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Grund. Etwas Anderes wäre eS, wenn Ihr dem Hungertode nahe wäret. I. Aberes ist meiner Ncitur zuwider, die Fastenspeisen geben mir nicht genug Nahrung, ichkomme dabei von Kräften. D. Wenn jemand ein Handwerk treibt, das große Kraft-austrengung erfordert, z. B. Zimmermann, Maurer oder Feldarbeiter ist, dann kanner sich Abweichungen von den Vorschriften gestatten; sonst aber nicht. I. Aber ichkaun es nicht aushalten, nur eine Mahlzeit am Tage zu nehmen. Wie kann mandenn so lange nüchtern bleiben? D. Es wird ja nicht von Euch verlangt, daß Ihrvöllig nüchiern bleibt. Ihr konnt des Morgens, zu der Zeit, wenn Ihr sonst zufrühstücken pflegt, eine Kleinigkeit zu Euch nehmen. Dann könnt Ihr ja Eure Abend-mahlzeit auf den Mittag verlegen, und die Hauptmahlzeit (pi-iinxo) Abends halten.I Also Ihr wollt auch, daß wir nach der französischen Mode leben sollen? D. WennIhr eö für Euch so zuträglicher findet. I. Also des Morgens kann ich meinen Caffeemit Milch nnd ein Brod (paguotta) dazu nehmen? D. Bewahre! Milchspeisen, sowie Fleisch, sind nur bei der Hauptmahlzeit erlaubt; also müßt Ihr den Caffee desMorgens ohue Milch trinken. I. Caffee allein, das gibt keine Nahrung, eS befördertnur die Verdauung. D. Es wird Euch nicht schaden. I. Und was soll ich machen,wenn mir der Kclluer des Morgens wie gewöhnlich meinen Caffee mit Milch bringt?D. Hab! Ihr denn keinen Mund, um zu sagen, was Ihr haben wollt? I. Wenner eS mir aber schon bringt, während ich es sage? D. Gebt es nur zurück, undbefehlt von neuem, und Ihr werdet vortrefflich bedient werden. I. Doch mir fälltein, daß ich schon über daS Alter hinaus bin, in dem man zur Beobachtung derVorschriften verpflichtet ist. D. Wenn das ist, so ist es etwas Anderes. Jl,r wißtdas gesetzmäßige Alter nicht — I. Von fünfundzwanzig Jahren. — D. Macht nichtvier Jahre zu viel. Von einundzwanzig bis sechzig. I. Nun, einige Jahre mehroder weniger werden nichts ausmachen. D. Ihr seyd also noch nicht sechzig? I. O,eS fehlt wenig, es sind nur Brüche. D. Aber die Ausnahme ist nur für solche Greisegemacht, die sich schwach fühlen. Ihr scheint ganz wohl und kräftig zu seyn. I. Esist nicht schlimm. D. Wäret Ihr aber lrank, so müßtet Ihr eine Bescheinigung vomArzt haben, diese müßte dann der Pfarrer unterschreiben, und dann einer von denDeputaten, die auf dein Edict genannt smd, Ihr wißt doch! I.. Ich lese die Edicteniemals. D. Nun, dazu schlägt man sie doch an. I. Wie viel Umstände! Und dieBescheinigung mnß man auch wohl gar noch bezahlen? D. Nein, sie dürfen nichtsannehmen. I. Aber wenn man die hat, darf man dann auch alles essen, Fleischund Fische zusammen in einer Mahlzeit? D. O nein! Das Fleisch ist genug, umEuch Nahrung zu geben, und eS wird Euch nur erlaubt, was für Eure Gesundheiterforderlich ist, aber keine Leckereien. I. Was für ein sonderbares Gesetz. Man darsalso in den Fasten nicht einmal mit der Licenz, was man in gewöhnlicher Zeit ohneLicenz darf. Das ist eine vsntä! Und die Kirche nennt sich unsere Mutter? (Hebell» mgllre! D. Wenn eine gute Mutter ihren Sohn von einer Speise zurückhält,die der Arzt verboten hat, czussta non <? esrits, ms carita. I. Aber der Arzt hates ja nicht verboten. D. Der Arzt ist Gott . Er hat für das Heil unserer Seele,und das ist unendlich wichtiger, als das Heil unseres Leibes, die Fasten verordnet.Die Kirche als gute Mutter hält ihre Söhne zur Befolgung seiner Verordnungen an.I. Wenn Ihr mir Gottes Wort anführt, kann ich nichts dagegen sagen. Aber dafällt mir ein Fall ein, über den ich Cure Meinung hören möchte. Ich kenne eineFamilie, dje aus Vater, Mutter und einem Sohne besteht. Die Eltern sind kränklichund haben die Erlaubniß, der Sohn aber, ein Giovanotto, ist gesund und kräftig.Was soll er thun? Darf er mit den Eltern mitessen? D. Allerdings. In dem Fall,wo die Beobachtung der Vorschriften den Hausvater zwingen würde, zwei Mahlzeitenzu veranstalten, trift die Licenz für die Angehörigen ein. I. Und wie ist eS, wennJemand sich außerhalb seines Wohnorts befindet, z. B- ein Feldmesser oder mercantodi Campagua; er ist z. B., an einem Ort in der Campagna oder auch in Rom selbst.Er ist fremd uud geht an einem strengen Fasttage in die Loccmda oder Ofterie. Erverlangt Fastenspeisen, es sind keine da. Was soll er thun? D. Wenn keine Mög-