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seinen entstellenden Einfluß auf sie ausgeübt, 'daß man unwillkürlich erwartet, derRuhende würde sich erheben und in vollem Leben unter unS stehen — und doch ruhter schon über ein Jahrhundert.
Von dem Kloster der Capnziner führen wir Ihre Leser zn dem mitten in denRuinen deS stolzen KaiserpalasteS aus dem Palatin erbauten bescheidenen Hause einesanderen Zweiges der Söhne deS hl. FranciSkus, der Alkantariner. Unter demHochaltar ihres ärmlichen KirchleinS erwartet uns eine ähnliche wunderbare Erschei-nung, denn hier schläft den Schlaf des Gerechten der gottselige LeonarduS vonPorto Mauritio, der unermüdliche Missionär deö Gebietes von Bologna und derBerge Italiens , der eifrige Prediger Roms während deS Jubiläums 1750. ImJahre 1751 starb er in einem Alter von 95 Jahren. Sein Seeleneifer, seine außer-ordentlichen Abtödtungen und Bußübuugen hatten seine Haare erbleichen, sein Hauptkahl werden und seine Kräfte ermatten lassen; aber Gott ließ nicht zu, daß, waö inseinem Dienste geschehen war, von der Macht des TodeS fortgesetzt würde, — derLeib des Seligen blieb wie er war und kein verwesender Einfluß zeigte sich an ihm.Ein schöner Greis, wie im Begriffe aufzuwachen, ruht er nun hundert und zwei Jahreda, und neben ihm erblickt man wie das siegreiche Schwert an der Seite des christ-lichen Kriegers die noch mit seinem Blute gefärbte harte Disciplin, die gewissermaßendie Unverweslichkeit deS h. Leibes erklärt und uns beredt zu sagen scheint: Sehet,wer sein Leben in dieser Welt um Jesu Christi willen kreuziget, der wird es glorreichim anderen wiederfinden! — Auch LeonarduS wurde bereits vor einer Reihe vonJahren durch den Statthalter Christi selig gesprochen und seine Heiligsprechung schienvor Kurzem nahe bevorzustehen. Gregor XVI. wollte ihn nämlich zugleich mit sünfandern Seligen, die er im Jahre 1839 feierlich kanonistrte, in die Reihe der vonder Kirche anerkannten Heiligen aufnehmen, da die Resultate des darüber geführtenProcesses einen glänzenden Ausgang desselben erwarten ließen. In der PeterSkirchehatte man schon für sechs Heiligzusprechende die Anstalten gemacht, auch sein Bildwar dorthin getragen, die Medaillen zum Andenken an die Bereicherung der Kirchedurch sechs neue Heilige waren geprägt, kurz Alles war bereitet; nur mußte in demProcesse noch ein zweites, seit der Seligsprechung durch seine Jntercession bewirktesWunder die Probe bestehen, woran, weil so viele und ganz evidente Wunder nachallgemeiner Behauptung vorlagen, Niemand auch nur im Entferntesten Zweifel hegte.Da traf eS sich, daß der Defensor, der in diesem Theile des Processes zum erstenmalesein neues Amt versah, auö den vorliegenden Thatsachen keine glückliche Auswahl vor-nahm und eine Krankenheilung zur Grundlage des Beweises nahm, die zwar in allenBeziehungen das eklatanteste Zeugniß gab und die Einsprüche des PromotorS Fideiniderschlagen mußte, aber bei der zum unumstößlichen Grundsatze erhobenen Forde-rung der Congregation, daß die plötzlich geheilte Person die frühere Krankheit niewieder bekommen habe und nicht daran gestorben sey, nicht schlagend bewiesen werdenkonnte. Sachverständige Kanonisten verkündigten deshalb schon vor der Sitzung, dieVerhandlungen würden nicht das allgemein erwartete Ende nehmen. Daß sie Rechthatten, zeigte sich bald, und als man nun besonders von Seiten der Römer, die mitaußerordentlicher Verehrung und Licl e dem Seligen anhingen, den Papst bestürmte,für diesesmal und im Angeflehte so vieler wunderbarer Thatsachen und des übrigensso glänzend geführten Processes von der Strenge deö Gesetzes eine Dispens eintretenzn lassen, schlug Gregor XVI. das, wie die Römer noch heute erzählen, „wie ein har-ter Deutscher" rund ab; der Schmuck der Peterskirche wurde in Eile verändert, dasBild wieder sortgetragen, die Medaillen wurden umgeprägt, und so nimmt LeonarduSbis auf den heutigen Tag in der Kirche nur deu Rang eines Seligen ein.
Um jedoch auf die Unversehrtheit der Leiber mancher Diener Gottes zurückzu-kommen, so sieht die Kirche darin allerdings etwas Wunderbares, gerade wie daHVolk, das die Verwesung sonst in drei bis vier Jahren eintreten zu sehen gewohnt ist,darin einen höheren Schutz erblickt. Zum Fundamente eines Beweises im Kanoni-sationSprocesse läßt die Kirche dieselbe aber nur dann zn, wenn zur Genüge und auch