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Im Jahre 1812 wurde er zum Dom- und Capi'tiilarherrii deS ehrwürdigen getreuenMetrvpolitancapitels in Olmütz ernannt nnd als solcher installirt. In dieser Eigen-schaft wirkte er bei verschiedenen Fnnctioncn in unserer Stadt mit solcher Auszeich-nung, daß er sich die Liebe und das Vertrauen Aller erwarb; namentlich wirkte erals Probst zu Sanct Mauriz zur Zeit der Cholera in ausgezeichneter Weise. Erselbst eilte in die Wohnungen der Kranken und spendete Trost und Hilfe, wo er nurkonnte, ohne die Gefahr zu scheuen. Alle diese trefflichen Eigenschaften bewirkten, daßer bei der Erledigung des Olmützer Erzbisthums durch deu Tod des Metropoliten Grafen Chotek am 2t. Nov. 1836 durch kanonische Wahl auf den erzbischöflichenStuhl der Olmützer Erzdiöcese berufen wurde. In dieser bohen Stellung war erwürdiger hoher Priester uud eifriger Patriot, und als Se. Majestät der Kaiser vonOesterreich in jenen bedenklichen Zeiten in unserer Stadt Allerhöchster Hoflager auf-schlugen , zeichnete er sich durch seine Liebe und Anhänglichkeit an das allerhöchsteKaiserhaus in hohem Maße ans, und die vielen Zeichen allerhöchster Huld, welchedie Brust deS hohen Verstorbenen zierten, beweisen dieß zur Genüge. Die höchsteDignität erlangte der würdevolle Metropolit, als er am 30 Sept. 1850 zum Cardinalder hl. römischen Kirche ernannt wurde. Ein länger anhaltendes Unwohlsein, welchesSe. Em, bereis zu Anfang deS heurigen Jahres an den höhern kirchlichen Funktionenhinderte, hatte in der verflossenen Charwoche einen ernstlichen und bedenklichen Charakterangenommen, bis am 31. März um 6^ Uhr Nachmittags der Tod Sr. Em. dnrchLnngenlähmung erfolgte. Noch in der letztwilligen Anordnung hat Se. Em. seineLiebe uud seinen WohlthätigkeilSsinn bewährt; er hat für mehrere seiner Beamten undDiener sehr anschliche Vermächtnisse ausgesetzt, und die Armen-Institute von Olmütz und Kremsier mit Legaten von je 36,000 fl. bedacht, welches erstere der hohe Ver-storbene auch selbst begründete. Der Leichnam Sr. Ein. wird in einer von ihm eigenserbauten Gruft in der Manrizkirche begraben werden, dagegen sein Herz in der hiesigenMetropolitankirche beigesetzt. (W. Ll.)
Ein christlicher Philosoph.
Einige schöne Züge von Almosengebern erzählt Beda Weber in „das Thal Passeicrund seine Bewohner." Innsbruck 1822, S. 218: „Ein armer Krachsenträger halte sichdurch lebenslange Arbeit einige hundert Gulden erspart, und lag sterbend auf einem fastverfaulten Bette. Man machte ihn aufmerksam, daß er sich mit seinem Gelde wohl ein bes-seres anschaffen konnte. „Ja, das könnt' ich, wenn ich ein Narr wäre", sagte er lächelnd,„meine blutarmen Verwandten sollen sich eines anschaffen, für mich ist es zu spät, ich binnichts als Stroh gewohnt." Man muthete ihm an, Fleischsuppe kaufen zu lasse». Er wei-gerte sich dessen, weil eS ihm doch nichts helfe gegen den Tod und das letzte Gericht, erhabe mit der Mchlsnppe gelebt, nnd wolle mit ihr anch sterben. Auf die Anregung einesschriftlichen Vermächtnisses erwiederte er lebhast: „Sie verschreiben beim Landgerichteohnehin Papier genng. Ich verlasse mich auf den Kaiser, der läßt es gewiß in keinen fal-schen Sack fallen." Sein zurückgelassenes Vermögen von 500 fl. machte eine arme Familie
im Gebirge ganz glücklich." -
Bassenhein».
Vassenheim, 11. März. Von der opferwilligen Begeisterung der frommen Vor-zeit angeregt und sich so dem rheinischen Adel würdig anschließend, hat der Hr. Graf v.Waldbott-Bassenheim nngeachtet dessen, daß er erst kürzlich der hiesigen Gemeinde einenPachtnachlaß von 900 Thlrn. gewährte, außer dem benöthigten Bauholze auch noch 500Thlr. in Gold zur Instandsetzung der Waldcapelle auf dem Karmelenberge angewiesen,damit dieses im schönsten ilalienischen Baustyle erbaute Gotteshaus, welches trotz seinerstillen und erhabenen Einsamkeit einst das Ziel und der Andachtsborn unübersehbarer Pil-gcrschaaren war und auö dessen geweihten Mauern noch jetzt eine heilige Ruhe sich überden ganzen Berg verbreitet, in seiner ursprünglichen Pracht wieder hergestellt uud demGottesdienst geöffnet werden soll.
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