Ausgabe 
14 (30.4.1854) 18
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Fraucnseite setzte, ging alsbald einer von den aufgestellten Kirchendienern zu ihr,nahm den Knaben bei der Hand und führte ihu auf die Männerseite, wo der Vaterwar, nur damu die Absonderung der Geschlechter streng beobachtet werde. Als sichein Mann an die Kirchenwaud anlehnte, um commoder stehen zu können, war gleicheiner aus jenen Kirchendienern bei ihm, und sagte vernehmbar: Bitte, mein Herr,gerade zu stehen, um nicht etwa die Mauer zu beschädigen. Ein dritter vom Pnb-licum wandte sich mehrmals zu sehr zurück gegen das Musikchor, schon wieder wareiner aus jenen Kirchendienern an seiner Seite, mit der Mahnung: Bitte, mein Herr,durch Umsehen nicht zu stören, und die Aufnicrksamleit aus den Hochaltar zu richten. Diese Erfahrung ist wirklich iurercssant und eine solche Kirchenordnung höchstlobenöwerth. Mögen immer manche Damen die Maaßregel als zu strenge finden,und wünschen: der katholische sächsische Hof sollte dennoch in einem protestantischenLande die Sache nicht so strenge nehmen, und mehr Zärtlichkeit sowohl als Nachsichtgegen das Frauengeschlecht haben; so kann doch die Vortrefflichkeit dieser Maaßregelund ihr moralischer Werth etwa nur von solchen in Abrede gestellt werden, denen eSauch iu der Kirche nicht sowohl nm des reinen, Gort gefälligen Gebetes, als anderernicht sehr zu billigender Nebeuabsichlen wegen zu thun ist. Daß eine derartige Kir-chenordnung auch für viele Ortschafren unserer Länder eine höchst empsehlenswerlheEinrichtung wäre, glaube ich, wiro Niemand bezweifeln, der in der Kirche erscheint,um dort zu beten, uud nicht, nm durch den Unfug Anderer geärgert und in seinerAndacht gestört zu werden. Wenn man bei sonstigen Feierlichkeiten und Anlässen, woman wünscht, daß geziemende Ordnung herrsche und allen Unordnungen vorgebcugiwerde, gewisse bevollmächtigte Perftneu ausstellt; warum sollte dieß nach vorläufigergründlicher Darstellung nicht auch in der Kirche möglich seyn?..HlvwZsl?, Hz 7li(tt o.Z, >.MMn6 >fi'>il- ,i^!,isi,tj^ 7ux izt), NtloL «<Kj inu" livitm

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Frauen zum gute-, Hirte«.

Wien , 14. April. Aus dem Kloster der Frauen zum guten Hirten zu Nendorsdringt selten eine Nachricht ins Publinr-?!, nnd doch verdient dieses vortreffliche Institut,daß dessen Nützlichkeit allgemein erkannt werde. Der Berns der Klosterfrauen ist zu Neu-dorf weit schwieriger und wichtiger, als in auoern Klöster» des Ordens, weil daselbst nichtfreiwillige Büßerinnen aufgenommen werden, sondern erwachsene Sträflinge, die zu zweibis zehn Jahren in Eisen vernrtheilr sind, nnd die auö dem Znchthause dahin geschicktwerden. Gegenwärtig zählt das Kloster schon 1l3 Sträflinge. Die Gefangenen tragenum den Fuß einen eisernen Ring, woran eine ziemlich schwere eiserne Kette befestigt ist,die sie mit einem Gürtel um den Leib tragen. Bei ihrem Eintritt in das Kloster sind vielederselben sehr anständig, ja elegant gekleidet, und nicht selten geschieht, daß sie lant wei-nend die Pforte bcrreten, weit sie über ihren künftigen Aufenthalt sehr irrige, überiricbeneAnsichten haben. Sogleich nach ihrem Eintritte werden die Sträflinge in ein Zimmer ge-führt, wo sie ihre Kleider ablegen und andere, für alle gleichmäßig, anziehen. Vor demKloster weilt eine Mililärwache Tag und Nacht, welche die Frauen im Falle der Nothaugenblicklich zu Hilfe rufen können, die aber bisher noch nicht bcuöthigr wurde. DieKlosterfraueu erhalten N'e Ordnung und Ruhe ohne männliche Hilfe und trachten die Ge-fallenen auch ohne scharfe Strafen zu bcsscru. Mir dem letzten Transporte sind mehrereSträflinge angelangt, die au beiden Füßen Eisen haben, und die kaum tiefer hätten fallenkönnen, als sie gefallen sind, Personen, auf die gar nichts mehr »inen Eindruck mackt,wie sie selbst sagen, dessenungeachtet sind sie ganz ruhig und folgsam. Die klösterliche Stillennd Einsamkeir, die zarte, liebevolle Behandlung, die vorgeschriebene» Andachten, die reli-giösen Vorträgt bewirken eine wunderbare Umkehr in den Gemüthern uud eS ist nicht zuzweifeln, daß, wenn nicht außerordenilichc Hindernisse bei Einzelnen vorkommen, Alle ansdie Dauer gebessert das Kloster verlassen. (Scrlzb. Kl'l.)

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