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Reiches, und ließ die Frage an sie stellen, wer sie wären, und weßwegen sie indieses Land gekommen? Die Missionäre antworteten, sie seyen katholische Priester,und von dem Papste, dem allgemeinen Hirten der Kirche, abgesendet, um die Em-gebernen dieses Landes im wahren Glauben zu unterrichten, ihre Seelen auS derFinsterniß zu befreien, und zur ewigen Seligkeit Hinzuletten. „Also haltet ihr unSfür keine Christen?" fragte der König. Die Missionäre versetzten: „Ihr seyd wohldem Namen nach Christen, aber keineswegs in der That "
Der König, dadurch heftig aufgebracht, schleuderte über sie daS Todcsurtheil,während sie sich bereitwillig darboten, standhaft für den kaiholischcn Glauben daSLeben zu opfern. Von großer Verwunderung ergriffen, standen Alle umher undstaunien den Muth und die Geringschätzung des LebenS an, welche diese fremdenPriester an den Tag legten, so daß der König selbst etwas nachdenkend wurde, sichfreundlicher als zuvor an sie wendete, sie einlud, sich der Landesreligion anzuschließen,ihnen Sicherheit und Leben versprach, wenn sie sich den herrschenden religiösen Ge-brauchen fügen, den heiligen DioSkurus verehren, in Christo nur Eine Na>ur beken-nen, an den Sacramenien Antheil nehmen würeen u. s. w. — Aber die Missionäreverachteten mit erhabener Standhafrigkeit daS vergängliche Leben, und wollten liebersterben, als ihrem Glauben unireu werden. Hierauf ward befohlen, die Missionärewieder in den Kerker zu führen, und man pflog inzwischen abgesonderte Berathungen.Der König, obgleich er sich nun als Feind des katholischen Glaubens zeigte, wardoch in früherer Zeit gegen diese Priester milder gesinnt gewesen, und sprach auch jetztdie Meinung auS, man solle die Missionäre auS dem Königreiche vertreiben; dieeinheimischen Mönche hingegen verlangten, man solle sie mit dem Tode bestrafen, uudso wurden sie denn am 3. März mit auf den Rücken gebunoenen Händen aus denPlatz oder daS Kampffeld geführt. Dort wurden sie der Kleider beraubt, wechseltennoch miteinander einige Worte, umarmten und küßten sich. Indem sie ihren Geistim demülhigen Gebete Gott empfahlen, sanken sie auf ihre Kniee nieder, um diehefiigen Sieinwürfe auszunehmen. Sogleich sprang ein frevelhafter einheimischer Prie-ster, der mit dem Scheine der Religiosität seine Boöheit verdeckte, aus der Volks-menge hervor, und schrie auS vollem Halse: „Wer nicht fünf Steine auf Diese hierwirft, der sey verflucht, ercommunicirl und ein Feind der Jungfrau Maria I " Erseltst warf den ersten Stein, und ihm folgte die ganze Volksmenge, wohl bei zehn-taujend Menschen, und so wurden die Missionäre in kurzer Zeit unter einem Hügelvon Sreinen begraben. — Es war wohl mein Wunsch Theil zu nehmen an ihremSiegeskampfe, da mich die brüderliche Liebe mit ihnen so enge verband; aber Gott hat es anders gefügt, da ich wegen übler Witterung mit drei anderen Priestern hierzurück gehalten bin, und in Ungewißheit über unser künftiges Schicksal schwebe, bisuns die heilige Kongregation zur Verbreitung deS Glaubens von Rom Antwort gesen-det haben wird. Unterdessen konnte ich dieses Wenige der Wahrheit gemäß mittheilen.Mehreres, so Gott will, behalte ich der Zukunft vor.
Mocca, im glücklichen Arabien, am 20. Juni 1716.
Fr. TheodosiuS Wolf, apostol. Missionär.
Düß der Bericht über den Mcmyrtod seiner Mitbrüoer, deren Andenken dieseZeilen in der Erinnerung der Katholiken wieder anfsrischcn wollen. Zum Schlüsse seydie Bemerkung beigefugt, daß im Jahre 1833 ein abyssinischcr Füm, Namens JtsaTecla Gorgis, sich an den Papst Gregor XVl. um Priester gewendet habe. ESwurden solche dahingesendet, und Abyssinien wieder in die Zahl der apostolischenPiäfcc-uren aufgenommen. Wohl ist die Zahl der Katholiken jetzt dort noch klein, imJahre 1843 ein halbes Tausend ruucr vielleicht vier ein halb Millionen irrgläubigerabyssinischcr Christen. Aber gewiß hat die göttliche Vorsehung so viele Funken deSChristenthumes unter der Asche in diesem sonst so gesegneten Lande nicht umsonst sorg-sam und wunderbar erhallen. DaS Blut der Märtyrer, welches dort so reichlichgeflossen, wird wie in den ersten Jahrhunderten noch reichliche Früchte bringen. Esweht GotteS Geist, wo er will, und bei dieses Geistes Wehen kann früher oder