Ausgabe 
14 (16.4.1854) 16
Seite
123
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

«23

Schisma vollends untergraben, der Islam das Panier dcS Halbmondes ausgepflanzthält, dürfte eS im höhern Grade ansprechen zu erfahren, wie katholischcrseitS ausdem friedlichen Wege gemeinschaftlichen Gebetes angestrebt wird, was durch keinemenschliche Gewalt bisher erreicht wurde, noch je erreicht werden kann.

Unser hochwürdigster Fürstbischof hat in der Agiamer slovenischen ZeitschristDanica" unter Heutigem ein offenes Sendschreiben an die Genossen dieser Nationa-lität veröffentlicht, womit Hochderselbe den Fortgang des von ihm in der Absichtgestifteten Vereins, unter Anrufung der hh. Methud und Cyrill, dieser Slavcnapostel,deren Erinnerung die Kirche am 9. März feiert, von Gott die Wiedervereinigung dergetrennten orientalischen Kirche mit jener des Abendlandes, als dem Mittclpunctc derEinigkeit, zu erflehen in seiner gewohnten herzlichen Weise kund gibt.

ES sey uns gestattet, in diesen Blättern, den, wenn nicht wörtlichen, dochwesentlichen Inhalt dieses offenen Briefes zu liefern, um sc> mehr, da dieser Verein,welcher vor drei Jahren errichtet wurde, auch unter den Katholiken dentschcr Zungeder Anhänger nicht wenige zählt, und bei seinem so umfassenden Endziele noch meh-rere zu erhalten berechtigt ist.

So wie Photius und später Cerularins spricht das Sendschreiben weiter bemüht waren, die morgenländische Kirche von dem heiligen Stuhle in Rom los-zureißen, waren dagegen die beiden heiligen Brüder Cyrill und Methud beflissen undso glücklich, in den Coczaren, Bulgaren und den Bewohnern des großmährischcnReiches demselben neue Bekenner zuzuführen und das bereits gelockerte Band fester zuknüpfen WaS sie gethan oder doch gewollt haben, ist nun, wo die Spaltung dermorgenländischen Kirchen bald ein Jahrtausend andauert, unsere Aufgabe, freilich der-malen nur durch Gebet uud andere gute Werke; denn nur Gott kann aus den Wirr-salen der Gegenwart, die Er gewiß nicht ohne seine heiligen Absichten eintreten ließ,die zu enträthseln und in welche keine menschliche Weisheit oder Macht einzugrcisenvermag, zu einem endlichen erfreulichen Ausgang führen.

Unser heiliger Vater, Papst PiuS IX. , hat den jungen Baum dcS Vereins mitseinem Segen und seiner Genehmigung befestigt, ihn mit mehrerlei Jndulgenzen aus-gestaltet und zum Wachsthum gefördert. Viele Bischöfe und ciue große Zahl eifrigerPfarrer haben sich um die Anempfehlung und Ausbreitung desselben verdient gemacht,so daß dieser evangelische Baum seine Aeste bereits über die czcchischen VolkSstämme,über Ungarn, die südslavischen Länder und auch selbst einen Theil Deutschlands aus-breitet; Zeuge dessen ist das Namensvcrzcichniß in dem Vcreinöbuche, welches zehnBiSthümer umfaßt und 170 Theilnehmer aus dem von Görz, 758 aus Trieft, 5521aus Laibach, 6320 aus Lavant, 239 aus Gurk, 85 aus Olmütz , 21 auS Gran,zusammen 13,114 aufführt, während aus den BiSihümern Scckau, Brüun und Leil-meril), wo der Verein auf daS eindringlichste anempfohlen wurde, die Namensverzeich-nisse noch nicht eingegangen sind, jedoch einen mächtigen Zuwachs vermuthen lassen.Alle diese Vereinsglieder beben täglich ihre Hände betend zu Gott empor unter Anru-fung der mächtigsten Fürbitte der heiligen Gottesmutter uud der Heiligen Cyrill undMethud: der Allerbarmer wolle die Rückkehr unserer getrennten Brüder zum Mittel-Punct der Einigkeit' veranlassen und bewerkstelligen; und wahrlich, wie drängt unsnicht Alles z» dieser Bitte. Wie in der Gesellschaft dcS Staates äußere Gefahren:Feuer, Wasser, Kriegsnoth weniger verderblich wirken, als Aufruhr und innere Auf-lösung, so in dem Körper der Kirche. Juden und Heiden haben die erste christlicheKirche durch mehrere Jahrhunderte mit aller Wuth verfolgt; doch vergeblich, daSBlut der Märtyrer war der Same des Christenthums. Ketzerei aber und Schismahabe» ihr die schwersten Wunden geschlagen, Millionen, ganze Reiche und Völkervon ihr losgerissen, während sie den Wahn nähren, auch auf einem andern Weg alsdem unzigen, den uns Christus gezeigt, selig zu werden. War doch sein letztes Gebetvor seinem Hingange zum Leiden:Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, diedu mir gegeben hast, damit sie Eins seyen, wie wir eS sind" (Joh . 17, 11). DiesesGebet muß aber auch das unsere seyn; denn so wie Einigkeit der Charakter der Wahr-