Ausgabe 
12 (14.11.1852) 46
Seite
361
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojtzeitung.

14. November ^ !85>s.

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Schreiben

des hochwürdigsten Erzbischofs von Tuam in Irland an Se. Ercell.

den StaatSminister Herrn Grafen von Derby, über die kirchlichen

Verhältnisse Irlands .

Jalaths, Tuam, am Feste der sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau,l9. September t3SL.

Excellenz! Die Anhänger der protestantischen Hochkirche haben in Irland viel Aufsehen und großen Lärm erregt. Sie entblödeten sich nicht, die schamlose-sten Lügen von ihrer Ausbreitung in Umlauf zu setzen und nachallen Richtungen hin zu verbreiten. Dieß Alles ist erfolglos geblieben,und sie sehen jetzt ihr eigenes Daseyn ernstlich in Frage gestellt. Vergebens werdensie durch solche Maaßregeln ihre nahe bevorstehende gänzliche Auflösung zu hindernsuchen. Bisher konnten sie das englische Volk bethören, weil sie die unerhörtestenVerleumdungen rücksichtslos und unbesorgt ausstreuen durften. Sie mögen sich auchjetzt noch immer im unbestrittenen Besitze deS Rechtes zu betrügen wähnen, ohne zuahnen, daß Jemand an eine Enthüllung denken werde aber sie scheinen dochwenigstens auch zu merken, daß sie sich in ihren Berechnungen geirrt haben. DaSErgebniß der letzten Wahlen in Irland hat sie mit einer Angst erfüllt, welche siegerne verheimlichen wollten; aber ihre überlaute freche Prahlerei zu einer Zeit, wodie Welt den Sturz des hochkirchlichen Parlamentes mit eigenen Augen sieht, undder thatkräftige Widerstand eines Volkes, welches seine Freunde für zertreten hielt,sind zu offenkundige Beweise und Gründe ihrer schrecklichen Befürchtungen.

Wir können wohl diese bebenden Sachwalter in dem süßen Tranme von ihrenFortschritten belassen, während wir vor dem unparteiischen Richterstuhle die unläug-bare Behauptung aussprechen, daß die letzte Stunde der protestantischenHochkirche geschlagen har. Die Times, dieses getreue Organ der Hochkirche wenn eine verworrene und launenhafte Einrichtung diesen Namen verdientmögen wüthen und schnauben und blitzen und wieder und wieder den schrecklichenAuSbrüchen ihrer Fieberhitze über den unverbesserlichen Starrsinn, womit der celtischeStamm an seinen alten Gebräuchen klebt, Luft machen, und das andere wenigergeräuschvolle, und gleichsam harmlose literarische Gewehrseuer möge demselben Zugesich anschließen. Sie müssen Alle unserm Zwecke dienen, und wider ihrenWillen den Sturz der protestantischen Hochkirche gleichsam laut bezeugen, da sie jaselbst weit und breit die Verzweiflung bekannt machen, welche sich ihrer Trägerbemächtigt hat.

Sie mögen in ihren feilen Spalten die lächerlichen Lügenberichte ihreririsch-protestantischen Korrespondenten über den Fortschritt der sogenannten Refor-mation in Irland und über die neue Begeisterung deS Volkes für die Reinheit und