YNVg7ö»>UkStN^'k.NlH
Wollen wir dessen Grundzug, dessen bewegende Kraft bezeichnen, so könnenwir nur sagen, die Erzherzogin Maria ist daS in hoher Vollkommenheit ausgeprägteBild einer Persönlichkeit, deren Erkennen, Wollen und Thun fest und unverrückt inder katholischen Kirche wurzelt; deren Lebenskraft nach dem ganzen Maaß ihresVorhandenseynö und nach jeglicher Weise ihrer Bethätigung ein Ausfluß von dieserist; die deßhalb ein lebendiges Glied derselben nach der Vollesten Bedeutung diesesWortes genannt werden muß. In der katholischen Kirche leben, hieß daher für sie:durch die katholische Kirche leben, und „gut katholisch seyn," war in ihrem MundedaS höchste Lob, welches sie auSzusprechen vermochte; Rückkehr in die katholischeKirche für Solche, die außerhalb derselben gestanden hatten, demnach der Inbegriffalles Wohlergehens, dessen sie theilhastig werden könnten.
Von lebendig katholischen Eltern geboren, und durch dieselben zu allen jenenäußern Begehungen der innern Hinwendung an Gott angeleitet, welche für diesealltäglich daS Zeugniß ablegen, dürfte der Erzherzogin zeitliches Daseyn vor Allemund mit der vollesten Wahrheit ein fortlaufender Gottesdienst genannt werden. JedenTag erhob sie sich frühzeitig, sobald derselbe sich verkürzte, schon beim Kerzenlicht,häufig bereits um drei Uhr deS Morgens, später als fünf Uhr niemals, von ihrerRuhestätte. Ihr Erstes war, den wach gewordenen Geist bei Gebet und Betrachtungin Gott zu versenken. Damit sie Niemand von ihrer Dienerschaft wecken müsse,geschah dieses, alsbald nachdem sie daS Bette verlassen, in ihrem Schlafgemach.Dann nur durchflog sie Unwille, wenn längeres Verweilen dabei durch Geschäfte oder,waS bei ihrem Stand nicht immer sich vermeiden ließ, durch zwischeneintretendesAnfragen unterbrochen wurde. In tiefer Andacht hörte sie sodann drei heilige Messen,bisweilen sogar vier, auf Reisen immer zwei. Zwischenein las sie geistliche Bücher,Predigten, die während deS AnhörenS bei dem Vorlesen sie besonders angesprochen,geweckt, emporgehoben hatten. Wie sie mit Gebet jeden Tag zu beginnen pflegte,so schloß sie denselben; sie betete an dessen Ablauf die Litanei, las daS Evangeliumund die Lesestücke für den folgenden Tag und machte mit der GewissenSersorschungden Schluß. Im Bette war ihr Angesicht gegen ein KreuzeSbild gewendet, vorwelchem ein Licht brannte, zu ihrer Linken standen zwei kleine Altäre. War sie durchKrankheit an dasselbe gebannt, so ließ sie sich ein Tischchen mit zwei brennendenWachskerzen bringen und nahm ihre Gebetbücher zur Hand. DaS geschah spätergewöhnlich zu der Zeit, da sie in ihrem Kloster zur Mette läuten hörte. So oft siedort sich aufhielt, stand sie nachtS eilf Uhr mit den Schwestern auf und ging mitihnen in den Chor.
Wöchentlich pflegte sie wenigstens einmal zu beichten, jeden Sonntag mit ihremHofstaat, in den spätern Jahren mit ihren Kindern, die heilige Communion zuempfangen, beides außerdem noch, so oft sie zu jenem im Gewissen, zu diesem durchein eintretendes Fest gemahnt wurde. An jedem Festtage wohnte sie dem öffentlichenGottesdienste bei und sah darauf, daß dieses nicht allein von ihren Kindern, sondernebensowohl von allem ihrem Hofgesinde beobachtet werde. Es lag ihr sehr viel daran,daß durch Anwendung der Heilmittel und Theilnahme an der Verehrung deS Drei-einige» daS religiöse Leben bei Jedermann geweckt und gestärkt werde, daß sie bis-weilen in den Zeiten, welche dem Christen besonders heilig seyn sollen, bei den Geist-lichen anfragen ließ, ob die Zahl der Beichtenden und Communicirenden groß gewesenseye? etwa in der Kirche nachzusehen befahl, ob viel Volk sich eingefunden habe?Eben so oft war sie bei Predigten anwesend. Fand sie durch eine besonders sich an-gesprochen, so mußte sie ihr hernach schriftlich zugestellt werden. Der Beichtvaterihres Klosters bezeugte eS öffentlich, er habe in der Kirche desselben niemals gepre-digt ohne Beyseyn I. D. und deS ganzen fürstlichen HofeS. Kein Andachtöbüchleinerschien, was sie nicht zu erwerben suchte. Manche ließ sie wieder auflegen und ver-breiten. Besondern Werth hatten für sie die LebenSgeschichten der Heiligen, vorzüglichsolcher, die durch größere Strenge sich ausgezeichnet hatten; dergleichen mußtenmanchmal während der Tafel vorgelesen werden und überallhin, selbst auf die Jagd,