Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojtzeitung.
17. April. ^ K« l853.
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weiland Fürst-Erzbischof von Wien .
Am 14. März um die siebente Morgenstunde rief die Niesenglocke vom St.Stephansdome eine große Trauerpost hinaus in den weiten Umkreis der ErzdicöeseWien . Vincenz Eduard, ihr greiser Oberhirt, hatte an diesem Morgen daö Zeit-liche gesegnet, und war eingegangen sanft und in Gottes Nathschluß ergeben — „indas HauS seiner Ewigkeit." Ein Lungcnübel, an welchem der hohe Verblichene Jahrelang gelitten und welches schon mehrmals in früherer Zeit sein Leben gefährlich be-drohte , hatte demselben dieseSmal ein unerwartet schnelles Ende gemacht. In ihmWurde eine außergewöhnliche und beachtenSwerthe Persönlichkeit zu Grabe getragen.
Vincenz Eduard Milde, Fürst-Erzbischof von Wien , I)r. der Theologie, Groß-kreuz und Prälat des k. k. österreichischen Leopoldordens, Präses der Leopoldinen-Stif-tung für die nordamerikanischen Missionen, Protektor des Priester-Defizienteninstitnteöin Wien zc. :c,, wurde am 11. Mai 1777 zu Brunn von bürgerlichen Eltern geboren.Nach zurückgelegten Gymnasial-Studien zu Brünn hörte er die Philosophie theils inWien theils in Olmütz . An letzterem Orte verlegte er sich vorzüglich auf Mathematikund Physik und zwar mit so ausgezeichnetem Erfolge, daß der in Mähren comman-dirende Feldmarschall Marqnis Botta auf ihn aufmerksam wurde und ihm sehr an-nehmbare Versprechungen machte, wenn er in die Wiener Ingenieur-Akademie eintretenwollte. Aber weder diese Versprechungen, noch der Unwille seines Stiefvaters, derseinen Entschluß, in den geistlichen Stand zu treten, mißbilligte, konnten ihn hierin irremachen, da er schon von Jugend aus Neigung zum Priesterstande gefaßt hatte. Erwählte die Wiener Erzdiöcese; und krank, unbekannt, ohne Unterstützung und Empfeh-lung, blos mit seinen Schulzeugnissen versehen, bat er um Ausnahme in das Wiener Klerikal-Seminar und erhielt sie.
Ohne die übrigen Zweige deS theologischen Studiums zu vernachlässigen, wio-mete er sich doch ganz besonders der biblischen Literatur und den orientalischen Spra-chen, weil er den Wunsch und die Hoffnung nährte, einst Professor deö neuen Bundeszu werden. Sein ohnehin schwächlicher Körper konnte sich während dieser Zeit nichtconsolidiren, da er in diesen Jahreu sich zu sehr anstrengte, und hierin mag wohl auchein Grund seiner bleibenden körperlichen Schwäche liegen, die ihn in den späternJahren so oft überfiel uuv in seiner sonst so regen Thätigkeit hinderte. Nach em-pfangener Priesterweihe 1800 wurde M. zum Cooperator bei den neun Chören derEngel am Hof, und 1802 zum Katecheten an der Normal-Hauptschule bei St. Annaund im k. k. Civil-Mädchenpensionate bestimmt. 1804 erhielt er den Auftrag, dasan der Real-Akadem ieneu errichtete Lehramt eines Religionslehrers zn übernehmen. —Treue und Eifer in Erfüllung seiner Pflichten führte ihn zu immer wichtigern Aem-tern , und so erhielt M. nebst dem ehrenvollen Range eines Hofcaplanö die neu er-