Ausgabe 
13 (10.4.1853) 15
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gingen zum Pfarrhaus. Aber welch ein Pfarrhos! von Stroh, ganz ärmlich, aberdoch nett und geräumig. ES befindet sich eine kleine HanSkapelle darin, in welcherder hochw. Hr. Bischof die hl. Messe las. Den Priester dieses OrtS lrafcn wir ganzelend und fieberkrank an. Eben hatte er das Fieber und es schüttelte und rüttelteihn gewaltig. Der hochw, Hr. Bischof, welcher Sorgfalt für alle seine Schafe trägt,nahm ihn zur Erholung mit sich, und ließ einen von den ihn begleitenden Priestern andessen Stelle zurück. Des andern TageS um 12 Uhr setzten wir unsere Reise wiederfort, und erreichten Sonntag den 19. Dec. Morgens 6 Uhr glücklich nnsein Bestim-mungsort Chittagong nach beinahe 1-ttägigcr Fahrt. Ich darf nicht vergessen, daßam Schlüsse unserer langen, aber glücklich gesegneten Reise der hochw. Hr. Bischofein feierliches?e veum anstimmte, das mir fröhlicher Heller Stimme vom Chorabgesungen wurde. Ich lag auf meinem Bette und stimmte mit vollem Herzen indiesen Jubelgesang ein. Kaum 100 Schritte vom Fluße ewsernt ist daS glücklicheAsyl, das uns aufnehmen sollte. Wir gingen raschen Schrittes auf selbes zu, undich wußte nun nichrs mehr von Unwohlseyir, da wir nun wieder auf festem Bodenwaren. Wenige Minuten und wir standen an der Klosterpforte, die sich alsbald öff-nete und an dessen Schwelle uns schon Frau Oberin und die ganze Gemeinde (freilichsind nur drei Personen) mit herzlicher Umarmung empfing. Um den Eintritt ineine neue Lebensperiode ist es immer etwas Eigenes, ein Moment, der uncrklärbareGefühle erregt. So War es auch mir. Mit klopfendem Herzen uud doch beseelt voueinem Seligkeitsgefühl, betrat ich daö Klösterlein, Bethlehem genannt. Hier ist derOrt meiner Ruhe, hier will ich wohnen ewiglich, sagte ich mit dem königlichen Pro-pheten. Der Eindruck, den daS kleine Klösterlein und seine Bewohnerinen ans michmachten, war ein günstiger. Ich will Ihnen nun Alles näher beschreiben. Die Bau-art deS Klosters sieht einem europäischen Landhause gleich, hat ein Stockwerk und dreiThore. Im ganzen Hause sind sieben Zimmer, vier zu ebener Erde und drei im erstenStock. Unten in der Mitte des Hauses die ganze Breite hindurch befindet sich dasSprechzimmer, auf der einen Seite zwei Schulzimmer, auf der andern daö Refectorium.Nun besehen Sie unsere Zellen. Es ist eine zwölf Schuh lang und acht Schuh breit(nach meinem Schuh gemessen). Hier ist an der Wand eine alte silbergranc Bettstattmit einer Matratze, Polster und einer wollenen Decke. Neben dem Ruhelager stehtein kleiner alter Strohsessel. Auf der audern Seite befindet sich ein kleines Tischlein,welches mir das Christkindlcin brachte, auf dem das Waschbecken steht. An dem Vor-gang hängt mein Reisesack, welcher die Stelle eines Commods vertritt, daneben daskleine Täfelchen, des Prager Kindleins, das ich mitgenommen habe mit einem zer-brochenen Glas. Nun haben Sie Alles gesehen. Gehen Sie hinter den zweiten Vor-hang, da finden Sie Schw. Josephine und hinter dem dritten Schw. Aloisia (so nenntman sich hier). Alle Zellen sind gleich eingerichtet, überall dieselbe Armuth, die-selbe Einfachheit. Darf ich Sie fragen, wie Ihnen unsere Zellen gefallen? OhneZweifel recht gut. Aber auch ihre Bewohnerinen fühlen sich ganz glücklich und zu-friedeu, in ihrer Armuth sich freuend, dem Kindlein in Bethlehem etwas ähnlich zuseyn. Ja wir sind arm, recht arm. DaS Kloster hat keinen Kreuzer Foud nochEinnahme. Zöglinge haben wir nur vier, wovon der Betrag monatlich ein paarGulden ausmacht. Dieß und das Almosen, welches gutherzige Damen von hier undCalcutta uus spenden, ist das Einkommen, wovon wir leben. Daß der hochw. HerrBischof mit seinen Klosterfrauen die Last trägt, versteht sich von selbst. Er thut aberauch waö er kann. Er kaufte die Matratzen in Ealcntta und allerlei Sachen, welchedie Gemeinde nöthig hatte. Allein die göttliche Vorsehung ist eine reiche Vorraths-kammer ; hat sie ihre drei Bräute bisher versorgt, wird sie auch sechs nicht verhungern. lassen. Das ist wirklich meine geringste Sorge. Unsere Frau Oberm ist eine aeborneIndianerin, 24 Jahre alt und die gesündeste von den dreien, denn die zwei Schwe-stern sind immer leidend und kränklich. O die guten Schwestern, sie beginnen zuerliegen unter der Last der Beschwerden! Doch es soll ihnen erleichtert werden, undsie nun manche Ruhestunde genießen können, weil europäische Schwestern sie nach Kräf-