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barmherzig seyn! Sterben war seit vielen Jahren, auch in den Tagen meines schein-baren Glückes mein Wunsch gewesen. Ich habe das Eitle des ErdenglückeS stets er-kannt. Weder Ehre noch Wohlstand haben mich geblendet. Meine glänzende Würde,die ich gegen meinen Willen erhielt, war mir allezeit eine Bürde, und der Gedanke andie Verantwortung, die ich einst geben muß, hat dem äußeren Glänze allen Reiz ge-nommen. — Ich habe zwar das Seelenheil des Menschen, die Beförderung deS Rei-ches Jesu gewünscht; aber ich erkenne, daß ich mehr hätte wirken können und wirkensollen, als ich gewirkt habe. Ich kann nur von Gottes Barmherzigkeit meine Selig-keit hoffen. — Meine Liebe zu den beiden Diöcesen Wien und Leitmeritz wird längerdauern als mein Leben. Ich werde Gott in jener Welt bitten, daß er beide Diöcesensegne und ihnen Hirten gebe, die mehr und besser wirken, als ich gewirkt habe."Dann gegen den Schluß:
„Allen meinen Freunden danke ich herzlich für ihre mir bewiesene Liebe. AufWiedersehen! Diese Hoffnung erleichtert mir die Trennung. Die Menschen, die mirweh thaten, halte ich nicht für böse, sondern ich überrede mich gerne, daß ich bei meinerReizbarkeit manches tiefer empfunden habe als eS böse gemeint war. In den letztenJahren mußte ich viele arge Mißdeutungen und schändliche Verleumdungen ertragen.Ich schwieg zu allen; nicht aus Unempfindlichkeit, sondern theils um die Bosheit nichtnoch mehr zu reizen, theils um meinen Erlöser nachzuahmen. Die meisten meinerBeleidiger schmähten aus Rachsucht, der ich durch mein Amt und meine Pflicht aus-gesetzt war. Ich habe Allen herzlich verziehen. Mögen Andere, die ich vielleicht be-leidiget habe, eben so gegen mich gesinnt seyn! Feindselig war ich gegen keinen Men-schen. Mein Herz hat oft viel gelitten, wenn meine Pflicht mich zwang, Jemandenweh zu thun. Manche in Wien und Leitmeritz wissen, wie gern ich schonte und denGefallenen aufrichtete, wenn mein Gewissen und die Ehre des Standes eS erlaubte."
„Gott segne Alle, die ich auf dieser Erde zurücklasse! Denket au mich! Betet fürmich! Die Liebe und das Gebet verbinden die Bewohner dieser und jener Welt."
Die entseelte Hülle Vincenz Eduards r»ht in dem oberen Theile des rechtenSeitenschiffes der Metrovolitankirche: darüber ein Granitstcin mit folgender, von ihmselbst bestimmter Inschrift-
Vinoentius Läusrdus MI6eristus
krunae in Norsvis 11. Ugji 1777PresbyterViennse 9. Usrtii 1800Lurstu5 sä novem vnoros kmgelorum1800 — 1802Otecnets scnolse norm. real, et nerulsrum1802 — 1805d. k. Lgpellanus sulieug et Dniversilstis proks5sor1805 — 1810?srovrms in >VoIspgs5Mß1810 — 1814Lsnonious Vienn. Lonsist. donsil. 1'b.eol. voctor?mlo50pnise Oireotor, vecsnus Lremsii1814 — 1823Lpisoopus Litomerieii in konemis
1823 — 1832?rincep5 ^roniemseopus Vivnnens>5L, k. ormnis I^vovolm mgFnge ei-ueis sczues et nrselstus6, k. Us^tstis a eoneiliis intimikl1832 —
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Orste pro mo. (W. Z )