Ausgabe 
12 (7.11.1852) 45
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Doch hör' ich ihu, so fasset mich ein Zagen,Und vorwurfsvoll des Todten Klagen schallen,Daß Keinem es voll Liebe eingefallenIhm Ruh' zu gönnen in des Lebens Tagen,

So lang der Mensch betritt die ErdengleiseHebt Keiner einen Stein von seinem Wege,Damit er ruhe von der Mühsal aus.

Viel leichter übt sich die gewohnte Weise,Mit Worten fromm zu sprechen solchen SegenDann, wenn er schläft im engen Sarges-Haus.

Jsabella Braun.

Ein Jesuit.

Der folgende gedrängte Auszug aus der Lebensbeschreibung des P. AlbrechtEhanowsky von Langendorf aus der Gesellschaft Jesu , welche der JesuitTanner böhmisch und lateinisch herausgegeben hat, ist einem katholischen Blatte, derWahrheit", entnommen, daö bis zum Ende des JahreS 1850 in Prag erschien.Wir geben diesen AuSzug hier wieder, um zu zeigen, durch welche Männer die Ge-sellschaft Jesu ihre staunenswerthen Erfolge bewirkte, und um so lieber geben wir ihnwieder, weil der selige P. Albrecht in Böhmen wirkte, wo der Jesuitenorden ammeisten verdächtigt wird, als habe er nur durch die weltliche Gewalt daö Band derkatholischen Kirche erhalten. Nicht Gewalt, sondern die Waffen deS Geistes, derlebendige Glaube, auS dem die thätige Liebe hervorgeht, sind es, die große und nach-haltige Erfolge erzielen. Und gerade der Jesuitenorden zählte sehr viele Glieder, die wieP. Albrecht durch einen klindlichen Glauben und opferwillige Liebe sich auszeichneten.

P. Albrecht Ehanowsky wurde 1531 in dem Dorfe Swiradic im ehemaligen prachi-ner Kreise Böhmens geboren; er war unter fünfzehn Kindern daö achte Kind deS RitteröJohann Ehanowsky von Langendorf, Herrn auf Dozic, Hradischt und Teynisst. Vor derPrager Akademie bezog er die niedern Schulen im Jesuitencollegium zu Krumau . SeineEltern wollten ihn zum Ritter erziehen; er fühlte aber von Kindheit auf in sich den Berufzum geistlichen Stande. Schon als Knabe verschmähte er die Kinderspiele, baute kleineEapellen, Altäre; seine Eltern bat er, ihm ein kleines Meßgewand machen zu lassen , erfeierte als Knabe die Messe, hielt Predigten voll Eiser und Herzlichkeit, sang Psalmen,verrichtete eifrige Gebete, segnete Wasser, Brod und Fleisch. DaS Noviziat hielt er bei denJesuiten in Brunn und verwendete sich unterdessen bittlich bei seinen Eltern um die Er-laubniß, bei der Gesellschaft Jesu bleiben zu dürfen. Nach einigen Jahren kam er miteinem Ordensbruder nach Hause, wo seine Mutter krank lag und ihren Unwillen noch nichtverhalten konnte, daß er in den geistlichen Stand trat. Sie wurde von Albrecht, ihremSohne, zum frommen Tode vorbereitet. Zum Priester wurde er in Grätz geweiht, wardann Regens in Prag , erklärte in der dortigen Akademie die hl. Schrift und die hebräischeSprache. In Olmütz lehrte er die Mathematik. Gott rief ihn aber zur Liebe deS Kreuzes,zu apostol. Arbeiten, schmückte ihn mit apostol. Tugenden, und führte ihn dahin durch man-nigfaltige widerwärtige Begebenheiten. Nach der Schlacht am weißen Berge wurde vondem Jesuitenprovincial, P. Gregor Rumer, Böhmen zwischen den PP. Krawarsky undAlbrecht Ehanowsky getheilt, damit sie beide apostolisch herumreisen, die im katholischen Glauben Schwachen befestigen, die Unwissenden unterrichten, die von demselben bereitsAbgefallenen wieder in den Schooß der Kirche zurückzuführen streben möchten.

P. Krawarsky bereiste die Kreise Böhmens an der Gränze Mährens, Schlesiensund der Laufitz; P. Albrecht verrichtete seine apostolischen Arbeiten in den Kreisen, welchemit Oesterreich und Bayern gränzten. Seit der Zeit hörte er nicht auf, in den Städten,Marktflecken, Schlössern, Dörfern, Häusern und Einöden Tag und Nacht mehr als zwan-zig Jahre zu lehren, daS Volk im kath. Glauben und in der Frömmigkeit zu unterrichten.Er pflegte sich kein Ziel zu setzen, wie weit er deS TageS kommen sollte; manchmal besuchteMr ein Dorf, zuweilen mehrere, fingend trat er in die Dörfer ein. So wie ihn die Kinder