Ausgabe 
14 (7.5.1854) 19
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger PMMung.

7. Mai M- IN. 1854.

Dieses Blatt erscheint reg^lmäßi^ alle Oonntaae» Der hulbjährige Ab»anemen^vrki«kr.» wofür e« durch all« köutstl. baver. PaASmter «»d .»ll« B«chhandl««fle« bezoqeu werden ln»n

Zur Kirchengeschichte Bosniens.

In der alten Zeit war Bosnien von den Römern beherrscht; nach dem Unter-gange dieses ungeheuren Weltreiches aber verwalteten Bosnien eigene Ksni (von 940n. Eh.), später (vom I, 1376) Könige auS bosnischem Geblüte; als aber innereZwietracht und die Geißel der Unruhen das Königreich zerfleischten, verfiel eS, undzwar zur Zeit seines blühendsten Zustandes (1463) unter die Herrschaft des ottoma-nischen Reiches, unter der eS sich noch heute befindet, die endliche Lösung seinesSchicksals mit Sehnsucht erwartend.

Nachdem Mohamed II. theils durch List, theils durch Verrätherei eines Mani-chäerS Namens Radak und durch Unentschlossenheit der aristokratischen Partei Bosnienerobert halte, sann er darauf, wie er das Land am leichtesten erhalten und mit demübrigen Reiche inniger verschmelzen könne. Trotz seines Versprechens ließ er Stephan,den letzten bosnischen König, dessen Oheim Radivoj, Radosaw Pavlovic, den ver-ruchten Verräther Radak sammt mehreren ihm gefährlich scheinenden Häuptlingen ent-haupicn. Die eroberten Festungen besetzte er mit griechischen und serbischen Renegaten;die besten Kräfte Bosniens, bestehend auS 30,000 auserlesenen Jünglingen, nahm ermit sich und bi.dete daraus daS Janitscharen -CorpS; gegen 200,000 sowohl männ-licher als weiblicher Sclaven führte daS feindliche Heer mit sich und verkaufte sie inKleinasien ; die aber in der Flucht ihre Rettung finden konnten (besonders Katholiken),flohen nach Dobrovnjk (Ragusa), nach Dalmatien , auf daS adriatische Küstenlandund nach Ungarn . Diese Flucht machte Mohamed nicht wenig Sorge auö Furchtvor der Verödung des Landes (vicls 2kingh i poveswiea liosne); deßhalb berief ereine Versammlung seiner Paschas und Vesire, um sie in dieser Verlegenheit zn Rathezu ziehen. Zur selben Zeit erschien der selige Fra Angclus Zvizdovic, gekräftigt vomGeiste deS Herrn, furchtlos, erfüllt und ausgerüstet mit Eifer für die Kirche Golieövor dem stegreichen Sultan, inständig bittend für die Freiheit der Kirche und seinerGlaubensbrüder. Mit trotziger Miene und zermalmendem Blicke sah der stolze Herr-scher auf den demüthigen FranciScanermönch herab und donnerte ihm zu:Bist duderjenige, der die Christen verleitet, auS meinen Gränzen und Landen zu fliehen?"Worauf jener erwiderte:Ich binS."Warum fuhr heftig der Sultan forterdreistest du dich, dieß zu thun?"Auf die Worte unsers heiligsten Erlösers bauend:Rolite eoßitgre eto." gab der sanftmülhige und zugleich entschlossene und kühnePriester zur Antwort:Dieß deßwegen, daß sie nicht an ihrem Glauben, zu dem siesich von nicht geraumer Zeit her bekennen, Schiffbruch leiden," Diese freimüthige Redereizte den Zorn des Großherrn, welcher ihn von sich stieß und in den Kerker abführenließ. Fra AngeluS verharrte daselbst, während Mohamed Divan hielt, und fernerdie ganze Nacht im Gebete für sich und seine Glaubenöbrüver in der sichern Ueber-