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richtete Professur der Erziehungskunde an der Wiener Universität und lehrte zugleichdie Katechetik und Methodik für Theologen — von 1805 bis 1810. Seine zerrüt-tete Gesundheit bewog ihn in diesem Jahre die Lehrkanzel zu verlassen und um diePfarrei Wolfpassiiig zu competiren, die er auch erhielt. Nur zu weite Entfernungvon ärztlicher Hilfe, deren er oft bedürfte, bestimmten ihn 1814 zu dem Entschlüsseum eine Versetzung anzusuchen, worauf er die Stadtpfarrci zu Krems erhielt. — Indem nämlichen Jahre ernannte ihn der höchstselige Kaiser Franz , dem seine bewähr-ten Verdienste, seine Tugend und Religiosität nicht unbekannt blieben, zum Ehren-Domherrn der Metropolitankirche von St. Stephan in Wien . Zugleich wurde erConsistori'alrath zu St. Polten, Lokaldirector der philosophischen Studien in KremS ,Dechant und Schulvistn'ctS-Aufseher des Kremser DecanateS. Am 21. Januar 1823wurde er zum Bischof von Leitmeritz und den 27. December 1831 zum Erzbischofevon Wien ernannt.
So trat M. nach 18jähriger Entfernung als Vater und Oberhirt in die geliebteErzdiöcesc zurück, in welche er vor 38 Jahren als geistliches Kind war aufgenommenworden. Mit welcher Gesinnung, mit welchen Hoffnungen und Wünschen er hier seinneueö Amt übernahm, das spricht er klar und herzlich in jenem salbungsvollen Schrei-ben a»S, in welchem er — am Feste der Himmelfahrt des Herrn 1832 — allenseinen Unterhirten, den» gesammten Welt- und OrdensklcruS, seinen ersten oberhirtlichenGruß und Segen sandte. — „Mit großer Hoffnung", so sagt er unter anderem indiesem Hirtenschreiben, „und mit-aller Liebe komme ich zu euch; nicht allein durch daSBand des hl. Amtes, sondern durch das der Liebe (von solum sacri okkeii, seäsmoris vineulo) wünsche ich mit euch verbunden zu seyn. Ich werde nicht aufhörenzu beten und zn bitten, „„daß ihr erfüllt werdet mit der Erkenntniß deö göttlichen Willens,daß ihr würdig wandelt, Gott in Allem wohlgefällig, daß ihr fruchtbar seyd in jedemguten Werke, wachsend in der Wissenschaft Gottes und gestählt in der Tugendkraft.""
„Nicht mir, sondern euch werde ich leben; alle Kräfte und Stunden, die mirGott geben wird, werde ich den geliebten Gläubigen und euch weihen, nichts suchendals nur das Reich Gottes, das Heil der Seeleu, das Wohl des Klerus. Von dieserStunde an soll euer Glück oder Unglück das meinige seyn; ihr sollet nicht leicht Einenfinden, der um cuere Ehre und euer Wohl mehr besorgt, zu euerem Lobe und euererVertretung williger bereit wäre, als ich; aber ich bitte und beschwöre euch, seyd sobeschaffen, daß ich euch mit gutem Gewissen meine geliebten Söhne nennen und desSchmerzes überhoben seyn könne, die Liebe der heiligen Pflicht unterwerfen zu müssen(ut clolore superseljere possim, gmorem 8»ero okkeio subjiesre)."
Und wahrlich, was M. hier beim Antritte versprechen, er hat es während derzwei Dezennien seiner Verwaltung des Oberhirtenamtes in dieser Erzdiöcese getreulicherfüllt; so getreulich, wie nur immer ein Mensch, von dessen Willen die Gunst oderUngunst der Umstände nicht abhängig ist, sein gegebenes Wort erfüllen kann. — N.E. Milde war bis ans Ende seines Lebens im strengsten Sinne rastlos thätig inseinem hohen Berufe. „Leben heißt wirken" — war sein Wahlspruch und er lebtedarnach. Selbst die erlaubte und bei seiner ohnehin geschwächten Leibeskraft für ihndoppelt nothwendige Rücksicht auf die Erhaltung seiner Gesundheit, ja selbst die in derletzteren Zeit eingetretene ausgesprochme Gefahr völliger Erblindung, — konnte ihnnicht hindern, dem, was er als seine bischöfliche Pflicht erkannte, mit aller Anstren-gung und Ausdauer obzuliegen. Die Hirtensorge drängte in seinem unermüdlichenGeiste alle anderen Sorgen in den Hintergrund.
Die hochw. Herren Pfarrer, deren Sprengel der Selige als Visitator besuchte,könnten uns hiezu eben so sprechende als zahlreiche Belege liefern. Und so wie M.fortan selbst als ein Muster des regen und beharrlichen Hirteneifcrs sich darstellte, sowar eS immer auck sein angelegentlichstes Bemühen, die seiner oberhirtlichen Leitunguntergestellten Geistlichen zu einem ähnlichen eifrigen Streben in ihrem Bernfskreiseaufzumuntern. Belobung uud väterlich-ernste Zurechtweisung, Beförderung und nichtselten auch vecuuiäre Unterstützung wußte er als Millel zu diesem schönen, vom