Ausgabe 
12 (14.11.1852) 46
Seite
362
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Vortrefflichkeit der Sitten, wodurch dieselbe sich in England auszeichnet, ruhig auf-nehmen. Ew. Ercellenz werden, denke ich, mit den Times gerne glauben, daß dasCelten-Volk am Hergebrachten festhält, und vor allem an seinem hergebrachten Glau-ben und seiner reinen Sittlichkeit. Deßwegen sollte auch daS englische Volk nicht soleichthin glauben, daß das irische Volk wegen seines langen Zusammenlebens mitdem Sachsenstamme nun auch dieses sein brutales System zur Entsittlichung der Ge-sellschaft liebgewonnen habe. Gleich einem Krebsschaden frißt diese Lehre um sichund hat alle bürgerlichen und sittlichen Tugenden in England untergraben, wie inder Neuzeit die vielen Untersuchungen über Kindermorde, durch unverheirathete Frauen-zimmer verübt, leider zu klar beweisen. Und doch find dieß lauter Handlungen,welche, dürfen wir den Lobrednern dieses sittlichen Volkes Glauben schenken, derunmittelbare Ausfluß jener protestantischen Lehre sind, für deren Ver-breitung in Irland man, Gott sey Dank umsonst, so viel arbeitet.

Ercellenz, durchdrungen von der Ueberzeugung, die jeder wahre Christ theilenmuß, von dem unheilvollen Einfluß einer solchen schauderhaften Sittenlosigkeit aufdas ewige und nicht minder auf daS zeitliche Wohl des Menschen, könnten daS Volkund die Priesterschafl Irlands unter keiner Voraussetzung ruhig die Hände in denSchooß legen, indem sie die Versuche zur Ausbreitung dieser so verderblichen Grund-sätze vor Augen haben. Man wirft uns vor und dieser Vorwurf gereicht unsgerade zum größten Lobe daß Irlands Volk eine so große Verehrung für dasAlte hegt und mit einer Anhänglichkeit zu seinen Geistlichen hält wie keine Nationauf Erden. Diese Anhänglichkeit an seinen Klerus hat eS genügend in seinen letztenglänzenden Siegen über den furchtbaren Bund bewährt, den Pietismus und Machtgeschlossen hatten. Man hatte beabsichtigt, die Wahlfreiheit zu einer VersolgungS-waffe gegen seinen Glauben zu gebrauchen, und nun ist sie durch sein Bemühen zueinem Schutz und Schild desselben geworden. Können diesemnach Ew. Ercellenz, jasollte der leichtgläubigste Pietist, der auf Mährchen lauscht, dem Gedanken Raumgeben, die Jrländer würden jemals zur protestantischen Religion übergehen? Reli-gion darf man eigentlich auch nicht sagen, sondern Legion ist der Name, denn siesind zahlreich. Wie werden Ew. Ercellenz diese LoStrennung des Volkes von denkatholischen Geistlichen und dieses gänzliche Aufhören ihres Einflusses mit der furcht-baren Wuth in Einklang bringen, zu welcher sich alle englischen JournalistenWhig, Tory, Radikalen haben hinreißen lassen? Dürfte nicht die Wahl von eilfkatholischen Parlamentsmitgliedern in der Provinz Connaught, welche doch nur diegeringe Zahl von dreizehn zu wählen und mit der hitzigsten Opposition zu kämpfenhatte, ein hinreichender Beweis seyn, daß daS sächsische Religionswesen unter denceltischen Bewohnern dieses westlichen Striches außerordentlich wenig Anklang findet?Ew. Ercellenz besitzen doch zu viel Ehrenhaftigkeit, um dieses in Abrede stellen zuwollen, und werden vielleicht recht bald eine ähnliche Ueberzeugung durch die Abstim-mungen und daS Auftreten der Parlamentsmitglieder gewinnen. Wir werden dannwieder Gelegenheit haben, die Kundgebungen der Theilnahme der Sachsen gegenunsere auch zu sehr übertriebenen Fehler und Schwächen, nicht weniger aber diegewohnten AuSbrüche von Wuth und Rache über die wachsende Stärke und Herrlich-keit der katholischen Kirche in Irland anzuhören.

Ja gerade diese feste Ueberzeugung von der tief eingewurzelten Anhänglichkeitder katholischen Bevölkerung von Irland an ihte Religion, und thr unabänderlicherEntschluß, dieselbe nicht bloß zu erhalten, sondern auch einen kühnen, gesetzmäßigenund konstitutionellen Kampf gegen den Moloch der StaatSkirche aufzunehmen, hatdiese veranlaßt, neuerdings eine beträchtliche Schaar Prediger und Kirchendiener indiese Gegend zu beordern, und dafür schwere Frachtladungen von Lügen und Dich-tungen über errungene Siege im Westen Irlands einzutauschen. Auch diese Umtriebewird man nicht länger fortsetzen, da doch das Schicksal jedes neuen vergeblichen Ver-suches den klaren Beweis liefert, daß die Tage der Hochkirche gezählt find. Wennaber diese geschlossene Reihe irischer Parlamentsmitglieder, welche eine noch stärkere