gerechten in Abrahams Schooße, in limbo pstrum,gebracht zu ihrem Troste in der Erfüllung ihrer Hoffnung, so wurde dieselbe mit derAuferstehung Christi , des Erstlings von den Todten, auch durch die mit ihm Aufer-standenen, den Heiligen auf Erden, zu ihrer seligen Hoffnung bekundet. Nun ver-stehen wir den heiligen EpiphaniuS, wenn er mit den andern Kirchenvätern erklärt(Häres. 69): „Die Gottheit Christi vermochte Alles zu bewerkstelligen, waS Bezugauf das Geheimniß seiner Leiden hatte, und mit der Seele hinabzusteigen in dieUnterwelt, um denjenigen heiligen Patriarchen, die vor ihm dorthin gegangen, daSHeil zuzuwenden." Nun ist der von der katholischen Kirche geglaubte und bekanntelimbus pstrum sonnenklare Wahrheit und wahrlich keine Fabel, eS sey dcnn, daßjemand aus Leidenschaft oder verstockt und wissentlich die Augen der Wahrheit ver-schließen wollte. Die Bibel enthält diese Lehre so deutlich wie andere Lehre». Aberwir verstehen auch die Bibel nicht mehr, wenn wir die Tradition der heiligc» Kircheverwerfen.
WaS wird nun aus dem Paradiese?
„ES hört auf, ein Gefängniß zu seyn. AuS seiner mit dem Sündutsalle ein-getretenen widernatürlichen Stellung zunächst zum Himmel tritt eS in die reine Be-stimmung der Vorhalle des Himmels zurück: Die Verbindung ist offen, wie Adammit dem Herrn im unmittelbaren Umgange stand, die Thüre ist nicht mehr ver-schlossen. Es waltet fortan freier Eingang und AuSgang, und dadurch geht eS inden Himmel auf. Hiermit stimmt nun auch vollkommen, und beweist also für dieLehre der katholischen Kirche , der heilige Paulus. AIS Apostel wird er, laut 2. Kor.12, 2, „entzückt bis in den dritten Himmel," und zugleich erklärt er V. 4,er sey entzückt worden bis in das Paradies. Dadurch ist klar, daß der dritte