Ausgabe 
13 (24.4.1853) 17
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unser Erlöser Mutter nannte u, s. w. vom Kreuze herab auch uns zur Mutter gab.Diese Verehrung ist von Geschlecht zu Geschlecht, von Volk zu Volk gegangen durchvolle 18 Jahrhunderte hindurch. Wo immer das Kreuz der Erlösung ausgepflanztwurde, da erhob sich auch das Bild der süßen und keuschen Jungfrau, nnd wodem Gotte der Christen Weihrauchdüfte wallten, da erschollen auch die Hymnen Marias.Von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort zog die Verehrung Mariasund erquickte jedes Herz, das sich vertrauend zu ihr wandte. Die Frauen, welchedurch sie wieder zu ihrer Würde erhoben worden waren, dienten ihr mit der zartestenInnigkeit deö Herzens. Die Männer huldigten ihr als ihrer Königin. Die Mädchenerkoren sie sich zur liebreichen Schützen» ihrer Unschuld, und die Jünglinge weihtenihr ihre Studien und all ihr jugendliches Streben. Ihre Kapelle und Dome erhobensich allenthalben, sowohl in dem feurigen Süden, als in dem ernsten Norden. IhrName prangte allenthalben. Und wie cS war, so ist es noch. Millionen Frauenund Männer sind noch treue Verehrer der Jungfrau Mutter. Sie grüßt demütbigund freudig jedes Kiud; zu ihr blicken bekümmerte Eltern am Krankenbette ihrer Lieben,ihr empfiehlt sich der Alpenhirt, wenn er zur Höhe steigt, und der Alpenjäger, derzum Abgrunde klimmt; ihr huldigen die barmherzigen Schwestern in den Spitälernnnd die Armen in ihrem Siegesläufe; ihr widmen noch Fürsten , wie ehedem, kost-bare Weihgeschenke, und das arme Volk unterhält noch daS Lämpchen vor ihremsüßen Bilde. Ach, meine Geliebten! selbst noch in den Städten, wo der katholischeGlaube verschwunden, verkünden von den ehemals katholischen Kirchthürmen herabdreimal des Tages die Glocken daSAve Maria" und preisen mit eherner Zunge solange jene hl. Jungfrau selig, bis wieder Söhne und Töchter Marias entsprossen unddenEngel des Herrn " beten.

DaS Geetenwefen i« Pommern.

Die N. P. Z> berichtet darüber aus Köslin , Der Schlawer und besondersder Rummelsburger Kreis unseres Regierungsbezirks sind seit langem als Herdeiner tiesen religiösen Bewegung bekannt, welche ihre Theilnehmer vorzugsweise inden niedern Ständen sucht. Es läßt sich nicht leugnen, daß mit ihr, auch wenn ihrzuweilen in einzelnen Stücken die Lauterkeit der Lehre (der Katholicismus) sehlt, sastdurchgängig ein christliches und reines Leben verbunden ist, das zugleich in sich dieeinförmige Rauigkeit und den stummen Ernst jener Sand- und Moorgegenden ab-spiegelt. Es ging schon seit einigen Tagen in der Gegend das Gerücht, daß der BauerCarl Ziemcke zu Klein-Schwirsen (Rummelsburger Kreises) in seinem Hausereligiöse Versammlungen hielte. Man sprach von acht bis zehn Personen, welche beiihm zusammenkämen. Die Behörde hielt eS endlich für ihre Pflicht, über diese Zu-sammenkünfte sich zu unterrichten. Die Mutter der Frau des Ziemcke, welche derSache fern stand, regte diese Untersuchung zum Theil selbst an. Ziemcke gab offenüber sein religiöses Leben Auskunft. Er hat früher zu der Secte der Taufgesinnten(Baptisten) gehört und hat endlich die Bekanntschaft eines Schneiders QuardocuSaus Bublitz gemacht, der früher auS einer Wiedertäufergcmeinde jener Gegend aus-gestoßen war, weil er ein von einem Glaubensbruder ihm gegebenes Darlehen nichtzurückgezahlt hatte. QuardocuS scheint mit seiner Frau von Ort zu Ort gewandertzu seyn, um Gläubige sür eineneue Lehre" zu gewinnen, deren Apostel er sichnannte. Er ist dann auf einem solchen Zuge zum Bauer Ziemcke gekommen und hatdenselben für seine Religion gewonnen. DasGebet" ist die ausschließliche Be-schäftigung dieser eigenthümlichen Secte gewesen, und sie soll zum Beweise sür dieSchristgemäßheit dieses Cultus das Wort angeführt haben:Betet ohne Unterlaß!"QuardocuS hatte die Ehrfurcht des Ziemcke in noch höherem Grade zu erwecken ge-wußt, als er ihn durch Händeauflegen von einer schweren Krankheit befreite. DieseKrankheit, welche keinen bestimmten äußern Charakter trug, hat wohl die Richtungdes Ziemke entschieden. Er hat in ihrGesichter gesehen und Offenbarungen gehabt,