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Seelenelfer ihm vorgesetzten Zwecke zu gebrauchen. Mit besonderer Liebe und Fürsorge,wie billig, umfaßte der selige Overhirt seiu Alumnat. „Nichts liegt mir mchr amHerzen", so sagt er selbst in der Einleitung zu den herrlichen Statuten, die er diesergeistlichen Pflanzschule gegeben, „als die Bilduug des juugcu Klerus."
Und er hat eS thatsächlich bewiesen, daß dieses Wort in seinem Munde keineleere Phrase war. Die ganze Einrichtung des Hauses, für die scientifische, wie asce-tische Ausbildung der Zöglinge gleichmäßig weise berechnet, die mit bedeutendem Kostcn-anfwand erzielte Herstellung und Ausstattung der neuen Hauskapelle, die Anschaffungeines nicht geringen Vorraths werthvoller, theils wissenschaftlicher, theils erbaulicherBücher und so manche andere Wohlthat wird noch lange hin dafür Zeugniß geben,was Erzbischof Milde seinem Alumnate, und was dieses ihm — um der Seelenwillen — gewesen ist.
Wo von der Hirtentreue und geistlichen Wirksamkeit deS Seligen die Rede ist,da verdient ohne Zweifel auch rühmende Erwähnung sein würdevoller frommer Anstand,seine hohe Erbaulichkeit bei seinen gottesdienstlichen Fnnctioncn, die, wie uns oft-mals zu Ohren gekommen ist, in dem Gemüthe aller, die denselben beiwohnten, denbesten und heilsamsten Eindruck zurückließen. Endlich auch seine besondere Gabe uudleutselige Weise, mit Kindern und dem weniger gebildeten Volke umzugchen, nnd sichihnen verständlich zn machen. Milde's Hirtenbriefe sind in dieser Beziehung wahreMuster von Popularität. Sein letztes, aus Anlaß der wunderbaren Rettung un-seres vielgeliebten Monarchen ausgegebenes Hirtenschreiben wurde dieses Vorzugeswegen sogar in mehrere andere Sprachen übersetzt, damit sein Inhalt auch dem Volkenichtdcutscher Zungen zugänglich werde.
Ein anderer nicht minder glänzender Zug im Leben des hohen Hingeschiedenenist seine ungemein menschenfreuudliche und fromme Freigebigkeit. Wohl ist uns nurder geringste Theil seiner wohlthätigen Werke bekannt. Denn er liebte es, im StillenGutes zu thun, auch auf die Gefahr hin, daß man ihn verleumde, er thue nichts.Aber auch das Wenige, was wir wissen, reicht hin, jedes unbefangene Gemüth vonder Wahrheit der vorangestellten Behauptung zu überzeugen. Der Selige hielt, wieauch aus seinem musterhaften Testamente erhellet, eine eigene Casse mit der Aufschrist:„den Armen gewidmet." Auö dieser Casse flössen alljährlich an 12,000 fl. als Haus-almosen in die Hände der Armen. Andere, zumal kranke Arme, sowohl geistlichen alsweltlichen Standes, wurden zeitweilig mit nahmhaften Geldbeträgen unterstützt. Wiederandere hatten von ihm eine jährliche Pension zu beziehen. Bei Gelegenheit seinerIubelseier — am 9. März 1850 — verwendete V. E. Milde wie damals in denZeitungen zu lesen stand, viele Tausende zu wohlthätigen Zwecken. Und vor nichtgar langer Zeit ließ er durch verläßliche Hände, unter dem Auftrage der Verschwie-genheit, in einem Falle 20,000, in einem andern 10,000 fl. an gewisse geistliche Ge-nossenschaften , von welchen die eine mit der Krankenpflege, die andere mit der christ-lichen Erziehung und Seelsorge sich befaßt, gelangen. Die großmüthige Unterstützungso mancher gering dotirtcn Kirche, Pfarreien und Schulen, die schon erwähnte kostspie-lige Herstellung der Alumnatskapelle und die erst jüngst und mit einem noch größerenKostenaufwand vollendete Erbauung der neuen Kapelle im Priester-Defizientenhause u. s. w.— was sind eS anders, als eben so viele in die Augen fallende Beweise seines sel-tenen inneren Dranges zu Werken frommer Wohlthätigkeit?
Jedoch den schönsten und schlagendsten Beweis hievon — ein ewiges, strahlen-des Monument seiner frommen Liebe — hat der hohe Verstorbene in seinem Testamenteniedergelegt, welches nach Abzug einiger, auch großentheils frommer Legate, „diearmen, ohne ihre Schuld in Noth sich befindenden (in der Seelsorge dienenden) Welt-priester, und die armen (religiösen, fleißigen, noch dienenden) Schullehrer der WienerErzdiöcese" — zum Universalerben seiner beträchtlichen Verlasscnschaft erklärt. M. moli-virt diese seine Bestimmung mit dem eines katholischen Bischofes vollkommen würdigenund beherzigenSwerthen Satze : „Das Vermögen, welches ich hinterlassen, ist Kirchen-gut. Ich habe mich nie als den freien Eigenthümer, sondern allzeit nur als den Nutz,