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Heile vieler Seelen diente, Bußgürtel und Geißeln verfertigte und heimlich austheilte,Knaben und Mädchen in der Religion unterrichtete. Er führte viele vornehme Damen zumstrengsten Leben, so daß sie auf hartem Lager schliefen, Bußkleider trugen, ihren Leib gei-ßelten; seine Nichte Catharina erwählte dann das Klosterleben. Er liebte seinen Orden,prieS die Heiligen seines Ordens und war seinen Obern so pünktlich gehorsam, daß er ein-mal zum Feste des HI. JgnatiuS, weil es der Rector wünschte, obwohl Jeder daran zwei-felte, im größten Gußregen in daS Colleg. nach Klattau kam. Zumeist wegen seiner Ver-dienste und Liebe zu den Menschen kam die Gesellschaft Jesu ungeachtet der frühern Abnei-gung gegen dieselbe in Aufnahme und wurde beliebt. Kaiser Ferdinand II. ertheilte zwardie Erlaubniß zur Errichtung des Kollegiums in Klattau . Da aber wegen der damaligenschweren Kriegözciten eS den Ordensindividuen an NahrungSauellen gebrach, sammelteP. Chanowsky im ganzen Kreise milde Gaben, trug sie nach Klattau für seine Brüder,schaffte die HauSgeräike an durch die Unterstützung von Seite frommer, reicher Frauen,vornehmlich solcher, die er von der Ketzerei erst unlängst zum kath. Glauben bekehrt hatte.Und va er die sichere Hoffnung hatte, daß daS Colleg. zu Klattau bald gegründet werde,kündete er es von Freude entzückt in einer Predigt an. Im Jahre 1635 erhielt er ein demFiScuS verfallenes Haus zum Baue des Kollegiums zu Klattau; der oberste Kanzler Böh-mens , Adam von Martinitz, schenkte dazu 10,000 fl., und seine Tochter, Ottilia Gräfinvon Kolowrat, schenkte 30.000 fl. Im Jahre 1636 wurden die Jesuiten in Klattau »einge-führt, die herrliche große Kirche aber, die mit den großartigen Galerien 10,000 Menschenfassen kann, wurde erst i. 1.1675 vollendet. P. Albrecht Chanowsky wurde von Schütten-hofen krank nach Klattau gebracht und starb 1643 den 16. Mai um die dritte Morgen-stunde, währsnd man ob seiner Wohnkammer ein Licht erblickte, und wurde, da die Kirchenoch nicht bestand, in der Jesuitencapelle begraben. Er war 62 Jahre alt, 42 Jahre imOrden, sein Gesicht war sanft, seine Augen stets zum Himmel gerichtet, die Gestalt hoch,daS Gesicht blaß und immer lächelnd, die Haare kurz und schneeweiß. Sein Biograph sagtvon ihm, daß er die Gabe vieler Heiligen gemein hatte, zu gleicher Zeit an mehrern Ortengesehen worden zu seyn, im Collegium und um dieselbe Stunde einige Meilen weit beieinem Kranken. Auch soll er, obwohl alt und kränklich, schneller als der Wagen, der ihneinholen sollte, an Ort und Stelle eingetroffen seyn. Die Menschen sprachen von ihmnie anders als von einem Heiligen.
Glaubenstöne aus der Mark.
(Schluß.)
Um den Leser mit der Beweisführung und der Eregese des Verfassers einiger-maßen bekannt zu machen, wählen wir jene Stellen auS dem N. T., über derenErklärung sich eine Legion von Eigenmeinungen nur unter den älteren Theologender lutherischen Kirche gebildet hat, und welche Luther selbst für „einen finsternSpruch" erklärt, und „daß er nicht wisse, was Sct. Peter meine." DaS heißt also,nach seinem kirchlich politischen Interesse hält er keineswegs für gut, für diesen,wie wir sehen werden, ihm kritischen Punct die beilige Kirche zur Pathe zunehmen; vielmehr thut er ganz, als hebe diese mit ihm erst an."
1) ES ist die Stelle 1. Petr. 3, 19. 20: „In demselben (Geiste) kam er(Christus) auch zu den Geistern, die im Gefängnisse waren, und predigte denen,welche einst ungläubig waren, als sie in den Tagen Noah'S sich auf Gottes Lang-muth verließen, da die Arche gebaut ward u. f. w." Also 1. „in demselben Geiste."Dieses verstehen wir nun schon; 2. „kam er auch" das x«/ „auch" zeigt eine Er-gänzung in dem folgenden Zusätze an, ein Werk Christi, welches ebenfalls bei seinenvNiedergange in die Unterwell stattgefunden hat. So wird unser Abendroth der SonneAndern ein Morgenroth. Die Sonne rastet nicht. Und wenn jenen daS Scheidender Sonne kommt, dann wird dieses uns wieder ein Morgenglanz. — Daß Christusbei seinem Niedergange in die Unterwelt erstlich in das Paradies gegangen ist,tehrt deutlich und klar sein dem Schächer am Kreuze gegebenes Wort. Dieses Para-