Ausgabe 
14 (23.4.1854) 17
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lichkeit da ist, sich mit dem Vorgeschriebenen zu versehen, namentlich in der Cam-pagne,, so begeht er keine Sünde, wenn er ißt, was er findet. I, Also thnn dieWirthe und Garköche ganz gut, wenn sie auch an strengen Fasttagen nur grassobereiten. Sie verkaufen mehr, und die Leute, die es essen, begehen ja, wie Ihr sagt,keine Sünde. D. Im Gegentheil, sie thun übel; denn sie begehen selbst eine Sünde. IhreGäste sündigen deshalb nicht, weil sie sich im Fall der Noth befinden. Sie aberhaben gar keinen Grund, gegen die Vorschrift zu Handel». Sie dürfen ja immer nebenden Fastenspeisen auch grasso bereiten, weil manche gnte Christen ans Gesundheits-rücksichten oder sonst durch die Licenz entbunden sind. I, Mir fällt aber noch eindritter Fall ein. Ein armer Teufel, der überhaupt nichts zu beißen hat, geht in dieKlöster oder zu Wohlthätern, um einige Brocken zu erHaschen. Da gibt man ihmnun die Neberreste der Mahlzeit des Tages vorher. So kann eS kommen, daß eram Freitag von den Speisen deS Tonnerstags zu essen bekommt. D. Er ist tntlmn-den; denn da er sich auch im Fall der Noth befindet, so begeht er keine Sünde.I. Also kann er auch Fleisch und Fisch zusammen essen? D. Wenn daS eine vonbeiden ausreicht, um seiuen Hunger zn stillen, soll er sich des andern enthalten; istaber daS Stückchen Fleisch, daS er bekommt, zu klein, so mag er immerhin den Fischdazu essen. I, Neulich war ich selbst am Aschermittwoch bei einem Freunde zu Tisch,dort werden die Fasten niemals beobachtet. Nun war ich noch so in Gedanken anden Carneval, daß ich ganz die Fasten vergaß. Man sagt anch, in Mailand rechnensie diesen Tag noch zum Carneval und nennen ihn Carnevaletto. Sa ich denn,ohne etwas zu merken, und als ich schon ein halbes Huhn verzehrt hatte, fiel eS mirerst ein. D. Da habt Ihr keine Sünde begangen; denn wo kein Bewußtseyn ist, istauch keine Sünde. Aber so bald eS Euch einfiel, mußtet Ihr aufhören. I. Werda hatte ich ja schon den Magen voll, was nützt es denn da ucch? D. Nichts-destoweniger, denn von dem Augenblick fingt Ihr erst au zu sündigen. I. Wcuu ichnur wüßte, wozu das Fasten überhaupt gut ist. ES schwächt die Kräfte, und auchdie Börse; denn Ihr könüt mir glauben, eS ist jetzt noch theurer, magro als grasso zuessen. D. Wenn Ihr nur nicht Leckereien haben wollt, werdet Ihr es nicht theurerfinden. Und auch übrigens werdet Ihr Euch wohl dabei befinden, Man schade«sich viel öfter durch zu viel als durch zu wenig essen. Einer von den Alten hatgesagt, es kommen mehr Menschen durch den Gaumen als durch daS Schwert um.I. Aber warum hat es Gott verordnet? D. Ans drei Gründen hauptsächlich. Er-stens hat es den Zweck, die Begierden des Fleisches zn schwächen. Zweitens. Wirhaben gesündigt und sollen für unsere Sünden büßen, und als Buße ist eS uns auf»erlegt. Drittens. Wir sollen Gottes Gnade erwerben. Wie aber können wir daS?Durch Gebet. Für daö Gebet ist nun Fasten die beste Vorbereitung. Mit vollemMagen betet man nicht gut, dann ist der Kopf voll vvn Dünsten. Christus bliebvierzig Tage in der Wüste, und während dieser Zeit that er nichts als saften undbeten. I. Das Beispiel von Christus genügt mir. Man sagt zwar, daß jetzt wenigedie Fasten halten. D. Müßt Ihr denn thun, was die Mehrzahl thut? I. Einervon meinen Freunden hat mir gesagt, in zweifelhasten Fällen frage er niemand umRath, sondern handle nach seinem Gewissen. D. Das ist nicht wohlgethan. Ihrmögt das Latein nicht, doch will ich Euch ein lateinisches Sprichwort darauf erwidern:Asmo «zst Konus juelex in oaus-l propria. I. Ich verstehe schon. D. Niemand,heißt es, ist ein guter Richter in seiner eigenen Sacke. Man muß vielmehr in sol-chen Fällen sich an seineu Beichtvater wenden. I. So, das will ich denn auf Osternthun. (Gelächter.) D. Das ist viel zu spät. Wo steht denn geschrieben, daß Ihrerst zu Ostern beichten sollt? Vielmehr müßt Ihr es jedesmal thun, wenn Ihr inSünde versallen seyd. I. So will ich denn die Fasten halten und zu Gott beten,daß er uns mit den schweren Züchtigungen verschone, mit den er uns bedroht. D. Jetztsprecht Ihr als guter Christ. Thut so und Ihr werdet Euch wohl befinden.