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mit man das englische Volk zu ergötzen sucht, ganz außer Acht? Doch wohl nur,weil eS weit leichter ist, falsche Nachrichten unter dem Deckmantel der Allgemeinheitzu verbreiten. Wenn nun auch diese Betrüger sich schon lange ungestört mit demBetrüge abgaben und ausstreuten, daß in dieser Diöcese Massen Eingeborner — Tau-sende, wenn man ihnen glaubt — überträten, so fordere ich doch jetzt dieselben hier-durch auf, nicht nach Tausenden oder Hunderten zu zählen, sondern die Plätze anzu-geben, wo ihrer fünfzig oder zwanzig, oder zehn sich aufhalten. Auf diese Weisewird eS ermöglicht, zu beweisen, ob und wie viel Glauben sie verdienen. — Diefurchtbare Geißel der HungerSnoth hat überall tiefe Wunden geschlagen, welche nochnicht ganz vernarbt sind, und weit schlimmer war die Geißel der Verfolgung vonSeiten deS Pietismus ; deßungeachtet haben in beinahe fünfzig Pfarren dieser Diöcesedie Betrüger in keiner Hinsicht festen Fuß fassen können. In den wenigen Psarren,in denen sie sich festzusetzen suchten, benutzten sie den Jammer der Eltern, welche ihreKinder hinschmachten sahen und den Fanatismus der königlichen Aufseher bei denArbeitshäusern. Diese vertrieben die Leute zuerst von HauS und Hof, jagten siedann gleich nach der Aufnahme wieder aus dem Arbeitshause, oder verweigertenihnen die zukömmliche Unterstützung, und ließen ihnen auf diese Weise bloß dieWahl zwischen jenem Verführergifte und dem Tode. Manche legten insolcher Noth ein Scheinbekenntniß auf den Irrthum ab, hielten jedoch kaum so langeaus, als das Schicksal auf ihnen lastete. Sie mögen diese in der HungerSnotherhetzten Opfer einmal nachzählen, und eS wird sich ergeben, daß dieselben glücklichin den Schooß jener Kirche zurückgekehrt sind, die sie nur im Dränge der äußerstenNoth verlassen hatten. Wenn sie sich dieser augenblicklichen AuSnahmSübertritte rüh-men wollen, so sollten sie doch auch nicht vergessen, daß dieselben Zeugnisse widerihre eigene Unmenschlichkeit und Grausamkeit ablegen — oder sollten die Aufmerksam-keit lieber nicht auf eine Vergangenheit hinlenken, welche doch nur ihren Schimpfund ihre Schande deckt. Ich will mich keineswegs in Vermuthungen erheben, nochaus den traurigen Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, auf die auch anderwärtsdurch das schauderhafte Wühlen der hochkirchlichen Sendboten vorgekommenen Ver-treibungen von HauS und Hof und Verfolgungen um der Religion willen schließenund anspielen. Nein, ich will berichten, was ich selbst gesehen, und anführen, waSJedem handgreiflich scheint und wovon sich Jeder selbst überzeugen kann.
Ist eS Ew. Ercellenz bekannt, daß in Connemara, dem eigentlichsn Herde dieserWühlereien für daS Evangelium, ein achtbarer Gutsbesitzer feinen Pächtern mit Kün-digung gedroht hat, wenn sie in ihren Wohnungen die Vornahme irgend einer Reli-gtonShandlung ihreö Glaubens gestatteten? Was wird daS Volk — daS gebildeteVolk — Englands, dieser Lobredner ihrer Liebe zur Duldung, Gerechtigkeit undMenschenfreundlichkeit von der zarten Frömmigkeit dieser Eiferer sagen, wenn dieseHäscher am 9. September einer Mutter, welche ihre beiden Kinder, die in der Hun-gerSnoth mit Hunderten solcher Opfer zur Anhörung der schlechten Lehren gezwungenworden waren, in den Schutz der Kirche flüchten wollte, auf dem Wegenach Clifvenförmlich auflauerten und ihnen die elenden Lumpen, wofür sie am SchulunterrichteTheil nehmen sollen, geradezu vom Leibe rissen, so daß die arme Mutter die Gefühledes AnstandeS unterdrücken mußte, um ihre Lieben dem Tempel GotteS zuzuführenund vor dem Unterrichte und Schicksale der Frauen zu Dorsetshire zu bewahren.Und doch versichert man uns, diese Uebertritte geschähen ohne jegliche Bestechung;während eben die Bestechung in den einzelnen Fällen einziger Grund ist, wenn Einerfür Augenblicke abtrünnig schien. Man kannte wohl die eigenthümliche Liebe, welchein Connemara die nackten Waisenkinder kleidete. Aber es ist unmöglich, die tiefeEntrüstung gehörig zu beschreiben, von welcher daS gesammte Volk beim Anblick dieserhalbnackten Kinder ergriffen wurde, dieser entwichenen Raudopfer, welchen die Wölfewenigstens die Proselvtenkleidung noch ausgezogen hatten. Dieser Auftritt gab ihneneinen harten Stoß, und öffnete auch denjenigen wieder die Augen, welche durch diearge Heuchelei am meisten eingenommen waren. Der Hunger hat Viele aus dem