Ausgabe 
13 (27.3.1853) 13
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nur Einen Weg, nämlich Christus selbst, aber mehrere Pfade, welche nebeneinander hinlaufend sämmtlich zu demselben Ziele führen, WaS hiebei nicht auf dieWahl dcS einzelnen ankommt, das ist jene Verschiedenheit, welche von der Zweiheitder Geschlechter bedingt wird; denn obgleich der Weg des ManneS, welcher Christum nachfolgt, auch keine Heerstraße, sondern ein schmaler Fußsteig ist, weil zum Himmelkeine breiten und bequemen Wege führen, so ist doch ein großer Unterschied zwischenden Pfaden dcS Mannes und denen des WeibeS. Denn mehr dem Lichte des TageSund der Muth der Sonne, so wie auch dem Lärme und Staube, der von der Land-straße himiberdringt, ausgesetzt find jene, und führen über sonnige Wiesen oder Felder,während diese, obgleich nicht weniger mühevoll und oft noch dornenreicher sich ver-borgen im Schatten der Wälder in bescheidener Stille hinziehen. Und daß sich dieFrauen in solchem Dunkel nicht verirren, ist ihnen jener Stern zum Führer gegeben,der von der Kircbe der Morgenstern genannt wird, die stell» Iucer>5, die heiligste Jung-frau. Der Weg Christus ist auch der Weg Mariens, und der Weg Mariens ist derWeg aller christlichen Fraueu. Zwar einzig in seiner Art ist der Pfad, den die AuS-crwählte gewandelt, zugleich Jungfrau und Mutter. Allein dicht an ihm ziehen sich diePfade Jener hin, die entweder im jungfräulichen Stande in oder außer demKloster der Jungfrau oder im christlichen Ehestände der Mutter Maria nach-folgen Und da nur die verhältnißmäßig geringere Zahl zu dem ersteren Stande be-rufen ist, so ist der zweite allerdings die normale Bestimmung des Weibes.Er ist die normale Bestimmung nach der ursprünglichen Schöpfung, in welcher daSWeib geschaffen wurde, die Gehilfin des ManneS zu seyn; er ist diese normale Be-stimmung ferner nach den Worten, die der Herr zur Schlange sprach:Feindschaftwill ich stiften zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen;sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." Denn ob-gleich der Erlöser auf jungfräulichem Boden in die Menschenwelt eingetreten, so istdoch seine Mutter Maria die Tochter der Patriarchen. ' Und nur dadurch, daß alleMenschen von dem ersten Ehebunde im Paradiese herstammen, gehören sie alle zu einemGattungsverbande, dem die Frncht der Erlösung zu Gute kommen konnte und fortge-setzt zu Gute kommt bis zum Ende der Welt. Als ein vom Schöpfer im Paradieseeingesetztes und nach dem Falle zum Mittel der Erlösung bestimmtes Sakrament, alsosoll die christliche Gattin den Ehestand betrachten, und folglich dabei vorzüglich aufdie Uebereinstimmung im Glauben und in der Liebe zum Erlöser sehen, welche alleineine dauerhafte Freundschaft knüpft nnd in gemeinschaftlicher Kinder-Erziehung die Ehezu einer Pflanzichule deS christlichen Lebens macht, keineswegs aber auf jenes fälschlichmit dem heiligen Namen der Liebe belegte Wohlgefalle» der Sinne, das keinen Bestandhaben kann, noch auf die Sucht nach Reichthum und Glanz. Die echte deutsche Frau,die heilige Elisabeth, diese liebenswürdige Jüngerin Mariens, sollen sich alle Gattinen,besonders die deutschen, zum Vorbilde nehmen, von ihr lernend die menschlichen Ge-fühle mit den göttlichen in Harmonie zu bringen, von ihr lernend dem Gatten nachGotteS Befehle zn gehorchen, nicht zwar wie eine Sklavin, aber in liebender vertrau-licher Demuth, als nachgiebige Freundin und emsige Haushälterin. Denn obgleich dieUnterwürfigkeit nicht in der ursprünglichen Schöpfung bestimmt war, so ist sie dochPflicht der christlichen Gattin, nm im Geiste der Buße dem nach dem Falle ausge-sprochenen Befehle deS Herrn zu genügen, da die durch das Christenthum bewirkteGleichstellung des WeibeS eine rein geistige ist. Um dieser geistigen Gleichstellungwillen aber wird sie die persönliche Würde nicht vergessen, in der sie zwar zum Manne,ober keineswegs für ihn, sondnn für Gott erschaffen ist, und daher ihren Geist immermehr wahrhaft zu bilden suchen. So werden die Frauen in keines der beiden ExtremeVerfallen, welche die nicht christliche Weisheit der neueren Zeit der Wahrheit in derAuffassung deS Verhältnisses vom Weibe zum Manne gegenüber gestellt hat. Eineheißt Emancipation und will gänzliche Lvsreißung von Sitte und Gesetz in unge-bundener Individualität. Das Andere verhüllt die materielle Tendenz unter idillischerNaturseligkeit. DaS Land, in dem die Gesellschaft die feinste Ausbildung erreicht hat,