Ausgabe 
13 (20.3.1853) 12
Seite
89
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Arey-Hnttr Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

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Augsburger Postzeitung.

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SU. März M"-- 12. 1853.

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Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Aboouement«prel«TV kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann.

Bericht

über die von ?. X. Wenninger 8. ^. im Jahre 1852 abgehaltenenMissionen in den Vereinigten Staaten Nordamerikas .

(Schluß.)

Ich kehrte nun so schnell als möglich nach New-OrleanS zurück, um womöglichnoch ein Dampfschiff z-.: erreichen, welches mich zur festgesetzten Zeit nach Jndianazurückbrachte, uw die versprochene Mission in der Umgegend von EvanSville abzu-halten Es ist nie gut, wenn eine schon angesagte Mission nicht zur bestimmten Zeitbeginnen kann. Die göttliche Vorsehung fügte eS ganz unvermuthet, daß ich gegenalle Hoffnung dennoch zur rechten Zeit noch eintreffen konnte, wenngleich nicht ohneGefahr. Ich kam nämlich auf ein Dampfschiff, welches ohne mein Wissen auf einerWettfahrt begriffen war, und zwar mit eben dem großen Dampfboot, welches michnach New-OrleanS brachte. DaS Schiff, auf dem ich mich jetzt befand, hieß Renn-thier und wollte es an Schnelligkeit dem andern zuvorthun. Eine Menge von Dampf-schiffen fliegen auf solche Weise jährlich, ja man möchte sagen alle vierzehn Tage, indie Lnft, oder rennen an Baumstämme an und versinken. Es wäre Tollkühnheitgewesen, ein solches Boot vorsätzlich zn besteigen; allein da ich das Wettfahren erstam Bord deS Schiffes auf der Reise selbst erfuhr, wollte ich eS auch nicht mehr ver-lassen, sondern machte die schnellste Fahrt von New-OrleanS bis EvanSville , die jebis dahin gemacht wurde. Ich war doch froh als ich das Boot verlies und nochfroher, da ich gerade noch znr rechten Zeit eintraf. Vier Gemeinden vereinigten sichzur Mission in einer großen Landkirche. Ich hatte den Trost, bei fünf und zwanzigPersonen auch hier auS verschiedenen Secten in die heil. Kirche aufzunehmen. Ich be-suchte dann auch jede der Nebenstationen, welche sich zur Hauptmission vereinigten,um ihnen bei ihren Kirchen daS MissionSkreuz, das sie sich wohl verdienten, aufzu-pflanzen. Es war gerade die Bittwvche und somit für mich und das Volk besonderserbauend, an jedem dieser Bitttage ein neues MissionSkreuz zu erheben, da eS vierGemeinden waren, die nicht weit von einander entfernt lagen. DaS vierte richtete icham Himmelfahrtstage deS Herrn selbst auf. Wie freudig und trosterfiillt blickte daSVolk mit mir unter dem Kreuze versammelt dem Herrn in den Himmel nach, und mitwelch dankerfülltem Herzen konnte ich gerade an diesem Tage von dem tiefgerührtenVolke Abschied nehmen, in der Hoffnung, dieselben als treue Jünger dcs Kreuzes indem Himmel wiederzusehen. Merkwürdig ist eS übrigens, wie sehr sich ein prote-stantischer Pastor ereiferte, um den Eindruck zu hindern, welchen die Mission auch aufdie in jener Gegend wohnenden Protestanten machte. Der einfältige Mann glaubtewohl, ich müßte immer in Jndiana bleiben. Hätte er sich besser erkundiget, so hätteer sicher erfahren, daß mein Aufenthalt in den ganzen Vereinigten Staaten ist, womich gerade die größere Ehre und das Heil der Seelen hinruft.