Ausgabe 
13 (17.4.1853) 16
Seite
124
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

124

m'eßer und Verwalter angesehen. WaS die Pflicht, was der Anstand forderten, habe ichverwendet. Den Neberrest zu kirchlichen Zwecken zu venvenden war und bin ich verpflichtet.

Und so könnten wir noch manche ausgezeichnete Züge in dem Lebensbilde desVerewigten ausführlicher besprechen, wir begnügen uns jedoch blos hinzuweisen aufseinen klaren, durchdringenden Verstand, seine unbeugsame Charakterfestigkeit, seine un-parteiische Gerechtigkeitsliebe, seine schonungsvolle Milde gegen renige Fehlende, seinegroßherzige, dankbare Anerkennung der ihm geleisteten treuen Dienste, endlich auf seineinnig treue, iu guten wie in schlimmen Tagen bewährte Anhänglichkeit an das aller-höchste Regentenhaus.

So lebte und wirkte Vincenz Eduard als Oberhirt der Wiener Erzdiöcese,bis der Tod am 14. März 1853 um 4V2 Uhr Morgens sein thatenvolleö und ziem-lich leidenreiches Leben schloß.Ich wünsche aufgelöst zu werden und mitChristus zu seyn" so hatte der Selige noch wenige Wochen vor seinem Tode beieiner ernster stimmenden Gelegenheit, in frommer Ergebung und wohl schon im Vor-gefühle seines nahen Scheidens aus dieser Welt, mit dem Apostel gesprochen; und:Ich bitte Gott , daß er mich bald zu sich nehme, damit eine jüngere, kräftigere Handden Hirtenstab ergreife, dessen Handhabung meinen altersschwachen Händen schon allzuschwer wird." Wunsch und Bitte des Seligen ist nun erfüllt. Gott hat die schwereLast deS apostolischen Hirtenamtes seinen gebeugten Schultern abgenommen und ihnabgerufen aus dreißigjähriger rastloser Arbeit zur ewigen Ruhe V. E. Mildewurde während seines Erdenlebens, namentlich im Verlaufe seiner letzten Lebensjahre,vielfach gekränkt und verunglimpft.

Man hat von so mancheu Seiten her, auch von solchen, von welchen es amwenigsten hätte geschehen sollen, seine Gesinnung uud Wirksamkeit verdächtigt, miß-deutet und geschwächt. Warum? Uns scheint ein Grund dieser zu seyn: Der Greisam Rande des Grabes, der Mann gereiften Geistes uud reicher Erfahrung hielt nichtAlleS was glänzt, für lauteres Gold, ergriff nicht Alles unverweilt und ohne Beden-ken als gut, was als solches sich kund macht in der Welt uud Aufsehen erregt. Erwollte das wahrhaft und dauerhafte Gute, und war daher etwas mißtrauisch gegendas Neue, auch wenn es im Gewände des Guten vor sein Angesicht trat, weil undund so lang es seinem klaren, nüchternen Blicke auf einem minder tiefen und halt-baren Grunde zu ruhen schien. Er hat sich vielleicht hierin, wie er selbst auch beider oben erwähnten Gelegenheit demüthig cingestand, hie und da geirrt; aber Irren istmenschlich. Uebrigens war die Seele dieses Menschen groß und edel genug, waS überihn hereinbrach, zu dulden, ohne sich je zu beklagen, ohne sich, wo er auch konnte,zu rächen. Wie immer also die Mit- und Nachwelt über den Hingeschiedenen Ober-hirten urtheilen mag, wir scheuen uns im Anblicke des vielen, theilweise weit übersein Leben hinausreichenden Guten, das er gewirkt und gewollt auch nur den klein-sten Stein der Rüge und Verurtheilung auf sein frisches Grab zu werfen. Wir über-lassen Urtheil und Gericht dem, welchem allein eS zusteht, Gott, der auf und in dasHerz schaut, und eben darum streng gerecht, aber oft auch gnädiger richtet, alsdie Menschen. Möge der Dahingeschiedene in Frieden ruhen unter der Erde --von welcher er ohne Bitterkeit im Herrn geschieden ist.

Wir können es uns und den gewiß zahlreichen Freunden und Verehrern unsereshingegangeuen Oberhirten nicht versagen, noch ein paar besonders schöne und mer-kenswerthe Stellen aus seinem vom 29. November 1852 datirten und mit: ^,6 msjoremclei gloriam et dominum 8»Iutom (Alles zur größeren Ehre Gottes und zum Men-scheuheil) überschriebenen letzten Willen hier anzufügen.

So sagt der Selige gleich Anfangs nach kurzer Einleitung:

Zuerst danke ich Gott für seinen Schutz und Segen. Ich habe in meinemLeben die Hand Gottes oft deutlich gesehen, die mein Schicksal leitete und auch in denTagen der Leiden erkannte ich Gottes Güte. Ich sage mit gerührtem Herzen: Gottwar gütiger, als ich verdiente. Ich bin nur ein unwürdiges Werkzeug in der HandGottes gewesen. Möge Gott mir auch in der Stunde meines Todes gnädig und