Ausgabe 
13 (13.3.1853) 11
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hatten, und am Schlüsse war die Stimmung in dieser früher so zerrissenen Gemeindeso einhellig, daß man sagen konnte, man wußte nicht Einen, der nicht derselben gutenGesinnung und Stimmung geworden wäre, wie der Guß einer einzigen Glocke.Man schritt sogleich zum Wiederaufbau der Kirche, und der Bau schreitet nunmehr,so viel mir bekannt, rasch seiner Vollendung entgegen.

Bevor ich New-OrleanS verließ wartete meiner noch eine andere peinliche, aberzugleich doch überaus trostreiche Arbeit. Man bat mich, ein JubiläumStriduumfür die Sclaven auf einer Plantage jenseits deS Mississippi zu halten. Ich sagtescherzweise: wenn ich fünfzig Neger zur heiligen Kirche aufnehmen kann, komme ich.Man nahm den Vorschlag lächelnd an, und er erfüllte sich buchstäblich. Eine sehreifrige betagte Person, eine Französin, oder wie man hier sie nennt, eine Creole, d. h.eine in Amerika gebonie Französin, bereitete mir daS Feld. Ich gab daS Triduumund hatte die Freude, bei fünfzig dieser Sclaven, die theils ungetaust, theils Metho-disten oder Presbyterianer waren, in die heilige Kirche aufzunehmen. Allein eS warauch ein hartes Stück Arbeit, und ich dachte öfter an den seligen ?. Claver, der denKelch in vollen Zügen durch vierzig Jahre schlürfte, aus dem ich nur drei Tageeinige Tropfen trank. Ich predigte nämlich unter TageS den freien Creolen fran-zösisch; Abends den Sclaven französisch und englisch. Im April ist eS in New-OrleanS schon sehr heiß, eS liegt im Breitegrad von Cairo. Um dem ungeheuren Andrangder MosquitoS abzuwehren mußte man die Fenster und Thüren der vollgepfropftenkleinen Kirche schließen. Waren die Predigten vorüber, dann drangen die MoSquitoSdoch in solcher Menge ein, so wie man die Thüren öffnete, daß die Wände ganzschwarz belegt schienen. Nun hieß eS bis zwei Uhr Nachts und darüber Beichtsitzen,und dann gegen Morgen mit Rauch und Dampf diese andächtigen Thierlein wiederaus dem Kirchlein vertreiben. Doch wie verschwindet diese kleine Last gegen denTrost, den man hat, so vielen verlassenen und doch für das Reich Gottes so ganzbereiteten Seelen beizustehen. AuS Mangel an Seelsorge gehen in Louisiana unzäh-lige Seelen besonders unter den Sclaven verloren. Ich fand einen ziemlich bejahrtenNeger auf dem Felde im Vorbeigehen, und hörte, dasz er noch nicht getauft sey. Ichredete ihn an, sprach von der Erlösung durch Jesum Christum, und von der Noth-wendigkeit der heiligen Taufe, und verwies ihn an einen nicht weit davon wohnendenPriester zum ferneren Unterricht, Bald darauf wurde er mit noch einer Negeringetauft, indem er sich dabei äußerte,eS sey ihm nur leid, daß ihm Niemand früheretwas davon gesagt habe!! AIs ich mein Triduum bereits endigte, kam noch eineNegerin in die Sakristei, warf sich auf ihre Kniee und rief: ich habe gehört, Sieseyen gekommen im Namen des Herrn! Vater, retten Sie mich. Ich nahm sie nochin die h. Kirche, auf. So füllte sich in wenigen Tagen die Zahl von fünfzig, die mirauf dem Weg meiner Mission wie verwahrloste reife Früchte zu hängen schienen,und die zu pflücken sich Niemand kümmert. Wie viele Seelen find in und bei New-OrleanS und überhaupt in Louisiana, Alabama , und in den Sclavenstaaten in der-selben Lage. Ick folge meinem Berufe, unter den Deutschen hier zu wirken, derengeistliche Nöthen nicht geringer sind, aber eS blutet mein Herz vor Schmerz, wennich mit Augen sehe, wie viel hierorts für die Neger gethan werden könnte, und wieNiemand ist, der sich um dieselben kümmert.

Schon hatte ich wieder das Schiff bestiegen, um nach Jndiana zur Abhaltungvon Missionen zurückzueilen, da erhielt ich ein drittes Schreiben von Mobile, wo meinalter Freund Jenni verweilt, der endlich eist sich entschließen konnte, auS GehorsamPriester zu werden, vor welcher Würde seine Demuth sich so lange sträubte. Erbat mich so inständig, Ihm den Trost nicht zu versagen, und seine Primizpredigtdaselbst zu halten, daß ich mich entschloß, seinem Wunsche zu willfahren, da manin einer Nacht von New-Orleans über die Seen des GolseS von Merico dahinführt. Er lud mich ein im Namen aller Väter des Kollegiums, mit der Bitte, denvielen Zöglingen daselbst zugleich zu predigen. Ich eilte dahin, und bereue eS nichtdaselbst gewesen zu seyn. Ich tröstete mich nicht nur, meinen guten vortrefflichen