Ausgabe 
13 (24.4.1853) 17
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teten Körper trotz ihres Glanzes für die Sonne selbst halten wird, ebenso wenigschwächt die Verehrung Maria'S und aller Heiligen die Anbetung Gottes, und Niemandwird bei ruhiger Betrachtung und Erwägung so einfältig seyn, die Verehrung derHeiligen für Anbetung zu halten.

Die Kirche hat nie befürchtet, daß aus der Verehrung Marias und der Heili-gen irgend ein Nachtheil oder Mißbrauch entstehen könnte, und hat daher jene Ver,ehrung für heilsam und gut erklärt. In dieser Verehrung nimmt die Marien-Andachtwährend des Mai-Monates einen vorzüglichen Platz ein. Diese Andachtsweise hat dieKirche durch Ertheilung reichlicher Ablässe genehmigt und alle Verehrer Marias Meifrigen Theilnahme aufgefordert.

Im päpstlichen Erlasse des heil. Va!crS PiuS VII . heißt eS:Allen Gläubigen,welche in der Kirche oder im Verhinderungsfälle zu Hause im Kreise der Ihrigenwährend des Monats Mai die hl. Jungfrau durch Huldigung, Gebete und andereTugendübungen ehren werden, sey für jeden Tag dieses Monats ein Ablaß von 30(1Tagen, und einmal im Monate, an jenem Tage nämlich, an welchem sie das hl.Sacrament der Buße und des Altars empfangen und für die Angelegenheiten derKirche nach der frommen Meinung Sr. Heiligkeit beten würden, ein vollkommenerAblaß verliehen, welche Ablässe auch den Seelen im Reinigungsorte zugewandt werdenkönnen." So sollen sich nach der Erklärung deS Oberhauptes der Kirche besondererGnadengaben erfreuen: der Pfarrer, welcher seine Kirche zur Abhaltung der Marien-Mai-Andacht öffnet, die Gemeinde, welche daran Antheil nimmt, besonders alle jenePersonen, welche durch Gesang, durch Bestreitung der Kosten, durch eine Unterstützungin irgend einer Weise zur Verherrlichung dieser Andacht nach Kräften beitragen.

Verargen wirv diese Marienverehrung Niemand, der ruhig die Worte der hl.Schrift erwägt:Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter." Gott will, daß alle Menschen selig werden. In seiner unendlichen Güte schuf Er dieMenschen nach seinem Ebenbilde, invcm Er ihnen die Freiheit gab, sich selbst für dieSeligkeit deS Himmels zu entscheiden. Rührend ist das Bemühen Gottes, selbst nochdie durch die Sünde gefallenen Menschenkinder zu retten und auf ihre gemißbrauchteund verdertne Willensfreiheit so einzuwirken, daß diese mit Hilfe der Gnade durch dieErlösung Jesu Christi das Heil der unsterblichen Seele wirken kann. Unter den Mit-teln, diesen Gnadeneinfluß zur Rettung deS g/fallenen Menschen auszuüben, steht diehl. Jungfrau oben an. Sie hat der Herr auSerwählt, um unS durch sie das Höchsteund Theuerste zur Rettung von dem ewigen Tode zu geben, was Er ^esaß, seineneingeborenen Sohn, unseren Erlöser von Tod und Sünde. Zugleich aber sollte inMaria uns auch ein Vorbild gegeben werden, dem die gefallenen Menschenkinder nach-streben und nachfolgen könnten.

Auf diesen beiden Puncten beruht die Marienverehrung der Katholiken, die sichdabei auf die beständige Ueberlieferung und die Lehre der Kirche, wie auf das WortdeS hl. Geistes in der Schrift berufen:Von nun an werden mich selig preisen alleGeschlechter." Denn diese Seligpreisung, von welcher die heil. Jungfrau, erfüllt vomhl. Geiste, redet, ist eben die Verehrung, die wir ihr zollen.

Wir preisen Maria selig, weil der Herr Großes an ihr gethan hat. Wir be-wundern so gern die Werke GorleS, wie sie in ihrer Erhabenheit und Majestät unSüberall umgeben. Und diese Bewunderung erzeugt eine gewisse Verehrung. Wiesollten wir nun nicht Maria bewundern und verehren als das kostbare Werk, das seineAllmacht und Liebe geschaffen hat? Ist sie, die Mutter unseres Erlösers, nicht einunendlich lieblicherer Hossnnngöftern, zu dem wir irrenden Erdenpilger hinaufblickenkönnen, als die Sterne am Firmament alle zusammengenommen? Und wenn wir nunzu diesem Gotte preisend mit Andacht und Verehrung emporblicken dürfen, warum soll-ten wir nicht zu jenem Sterne emporschauen, der als lieblichster Morgenstern uns denfrohen Morgen der Auferstehung in Christo Jesu verkündet, der als schönster Abend-stern unS den Quell aller Ruhe, den Herrn brachte, der da sagte:Folget mir nach,und ihr werdet Ruhe finden für Eure Seelen." Warum sollten wir nicht voll Ver-