Ausgabe 
12 (7.11.1852) 45
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erblickten, liefen sie ihm entgegen, küßten sein Kleid und schrien:Unser Vater kommt,Pater Albrecht kommt." Mit den Kindern trat er sodann in Procession, die Knaben so-wohl als die Mädchen abgesondert, in die Kirche, lehrte sie den Katechismus, wozu sichallmälig die Eltern und Erwachsenen einfanden, und theilte dann Bilder, Rosenkränze aus.Ueberall bewirkte er eine wunderbare Bekehrung des Lebens. In ven Marktflecken undDörfern besuchte er jedes einzelne HauS; von wem er nicht viel beachtet wurde, bei demblieb er länger, lag mit dem Knaben, welcher ihm Rosenkränze, Bilder, Aepfel für Kindertrug, bei der Nacht auf Stroh, hatte ein ärmliches Gewand an sich, zerrissene Strümpfe,die er selbst flickte, Hemden von grober Leinwand. Keine Stürme, kein Regen, Schnee,keine Gefahr von Seiten der Räuber, noch der wilden Thiere, schreckte ihn. Ein StückBrod, reineS Quellwasser war seine Nahrung, sein Getränk. Wenn er bei Adeligen zuTische war, sprach er so lange von himmlischen Wahrheiten, bis der ihn begleitende Knabeseinen Teller mit der Speise unter den Tisch herabzog und wieder leer hinaufschob, wozuder fromme Diener Gottes lächelte. Er den ganzen Tag nicht und trank nicht bis desAbendS, und wenn sich Abends ein Kranker vorfand, nahm er auch da keine Nahrung,sondern wachte die ganze Nacht bei ihm und bereitete ihn entweder zum Tode oder betetemit ihm; des Morgens wandelte er nach dem heiligen Meßopfer abermals zu Fuß weiter.Obwohl öfter selbst von der Kolik, von Steinschmerzen, mit geschwollenen Füßen geplagt,im hohen Alter vor Schmerzen zitternd und wie ein Wurm sich windend, ließ er sich den-noch von seinen Ordensbrüdern nicht bewegen, seine apostol. Arbeiten aufzugeben, hörteauf seinen Herbergen auf den Zimmcrbänken unermüdet die Beicht, so daß ihm einmal inSchüttenhosen vom vielen Reden und vom Durste die Zunge aufgesprungen war. Früh,wenn er die hl. Messe feiern sollte, war ihm gewöhnlich immer leichter, nach der hl. Messequälte ihn daS Chiragra wieder mehr. Er ermähnte dazu, daß aus jedem Hause wenig-stens Einer in die hl. Messe gehen möchte, indem Gott die Arbeit desto mehr segnen würde,nahm jedes einzelne Meßkleidungsstück in die Hand, erklärte, was eS bedeute, und feiertedann einem Seraph' ähnlich das heiligste Meßopfer. Er kam nie in ein Bett, schlief nurwenig, daher fand man ihn oft mitten in einem Walde ruhend und schlummernd. BeimGebete strahlte oft sein Leib, als wenn er brennen möchte, seine Augen waren stets zumHimmel erhoben; in der Capelle bei Nepomuk zu Ehren des heil. Adalbert verweilte ermanchmal einige Tage in gcistl. Uebungen. Die geistl. Tagzeiten betete er stundenlang ineinem Walde oder Garten, bis der Knabe, sein Begleiter, einschlummerte. Unterwegs be-tete er größtentheils und trug an den Händen den Rosenkranz, wallfahrtet« jährlich mehr-mal zum hl. Blute nach Bayern und auf den hl. Berg*) in Böhmen , wo die Wallfahrtendamals erst im Beginne waren. In seiner Kammer im Colleg. zu Klattau hatte er keineLehne zum Gebete, er betete am bloßen Boden knieend; wenn er die hl. Messe feierte, sahman über seinem Haupte eine himmlische Flamme und feurige Kugeln ; die hl. Messe hielter nie länger als eine halbe Stunde. Am Charfreitage stellte er mit den Knaben im HI.Theater das Leiden deS Herrn vor, baute das hl. Grab, die Krippe, den Stall von Beth,lehem. Zu diesem Zwecke kaufte er einmal eine Kinderwiege und schämte sich nicht, selbedurch die Prager Gassen zu tragen. Bei den Kirchen vorübergehend verweilte er stetseinige Augenblicke im Gebete. Es war nicht eine Kirche, welcher er nicht etwas Gutes er-wiesen hätte, indem er die Mauern, den Fußboden, die Bänke, Fenster, daS Dach ausbes-sern ließ ; er pflückte ans den Feldern und Wiesen Blumen für die Kirchenaltäre, verfertigtemit eigenen Händen die für Kirchen erforderlichen Sachen, als Stolen, Manipel, Ornate;beredete angesehene Damen, seine Anverwandten, mit lieblichen Worten, waS in den Kir-chen schmutzig war, zu reinigen, das Zerrissene auszubessern. Am liebsten wohnte er in derNähe der Kirchen und kniete ganze Nächte vor dem HI. Altarssakramente und stiftete daSewige Licht vor dem hochw. Gute. Er leitete viele Jungfrauen zum vollkommenen christl.Leben, vorzüglich die Tochter seines Bruders, Katharina, welche lebenslänglich die Jung-fräulichkeit bewahrte, in allen Tugenden sich übte und dem P. Albrecht als Werkzeug zum

') Der heilige Berg ist ein stark besuchter Wallfahrtsort der seligsten Jungsau Maria, na'bei der Bergstadt Pribram .