Ausgabe 
13 (15.5.1853) 20
Seite
158
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

t58

und immer von neuem wiederholen, daß ich Dich liebe, ja daß ich Dich liebe... undDich immer lieben und Dir immer dienen will!"

Solche Güte erfuhr nun auch ein Mägdelein, die in der Nähe deS heiligenBergeS wohnte und die Gesundheit ihrer sehr kranken Mutter erflehen wollte. Vonihr sagt die Sage, das Kind sey noch jung und schwächlich gewesen, habe sich aberdoch auf den Weg begeben. Glühend heiß brannte die Maiensonne, und obgleich ganzermattet von der mühevollen Strecke des WegeS, strebte sie dennoch, bis an denGipfel des BergeS zu steigen, wo oben ihr der Rettungsstern, das Gnadenbild MariasErhörung zuwinkte. Mag eS auch viel Mühe kosten, sie muß erstiegen werden, dieLebenShöhe! je höher wir klimmen, um so näher kommen wir dem Ziele, nach demwir Alle ringen sollten. Maria will uns immer ihre mütterliche Hand reichen,o ergreifen wir doch dieselbe und lassen wir uns empor ziehen, mit jenem Kinde.Kommen wir auch erschöpft an, oben ist dann Ruhe, ewige, selige Ruhe, wo wirin Erfahrung bringen werden die beglückenden Worte des Herrn:Wahrlich keinAuge hat eS gesehen, noch ein Ohr gehört, noch ein Menschenherz eS empfunden,was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." Ganz entkräftet, von Hitze und Durstgeschwächt, kam daS Kind oben an. ES trat ein in den kühlen, herrlichen Tempelund gleich fielen dessen Augen auf das in goldenen Grund köstlich gemalte Bild derheiligen Jungfrau, die eingehüllt in einen blauen Schleier, schwebend in den Wolkendes Himmels stand, ihre gnadenvollen Hände und milden jungfräulichen Augen liebendder Erde zugewandt! Ein mystisches Licht umgab den Altar, und in tausend Farbenspielten die Strahlen der Sonne durch die bunten Scheiben in. daS Heiligthum desHerrn. Ergriffen von dem hehren Anblick, warf sich daS Mädchen an den StufendeS MarienaltareS auf die Kniee; in kindlicher Weise betend, trug sie ihr Anliegenvor die Himmelskönigin, bis endlich auch ihr Geist, erschöpft, in süße Träume über-ging und schlafend daS blonde Köpfchen zur Erde niedersank. Es führten aber dieEngelein gar liebliche Bilder von ParadieseSlust und ParadieseSauen vor die schlum-mernde Seele und hielten sie fest im Schlafe, damit die Hilfe Maria'S neuerdingskund würde dem Menschengeschlechte. Bereits war die Sonne untergegangen, undnächtliches Dunkel erfüllte das nun still und leer gewordene Gotteshaus. Die Stundekam, in welcher eS verschlossen werden sollte, und eS trat der Küster mit dem lautenRuf an Alle ein, die sich vielleicht verspätet hatten, den Tempel zu verlassen, danach altem Brauch zur Bewachung deS kostbaren Bildes sieben mächtige Rüden vonihren Ketten loS, die nun eingelassen werden müßten. Wild, ja unbändig in ihrerFreiheit, rannten sie in den Gängen der Kirche auf und nieder, indessen die gewaltigeThüre in ihren Angeln knarrend in daS riesige Schloß fiel.

Allein, der tollen Wuth der Hunde preisgegeben, lag daS Kind da, ihr sicht-liches Opfer. Eine aber hatte die schützenden Arme ausgebreitet, Eine daS wachendeAuge offen behalten, und wunderbar fein gearbeitet, mit silbernen Sternchenbesäet, senkte die Jungfrau von ihrem Bilve herab ein künstlich gewebtes Netz, dasschlafende Kind zu bedecken, daS zugleich eine wehrende Mauer dem stürmischen An-drängen der Hunde, die von der Jungfrau Hand gezähmt, wie Lämmer sich lagertenzu Füßen deS KindeS. Dieses aber, von mütterlicher Liebe gewiegt und von spielendenEngeln umgeben, schlief deS sanften SchlafeS, bis golden die Morgensonne ihr strah-lendes Licht auf das Bild und den Altar warf und auch daS Kind in seinen Strah-lenschleier einhüllte. Jetzt war der Augenblick gekommen, der daS Wunderbare denverwunderten Pilgern offenbaren sollte. Denn siehe! als sie mit dem Küster ein-traten, lag das Kind, von dem Gerassel geweckt, unschuldig da und rieb sich dieAugen, glaubte selbst noch zu träumen und wußte nicht, wie ihm geschehen war.

Die Eingetretenen erkannten aber den offenbaren Schutz, so Maria diesemMägdlein hatte angedeihen lassen, und haben diese Sage in alle Welt getragen, undmit neuem, innigerem Vertrauen wurde sie von dieser Zeit im Gnadenbilde auf demheiligen Berge angerufen.

Also die fromme Sage vom heiligen Berge. Möge sie auch in unseren Herzen