Ausgabe 
12 (14.11.1852) 46
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Regierung als die jetzige stürzen könnte, das Land einmal von dem Alp, welcher alleseine Anstrengungen hemmt, befreit hat, so werden sie schon von selbst den AuSgangder neunten oder zehnten Reformation im Süden oder Westen von Irland nicht ab-warten. Nein, sie werden nicht zuwarten, noch auf jene süßen Versprechungen hören,deren sich die Tory- und Whigminister gleich listig zu bedienen wissen. Denn diesesächte Celtenvolk, das in England als protestantisirt gilt, hat seinen Vertretern dieWeisung ertheilt, nicht nachzugeben, noch ein Amt anzunehmen, noch irgend welcheGunst vom Ministerium, bis dieses Land von dem Drucke dieser StaatSkirche, vonwelcher nur schamlose Verleumdung behauptet hat, daß sie ihm zusage, befreitworden ist.

Weit besser und vernünftiger wäre es daher, wenn diejenigen, welche dieseLügen von dem Fortgange der Reformation in Irland aussinnen, sich um ihr eigenesHauS bekümmerten, und sich in das allgemeine Schicksal aller menschlichen Dinge,dem auch dieses Menschenwerk nothwendig anheimfallen muß, zu fügen suchten, alsdaß sie unausgesetzt das Volk des einen Landes verleumden und das Volk deS andernLandes betrügen, indem sie staunenswerthe Nachrichten von erdichteten Wundern ausdem Westen Irlands mittheilen, mit denen die verbürgten Wunderberichte, welchevon ihnen lächerlich gemacht werden, gar keine Aehnlichkeit haben.

Die Engländer werden gerechtigkeitSIiebend genannt; wir dürfen aber nicht ver-gessen, daß sie selbst sich dieses Lob in Schrift und Rede beilegen. Ich glaubenicht, daß ihre Gerechtigkeitsliebe reiner und hochherziger ist als ihre vielgeprieseneFreiheitsliebe, welche den besten und größten Theil für sich beansprucht und Andernnur einen geringen Antheil verstattet. Ihre Liebe zur Liederlichkeit steht, so weitIrland in Betracht kommt, durchgängig hinter dem gespendeten Lobe zurück. Ausdiesem triftigen Grunde ist eS auch keine vergebliche Arbeit, wenn ich die Widerlegungder Verleumdungen von Uebertritten in Irland , welche keinem andern als dem engli-schen Volke glaubwürdig erscheinen, begonnen und ausgeführt habe. Diese Verleum-der kann man heute und morgen widerlegen, mit derselben Unverschämtheit im Ver-leumden treten sie doch vor den Hintergangenen Engländern wieder damit auf.

Von der Gerechtigkeit der englischen Nation haben wir daher wenig zu erwar-ten. Sie wird diesen Uebelstand diese reiche Quelle von Jammer und Zwietracht nicht heben, aber die Begeisterung deS irischen Volkes für seinen Glauben, seinfester Entschluß, das englische Volk durch die Haltung der irländischen Mitglieder imParlamente zu überzeugen, müssen endlich siegen. Ihre Summen der klare AuS-spruch deS Glaubens und der Gefühle der celtischen Bevölkerung werden deut-licher als Alles, waS man sagen oder schreiben könnte, zeigen, daß sie keine Zunei-gung zum Protestantismus haben. Ist so im Parlamente der Ueberzeugung Bahngemacht, so werden auch die gedungenen Vorleser wenn man sie Leser nennen soll,obgleich sie kaum buchstabiren können und Prediger, welche hinter diesen Vor«läufern von Lug und Trug auf reichen Gewinn ausgehen, bald gewahr werden, daßsie, anstatt die gehofft« .Ausdehnung der Hochkirche zu sehen, sich eine bedeutendeMinderung deS Gebietes nach den Forderungen der Gerechtigkeit und einer vernüns-ttgen Politik gefallen lassen müssen. Die Bewerber um dergleichen Stellen bildensich ein, sie fänden Glauben für ihre übertriebenen Berichte und doch rufen sie nurSpott und Verwünschungen hervor.

DaS englische Volk ist in der That niemals so großartig hintergangen worden,als durch die Berichte von der neuen Reformation, denen eS zur Selbsttäuschung sogerne zuhört. Der Klerus von Irland ist nicht gewohnt, mit Schatten zu kämpfen.Spricht man daher von Uebertritten im westlichen Irland und gibt die ungefährenZahlen derjenigen an, von denen man sagt, daß sie zu den Versammlungen deSIrrthums gekommen sind, so sollte man bei der Angabe die genauen Bestimmungenvon Namen und Ort und Zeit das sind die wohlbekannten Prüfsteine der Wahr-heit und Glaubwürdigkeit doch nicht vergessen. Warum bleiben diese gerade durch-gängig bei den wunderlichen Darstellungen von dem Fortgang der Reformation, wo-