Ausgabe 
13 (3.4.1853) 14
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Die ersten Tage nach der Preisevertheilung ging ich, wie andere arme Studenten,in die Klöster, und in die ansehnlichen Hänser der Stadt, zeigte meine Preise vor, und,ward überall beschenkt. Ich war so glücklich, ungefähr 3l) fl. zusammenzubringen,zahlte davon Schuster, Schneider u. s. w, und schickte den Rest meiner armen Mutter.Nur 1 fl. 30 kr. behielt ich für mich aus die Reise nach Landsberg zurück.

Am Vorabend von Kreuzerhöhung mußten die aufgenommenen Candidaten imCollegium zu Landsberg , welches das Noviziathaus war, erscheinen. Hr. KausmannGaßer von Augsburg , dessen Sohn, mein Mitschüler, ebenfalls in den Orden aufge-nommen war, erwies mir die Güte, mir einen Platz in seinem Wagen zu gönnen.Als ich Landsberg und das schöne Collegium, das am höchsten Platz der Stadt sichzeigte, von Ferne sah, hüpfte mir das Herz vor Freuden im Leibe. Dieß ist, dachteich, meine Ruhestätte, da will ich bleiben!

Außer der Stadt standen auf den Straßen, die nach Landsberg führten, Leute,welche die Candidaten bewillkommten, denselben Glück wünschten, und dafür ein Ge-schenk erwarteten. Ich theilte mit Freuden auS. Als der Wagen im Hofe deS Kol-legiums ankam, hatte ich noch ZV kr, welche mich wie eine schwere Last drückten.Denn ich hatte den Stolz , ohne Heller und Psennig Jesuit zu werden. Sorgsamblickte ich nach allen Seiten hin, um Jemand zu entdecken, dem ich meine Last auf-bürden könnte. Da sah ich einen Handlanger, winkte demselben, drückte ihm meineletzten Krenzer in die Hand und fühlte mich glücklicher, als der Empfänger sich fühlenkonnte. Beim Eintritt in daS Collegium glaubte ich in den Himmel zu gehen, undhatte nichts mehr zu wünschen. Drei Tage lang wurden die Candidaten als Gästebehandelt. Jedem wurde sein besonderes Wohn- und Schlafzimmer angewiesen; jederhatte einen Novizen vom vorhergehenden Jahre zur Bedienung, der ihn zur bestimm-ten Stunde aus dem Schlafe wecken, ihm Licht und Speise bringen mußte; dennJeder auf seinem Zimmer, und unterhielt sich mit seinem Aufwärler.

Am vierten Tage fingen die sogenannten achttägigen GeisteSübungen deS heil.Ordenstifters JgnaziuS an, welche mit Beten, Lesen, Betrachten zugebracht wurden. Indiesen Tagen mußte sich jeder Candidat zur Beicht von seinem bisherigen Leben, unddadurch zur hl. Communion vorbereiten. Am Vorabende der hl. Communion brachteein Laienbruder jedem Candidaten den schwarzen langen OrdenSrock sammt den Unter-kleidern , weil alle in dem Ordenskleide bei der hl. Communion erscheinen mußten.Denn bei den Jesuiten war keine seierliche Einkleidung üblich; jeder zog seinen OrdenS-rock selbst an; und wer bisher langes Haar getragen hatte, mußte sich dasselbe voneinem Laienbruder, der Barbier war, abschneiden lassen. Hier kann ich nicht um-hin, zwei lustige Anekdoten zu erzählen, welche von der Menschenkenntniß und derguten Art zeigen, womit die Obern der Jesuiten ihre Untergebenen behandelten.

Ein Candidat wollte sich seinen schönen Haarzopf nicht abschneiden lassen, undein anderer wollte seine rothsamm nen Beinkleider beibehalten. Die Sache wurde demObern gemeldet, und dieser sagte, man solle jedem seinen Willen lassen. Am Tagdarauf gingen die Candidaten im Ordenskleide öffentlich in der Kirche zur hl. Com-munion. Da gab es ein Lächeln, Zischen und Murmeln. Der Candidat im Ordens-kleide und dem Haarzopse darüber machte Aufsehen, nicht nur bei den andern Can-didaten, sondern bei allen Leuten, welche ans der Stadt in die Kirche gekommen waren,um die neuen Candidaten daS erstemal im Ordenskleide zu sehen. Kaum war dieCommunion vorüber, eilte der Candidat, welcher empfand, daß er der Gegenstand desallgemeinen Aufsehens gewesen sey, zum Obern, und bat um die Erlaubniß, seinenHaarzopf ablegen zu dürfen.

Der andere Candidat wurde an einem Werktage mit den übrigen in den Gartengeschickt, um dort Obst zu pflücken, zu schütteln und aufzusammeln. Der Brnder Gärt-ner hatte vom Obern den Befehl, den Candidaten mit den rothen Beinkleidern dieLeiter besteigen zu lassen. Die Untenstehenden sahen zum Baum hinauf, erblickten unterdem schwarzen Ordensrocke die rothsammtenen Beinkleider, und konnten sich nicht ent-halten, laut zu lachen. DaS wirkte. Am Ende der Arbeitsstunde ging der Candivat