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bejahten mit dem Nicken ihrer krausen Köpfchen jede an sie gestellte Frage, Mit Hastergriffen ihre schwanen Händchen die brennenden Kerzen, als wollten sie der ganzenWelt zeigen, wie hell nun das Licht des Glaubens ihnen leuchte. Mit Freude em-pfingen sie das Gewand der Unschuld, welches blendend weiß an ihren Annen hing.Nach vollendeter h. Handlung trat der hochwürdige apostolische Vikar an die Stufendes AltarS und sprach zu den Neugetausten: „Jetzt, meine Lieben, habt ihr einenbessern Vater, eine bessere Mutter, als diejenigen waren, denen ihr seyd geraubt worden.Sehet, das ist euerc Mutter! Schauet, wie besorgt um euch sie darniederblickt! Hebeteuere Händchen empor zu Ihr; bittet sie, sie möge euerc gute Mutter bleiben; sagetihr: Liebe Mutter, stets wollen wir deine guten Kinder seyn, niemals dich betrüben,nie, nie." — Im Augenblicke waren alle Händchen gefaltet, emporgehoben, selbst vonjenen, welche die arabische Sprache nur wsnig noch verstehen. Maria! hörte mansie seufzen. — „Ja, Maria," fuhr der apostolische Vikar fort, ja, Maria ist euereMutter; sie hat euch zu Kindern angenommen, indem , ihr dem Tenfel und allen seinenWerken entsagt habt. Hütet euch, das weiße Gewand der Unschuld je zu beflecken,damit ihr einst getrost in demselben vor Gottes Thron erscheinen könnt. Aber Brüder-chen und Schwesterchen habt ihr zugleich viele erhalten, welche ebenso, wie jetzt ihr,ihre weißen Händchen sür euch zu der lieben Mutter Maria erheben. Betet auch fürdiese, die euch so viel Gutes erweiseu. Vergesset nicht, zugleich sür euerc schwarzenVäter und Mütter zu beten, die, weit von euch entfernt, nach euch seufzen und weinen,die liebe Mutter Maria noch nicht erkennen. Betet, daß auch sie sammt allen schwarzenBrüderchen und Schwesterchen der himmlischen Freuden theilhaftig werden können.Amen!" Tief drangen diese so warm gesprochenen Worte in die Herzen der Kleinen.
Auch die Widmungen der Salzburger Diözese sind verwirklicht, das h. Meß-opfer sowohl für die verstorbenen als für die lebenden Anverwandten der Geberin istverrichtet, ein Knabe auf den Namen Franz getaust worden. — Die lieben Kleinender Leitmeritzer Mädchenschule können mit 40 — 50 fl. C. M. ihren Wunsch erreichen,einen kleinen schwarzen Bruder aus den harten Händen barbarischer Ungläubigen er-lösen. Könnten die Mädchen der Leitmeritzer Schule ihr schwarzes Brüderchen miteigenen Augen sehen, mit eigenen Ohren die Flüche hören, welche gegen diese armenWesen gedonnert werden, gewiß, sie würden ihren Eltern nicht Ruhe lassen, bis siedie Befreiung mehr als eines solcher Unglücklicher erreicht hätten.
Kaum etwas Herzzerreißenderes als an einem Freitag, dem gottesdienstlichenTage der Muhamedaner, zu Chartum über den Sklavenmarkt zu gehen, zu sehen,wie da in regem Gedränge Männer, Frauen, Jünglinge, Mädchen, Kinder versteigert,wie an Jedem Zähne, Zunge, Augen, Hände, Füße untersncht werden, wie die Aus-rufer hin und her rennen, wie gezankt, gefeilscht wird, wie der Mensch zur Waareherabsinkt, wie eS Niemand zu Sinn kommt, daß das Wesen, welches alles diesessich muß gefallen lassen, sein Bruder, seine Schwester sey! Da sah ich, in Gram undKummer zusammengesunken, in einem Winkel deö Marktes Mütter stöhnen, welchenman so eben Söhne und Töchter entrissen hatte, und deren nach wenigen Augenblickendas gleiche Loos wartete. Besonders erschütterte mich eine Mutter mit drei Kleinen,deren Jüngstes erst zwei Tage zählte. Tief gebeugt saß sie an der Erde, das Hauptauf die Rechte gestützt, während die Linke den Kleinen umfing. Trauernd blickte sieauf die beiden ältern Knaben, die mit einer Innigkeit an sie sich anschlössen, alsahnten sie die nahe Trennung. Mit einem Male ertönte der Ruf: Wie viel dieseFamilie? Die tiefgebeugte Mutter hob die Augen, ich aber konnte den Ausgang nichterwarten; nur von ferne hörte ich noch: siebenhundert Piaster (70 fl. C. M.)! EinMensch, ein durch das kostbare Blut Christi erkaufter Mensch um solchen Preis!dachte ich und kam zu der Stelle, wo die Mäuner verkauft werden. Diese schienenstumm in ihr hartes Schicksal sich zu ergeben; in sich gekehrt sitzen sie da, bis dieReihe sie trifft, in die Versteigerung zu treten. Sie wissen aber auch, daß bei demgeringsten Murren blutig die Geißel über ihren Rücken schwirrt, oder schwere Kettenihre Beine beladen werden. — Soll nicht die gesammte Christenheit es als hohe