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chiSmuS bei Seite legen zu können, setzt jedoch die Erlernung anderer Kenntnisse fort,hat Eckel und Mißbehagen an religiösen Büchern und dem Worte Gottes, und so wirdaus dem Kinde ein Ebenbild unseres Zeitgeistes, und mit der Zeit — ein Ungläubiger.
Manche Eltern glauben wieder, mit dem Religionsunterrichte, den die Kinderin der Schule genießen, sey schon Alles abgethan. Sie fragen nicht den Katechetenoder Lehrer um das sittliche Betragen oder den Fortgang im Lernen des Kindes; eSist schon genug, wenn nur daö^Kind in die Schule geht. Ehemals war eS ein wich-tiges und heiliges Geschäft deS VaterS, Sonntags uuterm Mittagsmahle das Kindum den Inhalt der sonntägigen Predigt zu befragen, und da seine besondern väterlichenLehren anzufügen, das Kind mußte in der Predigt aufmerken, das Gehörte ging inFleisch und Blut über, und so ward der Familienvater selbst zum Prediger und Seel-sorger seiner Kinder; er verwaltete ein gar erhabenes Amt, ganz in Uebereinstimmungmit den'Worten deS heiligen ChrysostomuS, die er zu den Eltern spricht: „Ihr seyddie Apostel eurer Kinder; euer HauS ist eure Kirche; und wenn wir Geistliche fürihre Seelen wachen, und Rechenschaft geben müssen, wie viel mehr ihr, ihr Eltern,denen die Erziehung besonders anbefohlen ist, und denen sie Gott von zarter Jugendan inö Haus gegeben hat, damit ihr sie um so leichter regieren könnet." So dachteund handelte man ehemals. Jetzt würde es schwer seyn, Kinder über Predigten zukatechisiren, wenn Eltern selbst zu Verächtern des göttlichen Wortes geworden sind.
Ehemals saßen die Familienglieder am Sonntage Nachmittags im traulichenZirkel um ihren Familientisch (aber sie bildeten keinen zungenspitzigen Clubb;) auf-merksam horchten sie auf den Inhalt eines Erbauungsbuches, aus welchem ein Kindoder ein anderes Familienglied vorlas. Da blieben die Kinder fern von verderblichenEinflüssen böser Gesellschaften, hörten nicht unsittliche Reden, die unsere junge Gene-ration um zehn Jahre eher zur segensloseu Reife bringen. So war eS ehemals.Jetzt hat die Genußsucht Gasthäuser wie Pilze aus der Erde hervorgezaubert, undSonntags steht der Familientisch verlassen im versperrten Zimmer, der Zeitgeist hatdie alten und jungen Familienglieder zu Soireen und auf Bälle gerufeu, der Geist dermodernen Aufklärung hat die guten Erbauungsbücher zu den Antiquarhändlern insEril geschickt, und auf dem Bücherschrank florirt nun die Modebelletristik mit ihremVerderbe» bringenven Inhalt.
Aus diesen dunkeln Quellen schöpft nun das heranreifende Kind die WeisheitdeS Tages, der Kopf wild gefüllt mit phantastischen Gebilden, der Reiz der Sinnlich-keit findet seine Nahrung, die man mit Heißhunger und mit Aufopferung halberNächte verschlingt und auf den nackten Trümmern religiöser Bildung pflanzt der Mode-geift die Fahne der Aufklärung auf.
Darin, mein Leser, findest du ein Fragment eines alten und eines nenen Bildesdes christlichen Familienlebens; welches aber das bessere sey, darüber wird die Zukunftdie unumstößlichsten Beweise liefern. (Oest. Volksfr.)
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Kirchen-Disciplin.
In der Pesther Zeitschrift „Kath. Christ" lieSt man: Im Monat Novemberdes verflossenen Jahres reiste in seinen Geschäften ein ungarischer Gutsbesitzer nachSachsen, und als er an einem Sonntage zu Dresden in der katholischen Hofkirchedem Hochamt und der Predigt beiwohnte, merkte er, daß daS andächtige Publicumhier nach Verschiedenheit des Geschlechtes gesondert seine Plätze einnehme, die Männerrechts in den Stühlen, und das Fiauengeschlecht links. Zugleich sah er vier eigensin der Kirche ausgestellte Männer, die auf die Ordnung Acht hatten und alles Unge-ziemende zu beseitigen den Austrag zu haben schienen, waö sie auch bewiesen. DenneS geschah eben während des Gottesdienstes, daß ein Herr sammt seiner Frau, einemMädchen und einem Knaben in die Kirche kam; der Herr nahm gleich auf der Män-nerseite Platz, als sich aber die Mutter mit dem Mädchen und dem Knaben auf die