Ausgabe 
13 (10.4.1853) 15
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ten unterstützen wollen. Ja, an Arbeiten wird es nicht fehlen, und auch ich, obgleichuntauglich zu allem, werde vollauf beschäftigt werden. Bei 34 arme Waisenkindersind im Kloster, die erzogen und unterrichtet werden. Der hochw. Generalvicar, p.Storch mit Namen, ein Benedictiner-Mönch und aus Oesterreich gebürtig, ist unserBeichtvater. Er ist seit zwanzig Jahren hier, und der einzige Priester der StadtChittagong , die doch 2000 Katholiken zählt. Daß eS da viel zu thun gibt, ist leichtzu denken. Nun komme ich auf 1>ie Kirche zu sprechen. Diese ist 50 bis b0 Fußvom Kloster entfernt, zu welcher ein gedeckter Gang führt; sie ist groß, hat aber nureinen Altar, und die ganze Zierde desselben verräth große Armuth. Jetzt einige Worteüber daS hohe WeihnachtSsest. Vom 19, Dec., dem Tage unserer Ankunft, bis zumhl. Christabend ward vom hochw. Hrn. Bischof eine feierliche Novene abgehalten.DeS Morgens war täglich ein Amt mit Predigt, Abends Litanei, abermals mit Pre-digt. Jedesmal predigte der hochw. Hr. Bischof selbst, mit einem Feuereifer, der michentzückte, mir schade, daß ich nichts davon verstand. Nun kam der hl. Abend. UmMitternacht wurden drei Kanonen gelöst und verkündeten die hl. Stunde. Die Kirchewar ganz hell beleuchtet. Es trat die seierliche Processiou zum Altare, und der hochw.Bischof mit Jnful uud Stab. Es folgte ein feierliches Poutifical-Amt.. Es ertön-ten zwar keine Trompeten- und Orgelklänge, eS rauschte keine lärmende Musik, aberalles, waS man hört und sieht, spricht in seiner Einfachheit tief zu Gemüth. Hierwar eS, wo nun vermuthlich zum erstenmal ein deutsches Lied ertönte, es war näm-lich nach der hl. Wandlung, wo Schwester Aloisia und Josephine mit lauter, kräftigerStimme das schöne LiedLaßt uns das Christkindlein preisen" sangen. O wie hatdaö ?. Storch erfreut. Er will auf das neue Jahr wieder eines hören. Am Weih-nachtSmorgen selbst hatten wir wieder Amt und Predigt und verweilten in der Kirche bis11 Uhr. WaS scll ich Jhucu dann noch'erzählen? Nnn eS fällt mir so eben ein, daß wirgegenwärtig Ferien haben, sie dauern aber nur vierzehn Tage. Für daS nächsteSchuljahr hoffen wir mehrere Zöglinge; denn es ist überall bekannt geworden, daßeuropäische Klosterfrauen angekommen sind. Es ist möglich, daß ich zu den Waisen-kindern komme, der hochw. Hr. Bischof sagte es einigemal im Spaß.

Dieß wäre eine tüchtige aber süße Arbeit, in diesen armen Waislein, die schwarzund arm aussehen, dem Jcsnkindlein zu dienen.

Da diese Kinder ganz vom Kloster verpflegt werden, hier essen nnd schlafen, sokann man sich denken, waS dieß für eine Aufgabe für drei arme Klosterfrauen ist.Der guten Frau Oberin machte die Sorge um ihre armen Kinder gewiß schon oft rechtwarm. Am Christabende ließ der hochw, Hr. Bischof der Frau Oberin sagen, sie sollja sorgen, daß am Christfeste die armen Kinder auch etwas GuteS, Kuchen, oder dgl.zu Tische bekommen, wenn sie auch nichts hat, sie dürfe die Rechnung ihm schicken,er wird Alles bezahlen. Er schickte auch unS während seines Aufenthaltes immeretwas von seinem Tische, einmal Brod, Fleisch, Wein :c. Nuu haben wir aber nichtmehr lange die Frende, ihn bei unS zu haben. Am 7. Jannar reist er ab. EinAbschied, der uns heiße Thränen kosten wird. Wir haben ihn auf der langen Reisetäglich mehr achten und hochschätzen gelernt, er war mehr als väterlich für unS besorgt.Sollen wir nicht diesem unsern väterlichen Oberhirten Freude zn machen suchen! O ja, daSwollen wir, nnd jede von uns hat vor dem Eintritt in das neue Kloster deu Vorsatzgefaßt, mit der Gnade GottcS, in der neue» Welt, in der neuen Gemeinde, und ineinem neuen Kleide ein ganz neues Leben zu führen, fest vertrauend, daß unS derliebe Gott beiftehcn wird. Und nun, liebe Mutter! habe ich Ihnen viel Erfreulichesmitgetheilt, eS bleibt nur der Wunsch, daß Sie und unsere lieben Mitschwestern unSdem lieben Gott danken helfen, daß Er an den Gefäßen seiner Barmherzigkeit dieReichthümer geoffenbart hat. Nicht wahr, liebe Mntter! Sie lassen ein Dankamt amHerz Maria Altare halten, und hicmit wäre der Bittliranei der Anfang gemacht.Denken Sie sich in Bethlehem , und nicht einmal eine Krippe, kein Christkindlein imganzen Hanse, kein Christus, kein Bild, nichts, gar nichts. Es sey dieß, liebeMutter, aber keine Klage, sondern nur erzählen wollte ich Ihnen, wie es aussieht bei