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ehrung zu diesem Friedenssterne emporblicken, der sich nicht selbst gemacht, den uns derHerr an unsern Lebenshimmel gesetzt hat, um unS an den ewigen Frieden zu erinnern,den uns die Erlösung gebracht? Es ist die Dankbarkeit gegen Gott, die unS in Mariadas Werk seiner Allmacht und Gnade bewundern und verehren läßt.
Daß diese Verehrung keine Änbetung ist und auch keine seyn kann, liegt klar zuTage, ebenso wie unsere Verehrung aller anderen Werke Gottes keine Anbetung der-selben ist. Nur der Thor und der Barbar könnte über dem Werke Gottes den Herrnund Schöpfer selbst vergessen, nicht aber der Christ, der mit Herz und Mund bekennt:„Es gibt nur einen Gott, den wir anbeten."
Und nicht blos, weil Gott Maria zu einer so hohen Würde erhoben, zur Mut-ter des WelterlöserS gemacht hat, verehren wir Maria, sondern auch weil wir in ihrselbst ein erhebendes und stärkendes Vorbild erblicken, dem wir freudig und mit Ver-trauen nachfolgen können. Der Mensch bedars auf seinem Lebenswege eines Leit-sternes, der ihm voranleuchtet auf dem oft recht dunklen Pfade der irdischen Verban-nung; er sieht sich gern nach einem Beispiele um, an dem er sich erbaut, an dem ersich in den Stunden der Prüfung emporrichtet und hält. Wer die Bedürftigkeit einessolchen Vorbildes läugnet, kennt entweder gar nicht die Bedürfnisse des menschlichenHerzens, oder er würdigt sie nicht nach ihrer Stärke. Daß Christus hier das leuch-tendste, aber zugleich auch das unerreichbarste Vorbild ist, wissen wir recht wohl; ebensowie in seiner Nachfolge Ruhe und Friede für die Seele liegt. Aber gerade diese Nach-folge des Herrn in der rechten Weise ist schwer, und bedürfen wir bei derselben ganzbesonderer Aneiferung und Erfrischung. Wir müssen ein Wesen aus unserer Mittehaben, an dem wir lernen können, wie süß es sey, dem Herrn nachzufolgen. Werkönnte dieses Wesen besser seyn als gerade Maria, welche bis an ihr Lebensendetreu und ergeben dem Herrn nachfolgte — von Bethlehem nach Nazareth und vonNazareth nach Jerusalem , von der Krippe zum Kreuze? Niemand konnte besser demHerrn unserem Gotte dienen als Diejenige, welche die Magd des Herrn hieß undvon Gott selbst ausgewählt wurde, den Erlöser an ihrem Herzen zu bergen und ihnauf den -Armen zu wiegen. Und sollten wir nun Diejenige, welche uns so helden-müthig vorangegangen ist aus dem Wege nach dem Ziele unseres Lebens, nicht mitaller Demuth und Inbrunst verehren?
Noch mehr! Die Liebe stirbt nicht, sondern dauert über das Grab und lebt.Wer Gott so treu und innig im Leben liebte wie Maria, dessen Liebe zu den Mit-menschen muß eine übergroße seyn. Wie innig muß uns daher Maria, die Mutterder schönen Liebe, lieben I Und wir sollten nun Diejenige nicht ehren, welche uns soinnig liebt? Oder ist es ein Abbruch der Liebe zu Gott, wenn wir Maria lieben?Schadet unsere Liebe zu den Eltern und Freunden der Liebe zu Gott ? Ist diese nichtvielmehr die Quelle gerade von jener? Ach, das menschliche Herz darf und muß lieben;wo keine Liebe — da ist Tod. Liebt Maria uns: warum sollten wir sie, die vonGott so sehr geliebte, nicht wieder lieben? Und diese Liebe erzeugt Verehrung.
Die Liebe Marias aber wird ebenso wenig wie jede andere treue Liebe unthätigseyn, sondern sie muß wirken, und Gott ist es, der ihr den Wirkungskreis zuweist.ES ist dies die Fürbitte für uns, die immer aus der Liebe entspringt. Die Mutter,die ihre Kmder liebt, ist eine beständige Fürbiiterin für diese Kinder. Ist dieses nunder Fall: warum sollte unsere Verehrung Marias nicht auch noch so weit gehen, daßwir ihre Fürbitte in Anspruch nehmen und zu der süßen Jungfrau emporrusen. Dasist kein Mangel an gläubigem Vertrauen auf Gott , denn gerade dieses flößt uns jenesHingeben an Maria ein. Eben weil wir wissen, daß Gott uns so unendlich viel durchdie heil. Jungfrau Maria gegeben hat, wenden wir unS mit solchem Vertrauen zu ihr.Und in diesem vertrauungsvollcn Hinwenden liegt der Haupttheil unserer Marienver-ehrung. Diese ist also nichts weiter als die alleinige Anbetung unseres GotteS, deruns in Maria die Mutter unseres Erlösers, das Vorbild der Nachfolge Christi undeine Fürbitterin am Throne der Gnade gegeben hat. Deshalb preisen wir Mariaselig, welche der Engel die Gnadenvolle, Elisabeth die Hochgebenedeite des Herrn,