Ausgabe 
13 (15.5.1853) 20
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des heiligen Vaters aus, seine Umgebung glaubt aber nicht, daß er sie noch erlebenwerde. Der von Sr. Heiligkeit eingesetzte General des DominicanerordenS reiset jetztin Sicilien zur Visitation der dortigen Klöster dieses Ordens, die die Zahl von sechzigerreichen, umher; dem Vernehmen nach kommt man seinen Bemühungen um die Wieder-herstellung der alten Strenge der Disciplin von allen Seiten entgegen und gereichtdie Visitation ihm zur großen Befriedigung. Nach Vollendung derselben wird er mitder neapolitanischen Provinz beginnen. Nicht allein über eine Reise deS heiligenVaters nach Deutschland und Frankreich , sondern sogar über deren Route scheinen inDeutschland Nachrichten von großer Bestimmtheit verbreitet zu seyn. Wenigstens gehenvon dorther, insbesondere von Klöstern, schon Einladungen und Bitren um Einkehran den heiligen Vater ein, die die Reise selbst und ihren Plan als eine ausgemachteund feststehende Thatsache voraussetzen. Auch hier fehlt eS an Gerüchten über diesenPunct durchaus nicht, an dem einen Tage heißt eS, der heilige Vater reise nachFrankreich, am anderen Tage verkündet man die Reise nach Deutschland , und amdritten Tage werden beide Reisen verbunden und im Vatikan der Reisealtar und alleVorbereitungen zur Reise schon gemach«. WaS letztere betrifft, so kann ich Ihnenversichern, daß sie gänzlich aus der Luft gegriffen sind, waS aber die Reise selbstangeht, so ist darüber Männern, die sonst sehr gut unterrichtet sind, noch nichtsbekannt, und am wahrscheinlichsten auch noch gar nichts darüber ausgemacht. Siewollen deßhalb alle derartigen Nachrichten mit großer DiScretion aufnehmen. DaSEinzige, waS man hier von sonst gut Unterrichteten behaupten hört, ist, daß vonWien auS eine Deputation gesandt werden solle, um den heiligen Vater um dieBornahme der Krönung deS Kaisers Franz Joseph zu bitten, wie denn überhaupteine Reise deS heiligen ValerS zu diesem Zwecke nach Deutschland wohl nicht in einemso hohen Grade eine UnWahrscheinlichkeit und Unmöglichkeit seyn möchte, als Mancheglaube». (Münsterer StgSbl.)

Kirche und Sclaverei.

,ch!,«L .,,i>5!zS,K'WkMüwL,i«is ,im anu vMamÄ nzM.';«s»kl5M--io5«. ^>!>kOberst Hamilton, ein protestantischer Engländer, sagt:Katholiken undProtestanten bekennen sich zu dem Satze, daß alle Menschen vor Gott gleich sind;aber nur die Erstem handeln darnach. In einer kaiholischen Kirche kniee» der Fürstund der Bauer, der Sclave und sein Herr vor demselben Altare, und für den Augen-blick sind alle Rangunterschiede aufgehoben. DaS Zeichen der Erniedrigung wird vonder Stirn der Sclaven weggenommen, wenn er sich in dieselbe religiöse Genossen-schaft mit den Höchsten und Vornehmsten im Lande zugelassen sieht. In protestan-tischen Kirchen herrscht eine andere Regel; die Farbigen sind entweder ganz auSge-schlössen, oder eS ist ihnen ein entfernter, mit Schranken umgebener Winkel ange.wiesen. So können sie auch nicht für einen Augenblick ihre verachtete Stellung ver-gessen. Kein (?) weißer Protestant würde mit einem schwarzen an demselben Altarknieen. ES ist darum nicht zu verwundern, daß die Sclaven in Louisiana alle katho-lisch sind, daß man in den protestantischen Kirchen nur einige Damen in wohlgepol-sterten Kirchenstühlen sieht, während die Kathedrale von Andächtigen aller Farbenganz gefüllt ist. Die katholischen Priester vergessen nie, daß in dem häßlichstenKörper eine Seele wohnt, die in Gottes Augen eben so kostbar ist, wie die deSPapstes: die Arme der katholischen Kirche sind dem Verachtetsten geöffnet. Ich binkein Katholik, aber Vorurtheile sollen mich nicht abhalten, christlichen GeistlichenGerechtigkeit widerfahren zu lassen, die eS sich zur Lebensaufgabe machen, denverachtetsten und geringsten unter den Menschen die Segnungen der Religion zuspenden."

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags - Inhaber: F. C. Krem er.