Ausgabe 
13 (15.5.1853) 20
Seite
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Liebe und Vertrauen zur heiligsten Jungfrau erwecken, und solches sich kund geben durchneuen Eifer in ihrem Dienste, zumal in diesem Ihr geweihten Monate. O, sie wirdes euch nicht unbelohnt lasse» und tausendmal werdet ihr dankerfüllt ausrufen, ihrtreuen Kinder:Wie bist Du so voll Güte, o Maria!"

Ueber die Missionen der Jesuiten in Oberösterreich

wird uns auö vertrauter Hand noch nachträglich berichtet: Die Mission in St. Polten war mit den glänzendsten Früchten gesegnet. Es war unter allen Ständen ein heiligerWetteifer, die Misstonäre zu hören. Bei der Ausrichtung des MissionSkreuzeS halsensogar die Herren Officiere der Garnison mit den Jünglingen dasselbe aufzustellen.Die Bürger der Stadt aber hatten unter sich einen Verein gebildet, und unter Andermsich gegenseitig daS Gelöbniß gemacht, sie wollten in ihrer Gesellschaft keinen Flucherund keinen Religionsspötter dulden, sondern ihn, so nichts Anders hälfe, mit Gewaltentfernen. Da wagte eS dennoch ein sogenannter Gebildeter in einer Abendgesellschaftüber religiöse Dinge zu spotten. Weil eS indessen der erste Fall war, so verfuhrendie Herren Bürger noch ganz glimpflich mit ihm; sie gaben ihm eben noch so vielZeit, daß er seinen Hut suchen und sich durch eine Hinterthüre entfernen konnte.

Auch die Mission in Baumg arten berg brachte die trostreichsten Früchte.An manchen Tagen fanden sich dabei Leute aus 24 Pfarreien ein. Ein Domherrauö Linz, der eigens für den Schluß der Mission dahin gereist war, äußerte sichdarüber in den voriheilhaftesten Ausdrücken:WaS ich heute gesehen, sprach er,gehört und empfunden habe, das kann ich nicht ausdrücken." DaS ganze Domkapitelin Linz ist entzückt über die freudenreichen Wirkungen dieser Mission.

Aber wenn möglich noch trostvoller war die Mission im Zuchthause von Steuer-Garsten, welche vom Herrn Statthalter OberösterreichS, einem Bruder deS Ministersvon Bach, selbst begehrt war. Unter 519 Sträflingen und Verbrechern der schauer-lichsten Art fand sich kein einziger, welcher von den heiligen Sakramenten zurückblieb.Alle ohne Ausnahme haben freiwillig und mit einer Zerknirschung gebeichtet, welcheden Beichtvätern die süßesten Freudenthränen entlockte. AIS die Missionäre sie späterin ihren Schlafarresten besuchten, da war ein Schluchzen, ein Händeküffen, daß auchdie Beamten weinten.Kommen Sie bald wieder; wir können nur fürSie beten, aber daS wollen wir auch alle Tage. Eine solche Freudehaben wir noch nie gehabt. Wenn wir frei werden, dann wollenwir Sie heimsuchen. Wir wollen gewiß von jetzt an recht brav wer-den", so lauteten die Worte dieser bekehrten Büßer. AIS das MissionSkreuz, be-leuchtet mit hundert Lampen, welche die Beamten auf eigene Kosten angeschafft hatten,aufgerichtet stand, baten die Armen noch späl Abends, gemeinschaftlich beten zu dürfen,und blieben im Schnee noch eine halbe Stunde mir ihren rasselnden Ketten knieendund für die Missionäre betend. Ein jüdischer Sträfling wurde von Pater JosephKlinkowström getauft. So hat auch hier Großes gethan, der mächtigist und heilig sein Name.

Rom.

Rom, 14. April. In den nächsten Wochen und Monaten stehen hier mehrereGeneralkapitel verschiedener Orden bevor, zu welchen die Betheiligten auS allen Ge-genden nach Rom reisen. So hat der Carmeliterorden schon in dieser Woche mit derAbhaltung des Generalkapitels begonnen, ihm werden darin der Serviten - und derCapucinerorden folgen, und zum Juli steht eine außerordentliche Generalversammlungaller Provinciale und zweier Deputirten auS jeder Provinz der Gesellschaft Jesu bevor.Letztere schrieb der jetzt krank und ohne Hoffnung aus Wiederherstellung darnieder-liegende General P. Rothaan schon vor Beginn seiner Krankheit mit Genehmigung