Ausgabe 
12 (7.11.1852) 45
Seite
353
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Zwölfter Jahrgang.

SonntBgB-Wejblatt

Augsburger Psstzeitung.

7. November /U^ I85S.

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Am Allerseelen-Tage.I

Im Friedhof weht ein junger LebenshauchVon FrühlingSduft und zarten Rosensprossen.Zu ehren so die einstigen GenossenVerlangt der schöne Allerseelen-Brauch.

Ich selber Pflanzt' in Liebe einen Strauch;Doch ach! in meinem Auge thränumflossenIst noch ein andrer, tiefer Schmerz verschlossen,Denn verer, welche leben, denk ich auch.

Viel tausend Leiber wallen durch das Seyn,Und drinnen schläft der Geist, wie ohne Leben,Gleicht einer Kerze, die der Flamme harrt.

In solche Gräber, Menschen, blickt hinein,Und weckt den Geist zu Leben und zu Streben;Das wär ein Seelenfest nach hoher Art!

II.

Ist Einer aus dem Leben nun geschiedenUnd liegt er in der Erde eingegraben,So meint man, doppelt ihn geliebt zu haben.Und lobt und preist, was er gethan hienieden;

Und ist mit Allem, was er that, zufrieden,Und weint um ihn, und weiht ihm Blumengaben,Seufzt bang und tief, als könn' ihn dieses laben,Und wünschet fromm:Geh' ein zu Gottes Frieden!'

O späte Lieb'! o, wärst du früher kommen!O, kämst du jetzt für Manchen hier auf Erden,Der heiß sich sehnt »ach Einem Tropsen Lieb!

Wie würd' ihm das im Erdenleben frommen!Es wär' für ihn ein neues, süßes Werden;Drum Herz, zur rechten Zeit dein Lieben gib!

III.

Gott geb' ihm ew'ge Ruhe!" hör' ich sagen.Das ist der beste Wunsch, er werde Allen,Die man nach dieses Erdenlebens WallenZum stillen Friedhoss - Bette hat getragen.