Ausgabe 
14 (16.4.1854) 16
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

Augslmrger PostMimg.

zur

16. April M- K«

1854.

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Der Berein zur Begleitung deS allerheiligsten Viaticum in Rom.

Wer jemals die ewige Stadt gesehen, und einige Zeit in derselben verweilthat, ist gewiß Zeuge der besondern Verehrung gewesen, welche das römische VolkJesu Christo im allcrheiligsten Sacrament erweist. Wir reden hier nicht von jenerLieblingsandacht der Römer, dem vierzigstündigen, von einer Kirche zur andern wan-dernden Gebet, nicht von der rührenden Innigkeit und Zärtlichkeit, mit der italienischePriester und viele, viele Laien jeden Abend den im Tabernakel weilenden Erlöserbesuchen, sondern haben lner lediglich die Art und Weise im Auge, wie Rom seinenHeiland, wenn er den Kranken aufsucht, ehrt. Bevor der Priester die Kirche mitdem Lsnetissimum verläßt, werden, wie es ja überall gemäß den Vorschriften derKirche geschehen soll, die Pfarrkinder, die Bruderschaft vom allerheiligsten Sacramentund andächtige Christen überhaupt, mit einigen Glockenschlägen zusammmbernfen,von denen dann immer einige sofort zur Kirche hineilen, welche die heilige Eucharistiemit Wachskerzen, Stocklaternen oder Fackeln begleiten nnd die Umbella, einen weißenseidenen Schirm mit Goldborten, oder wo eS sich thun läßt, einen Baldachin überdem Priester mit seinem kostbaren Schatze halten. Der Priester trägt denselben inder PiriS entblößten Hauptes mit beiden Händen vor der Brust, unter einem weißenVelum, angethan mit Cvtta (Chorrock), weißer Stola und mit weißem Pluvial,von den Klerikern und Priestern, wenn diese nicht verhindert sind, begleitet, vondenen einer dann die Umbella trägt. Stets geht der Akolyth oder Diener der Kirchemit dem Lichte in der Stocklaterne voran, diesem folgen zwei Kleriker oder Laien,von denen einer das geweihte Wasser mit dem Aspersorium und die Bursa mit demKorporale trägt, welche der Piris mit dem hochwürvigsten Gute untergebreitet werdenmuß, wenn eS im Zimmer des Kranken ans den Tisch gesetzt wird, und mit demkleinen leinenen Purificatorium zum Abtrocknen der Hände; der andere tragt dasRituale und schellt beständig mit dem Glöckchcn. Dann folgen die Fackelträger.Zuletzt kommt der Priester mit dem Sacramente unter der Umbella, der während deSGanges den Psalm Miserere und andere Psalmen und Cantica recitirt, und zwarhier, weil dem Volke die gewöhnlichsten Psalmen und Hymnen besser bekannt sindals dem Deutschen seine Kirchenlieder, laut und abwechselnd mit seinen Begleitern.Die Vorübergehenden knieen vor dem allerheiligsten Gut, und zwar Viele ausAndacht so lange, als sie den Priester im Auge behalten; die Wagen halten annnd setzen sich erst wieder in Bewegung, nachdem der Priester bei ihnen vorüber-gegangen ist.

Im Jahre 1852 hat nun in Rom sich ein frommer Verein gebildet, der die

Bei Nacht wird der kirchlichen Borschrift gemäß das Sacramcnt nur im Nothfälle getra-gen; dann erleuchten die Römer in den Straßen, welche dasselbe durchzieht, alle Fenster.