Ausgabe 
13 (13.3.1853) 11
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DaS geschah ihm recht! Einen noch auffallenderen Beleg dieses Eifers gab mireine Aeußerung des hochwürdigen Herrn Pfarrers selbst. Er wurde zu einemKranken gerufen, und sagte bei seiner Heimkehr, wie sonderbar eS ihm gewesen, daßer auf der ganzen Prairie, wo man sonst bei diesem weiten Ausblick über alle Häuserund Felder immer so viel Menschen sieht, auch nicht einen einzigen gesehen; so daßsein Pferd selbst durch diese ungewohnte Einsamkeit erschreckt scheu um sich blickte, undganz froh aufwieherte, als eS, zur Kirche kommend, dort die Leute versammelt erblickte.Dieser Pfarrer ist der in Bayern bekannte Graf Moragna, der seither zu den Bene-dictinern in Pensylvanien eingetreten. DaS MissionSkreuz erhebt sich gerade imMittelpunct deS StädtleinS, und kann in weite Fernen gesehen werden, da eS wiegesagt von diesen weiten Ebenen umgeben ist.

Von hier auS fuhr ich den Mississippi aufwärts nach Alton. Diese Stadthat eine sehr verkommene kleine deutsche Gemeinde. Vergebens hatten sich schoneinigemale Missionäre dahin begeben, um den Eiser derselben zu beleben. Es gelangmir mit Gottes Beistand , dieselbe durch die Mission in der Weise zu beleben, daßder Seelsorger bei meiner Abreise mir sagen konnte:Wenn bei andern Missionennur der fünfte Theil von dem geschieht, was hier geschah, so kann man Gott nichtgenug für den Segen derselben danken."

Ich kehrte von dort nach St. LouiS zurück, um in der dasigen St. Vincenz-kircke noch unvergleichlich mehr Trost zu erleben, und die Gnade deS Herrn anzu-staunen. Ich hatte zwar in St. LouiS schon drei Missionen und drei Renovationengegeben; indeß blieb eS doch sehr wünschenSwerth und nothwendig, auch im südlichstenTheil der Stadt eigens eine Mission abzuhalten. Man kann nämlich in den StädtenAmerikas auS Rücksicht auf die Ort- und Arbeitverhältnisse die Mission nicht andersals am frühen Morgen und am späten Abend abhalten. Da allerdings versammeltsich die ganze Gemeinde, aber die entfernteren Gemeinden können nicht in MasseAntheil nehmen, besonders nicht in St. Louis , welche Stadt bei fünf englische Meilenlang ist. Während des Tages sind nur Standesunterweisungen für das Frauen-geschlecht und die Kinder möglich, und die Beichtgelegenheit nach den verschiedenenStänden. Ich entschloß mich demnach, der Einladung der Väter Lazaristen zu folgen,und mit dem Beginn der heiligen Fastenzeit eine große Mission in ihrer großen, jawohl größten Kirche von St, Louis zu eröffnen. Diese letzte Mission von St. LouiSwar ohne Zweifel auch die besuchteste und denkwürdigste. Ja wo sind denn dieLeute, hieß eS in den leer stehenden Gasthäusern. Alles ist in der Kirche, war dieAntwort. Da gingen auch solche auS Neugierde, die sonst wohl nie gekommen wären.Selbst der oben genannte Börnstein mit ungefähr sechzig der sogenannten freien Männerfand sich am Schlüsse ein, und mehrere derselben bekehrten sich währen» der Missionselbst. Die Kirche wurde so gedrängt voll, daß das Volk in der Nacht vor den dreieröffneten Kirchthüren noch auf der Straße stand. Das Missionskreuz stand amSchlußabend auf einer Platform im PreSbyterium, mit strahlenden Pyramiden um-geben, und eiu LöWstimmigeS deutschesGroßer Gott wir loben dich" erhob sichdurch die mit zahllosen Lichtern beleuchteten Räume des großen Gotteshauses dank-erfüllt zum Himmel. Einige Protestanten legten noch TagS darauf ihr GlaubenS-bekenntniß unter dem MissionSkreuz ab.

Von St. LouiS eilte ich nach EvanSville, im Staate Jndiana am Ohio gelegen. Ich gab dort die Mission in der großen neuerbauten deutschen Kirche.Merkwürdig war mir bei dieser Mission die Aeußerung einer zur heiligen Kirchebekehrten Protestantin. Sie sagte nämlich, daß der Hauptbeweggrund ihrer Bekehrungder gewesen, daß sie bei aufmerksamer Lesung der heiligen Schrift aufgefunden, daßgerade die Katholiken das besäßen und in Uebung hätten, wovon die heilige Schriftspricht, und was man bei den Protestanten vergebens sucht, die doch gerade auf daSZeugniß der heiligen Schrift sich zu berufen pflegen: als da sind: ein Priesterthum,ein Opfer, daS Fasten, die heilige Oelung, die Ehe als Sacrament und dergl. -Gewiß ein offenbarer Beweis, wie nicht nur diese Person, sondern jeder aufrichtig