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Christi." Bei diesen Worten brach eine große volle Thräne aus seinem Unken Augeund rollte als zwei Perlen über die Wangen. „Ja, Miterben Jesu Christi , fuhr erfort, „deßhalb ist der Tod so leicht und unser Hinscheiden so süß!" So lag er eineViertelstunde in unaussprechlicher Ruhe, die Lippe» zitterten leise, daS linke Auge warhalb offen und die rechte Hand ruhte auf der Brust. AIS er wieder erwachte, ergriffer hastig meine Hand und sagte: „O, wie süß habe ich jetzt geruht! Christus tratan mich heran, einen Blumenstrauß in der Hand, und flüsterte mir in'S Ohr: Ichbleibe bei dir, dein Arzt, dein einziges Heil. Traue auf mich als einen Felsen, derselbst im Tode nicht wankt!"
Den einst öden Hügel, worauf Pfarrhaus und Kirche stehen, hatte er mitAkazien, wilden Kastanien und Kirschbäumen bepflanzt, deren üppiges Grün die kahleHalde ziersam überkleidetc. Er nannte sie seine „liebe Baumjugend," und beförderteihr Wachsthum mit besonderer Sorgfalt. In der Krankheit traten sie ihm näher wiemitfühlende Wesen, und er erzählte von ihnen die anziehendsten Geschichten. „DenkenSie nur," sagte er, „heute kamen alle Bäume zu mir, die ich gepflanzt habe, grünwie die Hoffnung, mit hellen Tropfen ThaueS auf allen Blättern und sprachen: „Gott hat unS geschickt, dich heimzusuchen. Alle Abend tanzen und singen die Kinder umuns, und wir rauschen mit unseren Zweigen in'S Kinderlied und rufen: Der Dorf-caplan soll leben, der nnS gepflanzt hat! Dann sage ich ihnen schönen Dank fürihren Besuch und rufe: Gehet heim, schöne Bäume, meine Lust ! Grünet und blühetlange, lange Jahre! Wehet Kühlung den Matten, gebet Schatten den Erhitzten, undmit jedem Schwung cuerer Zweige im WindeShauch lobsinget meinem Gott, dem bestenFreunde aller Menschen! Dann hnschcn sie lustig davon, daß cS Blätter undBlüthen regnet!"
(Schluß folgt.)
Die Gage vom Wunderbilde auf dem heil. Berge.
Ehe wir diese kleine Erzählung beginnen, die uns darthun soll, wie sehr dieheilige Jungfrau uns liebt, wenn wir »nS unter ihren Schutz begeben, und uns eSauch dann nie an demselben fehlen läßt, ziemt cS sich wohl, daß wir mit den WortendeS Abb6 Lcguillon Ihre Güte also preisen:
„Wenn- ich auch mein Herz zum Schweigen bringen wollte und all der Wohl-thaten nicht mehr gedenken, die mir diese gute Mutter zukommen ließ, die Stimmealler Jahrhunderle würde mich erdrücken, in dem Echo, welches durch die Unend-lichkeit tönt:
„Wie bist Du voll Güte, o Maria!«Die Güte GottcS selbst wohnt in ihrem Herzen, der ihr aufgetragen, dieSchätze seiner Barmherzigkeit über die Erde zu ergießen. Sünder, Kranke, Leidendeund Trauernde aller Art sagt selbst: nicht wahr,
„Wie gut Sie ist, Maria?„Ihre sanfte Hand trocknet die Thränen des Schmerzes, die Strahlen ihrerMildherzigkeit erleuchten die Verirrten... Ihr mächtiger Schutz hebt den Muthniedergeschlagener Seelen... Ihr zärtlich liebendes Herz ladet alle Ruhelosen ein,den Frieden bei ihr zu suchen. O ihr, die ihr Sie noch nicht kennt, wüßtet ihr:
„Wie gut Sie ist, Maria!„Ein Wort!... ein Blick!... ein Seufzer!... und Sie versteht euch; Sie unter-stützt euch; Sie zerstreut eure Furcht, eure Aengsten; Sie stützt eure Kräfte; Sieerleichtert die Bürde der Prüfung. — Habt Vertrauen... kommt... betet... undbald werdet ihr mit der ganzen Kirche wiederholen müssen: Wer hat jemals zu Ihrgefleht, ohne ausgerufen zu haben:
„Wie gut Sie ist, Maria!„O gute! o süße! o sehr reine Jungfrau Maria! ja laß eS mich Dir tausendmal