Ausgabe 
14 (23.4.1854) 17
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wenn ich kann, höre ich si«, wo nicht, nicht. D. Wie ist eS möglich, daß Ihrjemals nicht könnt? Da Ihr nicht arbeitet, habt Ihr doch keine Abhaltung. I. Aberich gehe dann Sonntags auf die Jagd, und so versäume ich die Messe. D. Ihrversäumt daS Nothwendige über dem Unnützen. Gott befiehlt, die Messe zu hören,wo besieht er aber, auf die Jagd zu gehen? I. Man sagt doch, daß ein zu hartgespannter Bogen bricht. Und dann jagt man auch nur bei schönem Wetter. Ist eSschlecht, so macht man Geschäftsgänge, man hat hie und da Geld einzutreiben, gehtnach Maria de Monti, dann nach Trastevere unterdessen geht die Zeit hin, derSchuß fällt vom Castell und eS ist Mittag. D. Welches Interesse ist in Euern AugendaS erste, czuello ciel Lsjoeeo o «zuello clell' sm'ma? I. Ln <zuello 6el mgngmre.(Gelächter). D. Vertraut auf Gott und es wird Euch und den Eurigen nie fehlen.Ihr werdet wohl auch nicht so arm seyn, als Ihr Euch anstellt. Und durch diehalbe Stunde, die Ihr in der Messe zubringt, könnt Ihr schwerlich einen Verlusterleiden. I, Man sagt doch, daß die Kirche selbst erlaubt, die Messe zu versäumen,wenn man Gründe hat. D. Ja, aber eS müssen triftige seyn. Wenn Ihr z. B.krank seyd oder gewesen seyd, und könntet Euch durch Ausgehen einen Rücksall indaS Fieber zuziehen; oder wenn Ihr eine Person zu bewachen habt, die Ihr wederverlassen noch in die Kirche mitnehmen könnt; oder Ihr seyd augenblicklich nicht imStande, Euch anständig zu kleiden, Eure Schuhe sind zerrissen, dann legt Euch dieKirche nicht die Schande (clisonore) auf, so vor den Leuten zu erscheinen. HörtIhr die Messe denn auch ganz? I. Manchmal ja, aber manchmal höre ich nur dasWesentliche, die mittleren Theile. D, Auch das ist nur durch triftige Gründe zuentschuldigen, daß man Anfang und Ende versäumt. Es ist gerade keine Todsünde,aber eS ist doch immer eine Sünde. I. Ich muß Euch sagen, eS will mir nicht inden Kopf, daß ich den Priester soll lateinisch sprechen hören, das ich nicht verstehe,während ich doch italienisch rede. D. Hu-mto siets mstensle! Nicht ans daS äußer-liche Verständniß der Worte, sondern auf den innerlichen Antheil, den Ihr an derMesse nehmen sollt, kommt es an. Auch ein Tauber soll die Messe mit anhören.Ihr müßt während der ganzen Zeit für Euch im Stillen mitbeten. I. Ich kann aberdie Gebetbücher nicht lesen und auswendig weiß ich nur das Paternoster, daS dauertnicht lange. D. So benutzt diese kostbare halbe Stunde, um Gott alle Bitten vor-zutragen, die Euch am Herzen liegen. I. Aber man könnte doch in zwanzig Minutenmit der Messe fertig werden! Die Priester machen eS manchmal so lange. D. Alsomit der Uhr in der Hand wohnt Ihr der heiligen Messe bei? I. Ich will Euchsagen, wie ich eS zu halten pflege. Ich rechne auf ein halbes Stündchen ungefähr.So lange bleibe ich, dauert es länger, gehe ich davon. D. Ihr kümmert Euchnicht sehr um das Heil Eurer Seele. Wißt Ihr, daß die Messe daS Opfer bedeutet,das Christus am Kreuze vollbrachte? Und Ihr wollt nicht einmal in aller Bequem-lichkeit zu Ende ausharren? Kniet Ihr denn auch? I. Ich habe nicht gewußt,daß eS nöthig ist. D. Es ist immer besser; jedenfalls bei den wichtigsten Augen-blicken, der Erhebung der Hostie, der Communion. Ist aber mit der Messe alleinzur Heiligung des Sonntags genug gethan? I. Die Kirche befiehlt ja nur dieses.D. Würdet Ihr wohl glauben, Euch einen Tag im Carneval gut unterhalten zuhaben, wenn Ihr nur eine halbe Stunde dabei gewesen wäret? I. Das wäre einemagere Unterhaltung! Aber das steht ja aus einem ganz andern Blatt (quost'ö un'gltro eonto). Die Messe ist etwas Befohlenes, und der Carneval ist ein Vergnügen.Ihr macht eben das Gesetz nach Eurem Belieben. Gott hat weiter nichts befohlen,als den Tag heilig zu halten, und die Kirche hat erst die Vorschrift gemacht, dieMesse zu hören. D. Das hat sie gethan, um eine Vorschrift zu machen, die vonallen Menschen ohne Unterschied befolgt werden kann, wenn auch ihr Stand, ihreFähigkeiten, ihre Erziehung noch so verschieden sind. ES ist aber daran nicht genug,man muß auch eine Predigt hören. I. Das mag ich nicht, alle Predigten sind fürmich Seccaturen. D. Es ist aber für daS Heil Eurer Seele unerläßlich. In Rom gibt eS ja Predigten von jeder Art, zu jeder Stunde. Ihr könnt Euch die wählen,