Ausgabe 
13 (13.3.1853) 11
Seite
88
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

8«

und auf seine jugendliche Stirne die Kaiserkrone, glänzender als je, gesetzt hat. Gepriesensey der weise Herrscher, der ganz beschäftigt mit der Erneuerung der von Gott ihm anver-trauten socialen Familie, die er wachsam und kräftig mit der Schärfe seines Schwertes zuschützen weiß, mit Eifer daran arbeitet, ihr als eine andere Stütze die nicht weniger noth-wendige Kraft der sittlichen Institutionen und besonders der heiligen Religion zu geben,deren Kind zu seyn er sich rühmet. Die kathol. Kirche, deren thätige Liebe die Erziehungder Völker vollendet, die durch ihren Schutz immer Frieden, Ordnung und Alles, waswahrhaft das Wohlergehen der Gesellschaft befördert, gewahrt hat, soll nach seinem Wil-len frei in ihrer Wirksamkeit und der Art geschützt seyn, daß nichts sie hindere und ab-halte, GuteS und zwar alles Gute zu wirken, daS sie wirken möchte." Nachdem der hohePrälat darauf seine Geistlichkeit zum eifrigen Gebet für einen glücklichen AuSgang derüber daS Concordat schwebenden Unterhandlungen aufgefordert und sie gemahnt hat, demgroßen Vertrauen, daS der Kaiser ihr zu zeigen sich anschicke, durch treue, redliche Mit-wirkung mit seinen wohlmeinenden Absichten zu entsprechen, spricht er sein auf Erfahrunggegründetes Urtheil über das verschiedenartige Benehmen der sogenannten Liberalen gegendie Kirche auS, bevor sie die Macht in Händen haben und nachdem sie an daS Ruder ge-langt sind; seine treffenden, auch für unsere deutschen Verhältnisse beherzigungSwerthenWorte sind:Die sogenannten liberalen Regierungen versprachen eines TageS der Kircheihren Schutz, ihre Gunst und dieFreiheit, und durch diese Versprechungen gelang eS ihnen,für einen Augenblick eine große Anzahl sonst gutgesinnter Personen zu täuschen. Aberbald, als sie glaubten, die MaSke nicht mehr nothwendig zu habe», warfen sie dieselbeab. WaS haben in der That diese sogenannten Liberalen für die Kirche gethan, die siesich auf jegliche Weise, bevor sie zur Gewalt gelangt waren, geneigt zu machen suchten,alS sie nun wirklich die Gewalt in die Hände bekommen hatten? Sie haben sie mit Beleidi-gungen uud Ketten überhäuft. Sie. die mit so großem Lärm über die Knechtschaft derKirche klagten und jammerten, haben, als sie selbst die Herren geworden waren, ihr ei»Joch aufgeladen, daS zwanzigmal schwerer ist, als das war, von welchem sie dieselbe be.freien zu wollen vorgaben. Dem gläubigen Volke aber gaben sie die Antwort RoboamS(3. B. der Könige Xll, 10 u. ll):Mein kleiner Finger ist dicker als der Rücken mei-nes VaterS; hal>mcin Vater Euch ein schweres Joch aufgeladen, so will ich noch hinzu-thun zu Euerm Joche."" Und nun fragen wir: Bei wem hat die Kirche einige Nachgie-bigkeit gegen ihre gerechten Forderungen, oder Erleichterung in ihren Leiden gefunden?Sicherlich nicht bei den nach neuerer Weise eingerichteten Regierungen, auch nicht in dennach sogen, liberalen Verfassungen regierten Staaten, sondern bei den Fürsten , welche auSeigenem, freiem Willen ihr die Ehre haben geben wollen. Keine List, keine Verführungs-künste habe jeue unbenutzt gelassen, die Menge zn täuschen. Man hat die Ereignisse ver-fälscht dargestellt, allgemein anerkannte Grundsätze in Frage gestellt, überall daS Gift deSSkepticismus verbreitet, die dem Volke theuern Vorurtheile und Irrthümer geliebkoSt,seine schlechten Leidenschaften aufgestachelt, auf die boshafteste Weise gewisse edle Richtun-gen, gewisse große Ideen mißbraucht, ein verfängliches Kauderwelsch von religiösem Idea-lismus eingeführt, um die Religion, wenn eS möglich gewesen, zur Mitschuldigen an denzum Umsturz der Staaten angezettelten Fäden zu machen. Die falschen Grundsätze habensich in alle Zweige der Wissenschaft und Literatur eingeschlichen, die Schulen an sich geris-sen und die Erziehung beherrscht; und noch sind eS diese falschen Grundsätze, welche, be-kämpft aber noch nicht ausgeroltet, der Sache des Umsturzes die kräftigsten Dienste leisten.Diese falschen Principien, deren Scimen man mit so großer Ausdauer während einer lan-gen Reihe von Jahren in alle Classen der Gesellschaft geworfen hat, auszurotten, aufzu-decken die Schleichwege, auf welchen die Andersgläubigen Proselyten zu gewinnen suchen,an die Stelle der rationalistischen Träume die einzig wahren Begriffe der kathol. Wahrheitzusetzen, daS ist die Reform, welche unserer Zeit noth thut, daö aber auch, meine Brü-der, die Aufgabe, welche vorzugsweise der Klerus, und nicht der Politiker zu lösen hat;denn immer gehört die sittliche Unterweisung dem Priesterthum."

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber,: F. C. Kremer.