Ausgabe 
14 (23.4.1854) 17
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die für Euch am besten paßt. I, Wißt Ihr, was ich manchmal am Sonntag thue?Ich kann selbst nicht lesen, aber gehe zu einem Freunde, wo gute Bücher gelesenwerden. Dagegen ist doch nichts zu sagen! D. WaS für Bücher werden das seyn?Beispiele von tugendhaften Handlungen, Leben der Heiligen und Märtyrer, geistlicheGeschichten? Wohl schwerlich! Es werden wohl Romane, Gedichte und dergleichenseyn. I. O nein! Es war ein schönes Buch von geistlichem Inhalt, gut gebunden,mit einem Titelkupfer, das die Hoffnung vorstellte. D. Solchen Büchern ist oft nichtzu trauen. Sie sehen manchmal schön aus, und haben den Teufel innerlich. Ichwarne Euch davor, eS gibt eine Propaganda, die sie unter die Leute verbreitet undUnheil damit stiftet. I. Am spanischen Platz? D. O nein, viel weiter von hier!Aber dagegen ist freilich nichts zu sagen, daß man mit einem wirklich guten Buch,wie die sind, die ich genannt habe, Sonntags eine halbe Stunde oder eine Stundezubringe. Wie haltet Ihr eS denn mit der Communion? I. Man kann sie janicht nehmen, ohne vorher gebeichtet zu haben, und so oft kann man doch nichtbeichten. D. Warum nicht? I. Nun man beichtet etwa, wenn man geraubt odergemordet hat oder dergleichen. D. Wie übel denkt Ihr! Da beichtet Ihr wohl seltengenug. I. Oeftcr als einmal im Jahre geschieht eS wohl kaum. D. ES soll aberviel öfter geschehen! Ihr müßt beichten, so oft Ihr in Sünde verfallen seyd, minde-stens doch in jedem Monat einmal. Am besten ist eS, einer Congregmion beizutreten,da hat man Predigt, Beichte, Abendmahl, alles beisammen. I. Aber sind denn allEure Vorschriften nur für Männer? Gehen die Frauen ganz leer aus? D. O dieFrauen sind frömmer als die Männer. I. Dümmer (piü pg^e), wollt Ihr sagen.(Allgemeine Heiterkeit.) D. Sagt doch von niemanden UebleS. Es gilt eben so auchfür die Frauen. Fortan versäumt also nie, am Sonntag der Messe ganz und mitAndacht beizuwohnen, eine Predigt zu hören oder die Erklärung des Evangeliums,geht häufig zur Beichte und empfangt daS heilige Abendmahl. Ihr werdet bald dieBesserung Eurer Seele spüren. Und wenn Ihr einige Zeit diese Vorschriften befolgthabt, so wird eS Euch bald unentbehrlich werden, sie zu befolgen, und Ihr werdet«S bedauern, wenn Ihr einmal zu einer Versäumniß gezwungen seyd. I. Ich werdenach Eurem Rathe lhun. Und so bitte ich Euch denn, mich Gott zu empfehlen;denn die Wahrheit zu sagen, ist mir etwas unheimlich zu Muthe (mi senw un pc>sreäl^o). D. Ich will es thun, aber Ihr müßt Euch nicht allein auf fremdes Gebetverlassen. Hutati e 6io ti sjuters.

Der Dialog, der am nächsten Sonntag von denselben Geistlichen in der Jesuiten-kirche St. Jgnacio gehalten wurde, hatte die Beobachtung der Fastengesetze zum Ge-genstande. DaS hierüber erlassene Edict ist überall an den Straßenecken angeschlagen.ES beginnt mit der Aufzählung der zahlreichen und schweren Züchtigungen, die Gott gegenwärtig über die Christenheit verhängt habe, nämlich ein drohender Krieg, großeTheuerung, Befürchtungen für ansteckende Krankheit, und die fortwährenden Attentateder Feinde der Ordnung auf die Sicherheit der Zustände. Alles dieses sind Folgenunserer Sünden, durch welche Gott uns in seiner Gnade zur Buße auffordert. Zudieser eignet sich die Fastenzeit ganz besonders. Da eS aber Gott hauptsächlich aufdeu guten Willen ankommt, hat der heilige Vater in seiner Milde die Gesetze für dieFasten sehr ermäßigt. Strenge Fasttage sind eigentlich nur sechs während der ganzenFastenzeit, an allen übrigen Tagen sind Fleischspeisen erlaubt, mit verschiedenen ein-zelnen Beschränkungen.

D. Jedes Ding hat seine Zeit, sagt die heilige Schrift. Zwar ist für denguten Christen daS ganze Jahr eine Zeit der Buße, doch vorzüglich die Fastenzeit.Haltet Ihr denn auch die Vorschriften über das Fasten? I. Ich gestehe Euch, daßeS nicht gut zu meinen Gewohnheiten paßt. Ich habe einen sehr guten Appetit.D. Ihr müßt Eure Gewohnheiten bezwingen, um die Gebote der Kirche zu befolgen.I. Glaubt Ihr denn wohl, daß alle diese Leute hier fasten? D. Ein Theil ja, einanderer nicht; aber diese werden ohne Zweifel genügende Gründe haben. I. Die hab'ich auch. D. Nun welche denn? I. Ich habe Hunger. (Gelächter.) D. DaS ist kein