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sie begleiten. Noch bis jetzt hat sich auS ihrem Nachlaß ein Bund handschristlicherGebete, geistlicher Lieder, liturgischer Vorschriften oder Erklärungen erhalten, jedesBlatt oder Heftchen mit einer Aufschrift von ihrer Hand versehen, als fortlausendesZeugniß für die Wahrheit dessen, waS die Zeitgenossen von ihr berichtet haben. Warein öffentliches Gebet angeordnet, so mußten nicht allein ihre Töchter, Kammerfrauenund Mägde der Reihe nach wechselsweise dazu sich einfinden, sondern sie ging ihneninsgesammt mit dem eigenen Beispiel voran, ja übertraf sie Alle, indem sie gewöhn-lich nicht darauf sich beschränkte, nur während der zugewiesenen Stunde vor demAltarSsakrament zu knien. Eine ansehnliche Reihe von Zetteln, auf welche die Namenihrer Kammerfrauen und deS weiblichen Dienstpersonals verzeichnet find und dieStunde angegeben wird, zu welcher bei solchen Veranlassungen eine jegliche in derCapelle stch einzusinken habe, wird jetzt noch in dem kaiserlichen HauSarchiv aufbe-wahrt. — Zur Darbringung deS unblutigen OpferS und zu dem Gebet war sie vonwankellosem Vertrauen durchdrungen. AIS eine ihrer Töchter im Kloster Hall sie ineiner Angelegenheit um Trost und Rath bat, antwortete ihr die Mutter- „MeineKinderl habt ihr ein Anliegen, so nehmet im Gebet zu Gott eure Zuflucht. Betetauch fleißig für die armen Seelen und lasset Messen für sie lesen, sicher werdet ihrdann Hilfe empfangen." Damit rieth sie zu dem, waS sie immer selbst befolgte;denn manche Jahre durch ließ sie auf St. Andreä Friedhof zu Grätz viele Messenhinter einander für die Abgestorbenen, für jedes Glied ihrer Dienerschaft deren immerdreißig lesen.
Sie begleitete fast jeder Zeit die Processionen, wie sie derjenige deS MarkuS-tageS noch fünf Tage vor ihrem Ende beigewohnt hat. Ihr gefiel zu Mailand beson-ders, daß Erzherzog Albrecht sammt andern Vornehmen bei einer solchen den Himmeltragen half, indem sie darin eine größere Demüthigung zu Gottes Ehre erkannte.Wer sie an derjenigen deS Fronleichnamsfestes sah, mußte durch ihren Anblick be-wegt oder emporgehoben werden. Jeden Samstag besuchte fie die Wallfahrtskirchezu Straßgang, zu Maria Elend genannt, und ließ, um die Gläubigen zu größererAndacht zu erwecken, längS deS Pfades i4 Kreuzwegstationen aufrichten. Im Sommerging sie gewöhnlich zu Fuß dahin, nahm ein paar ihrer Kinder mit, denen sie unter-wegs etwaS von den Leiden Christi erzählte, nachdem sie an jeder Station einigeAugenblicke kniend im Gebete verweilt hatte. Anvere WallfahrtSörter besuchte sieebenfalls; zu Mariazell ist sie öfters, in Altötting wenigstens bisweilen gewesen,Straßengel, Ferniz bliebe» ebensowenig vergessen. Auf der Rückkehr auS Spanien zog eS sie nach Loretto.
In ihrem Land ließ sie sich ollen Bruderschaften einverleiben, auch in andereaußerhalb desselben. Denn der hohe Werth der Bruderschaften für Belebung christ-licher Sinnesart und HanvelSweise wurde damals noch von allen Ständen anerkanntund gewürdigt. Zu Laibach gab sie ein unverkennbares Zeugniß ihrer katholischenGesinnung damit, vaß sie bei der Huldigung, welche Ferdinand in Krain einnahm,öffentlich sammt allen Erzherzoginn, derjenigen deS heiligen AltarSsakramenteS bcitratund zu einer Procession sich einsand. So oft sie sich aus Reisen begab, empfahl fiesich der Fürbitte ver Marianischen Bruderschaft in Grätz. Diejenige vom heil. Geistwurde unter die dortigen Studirenben vornehmlich auf ihr Betreiben eingeführt,wirksam dadurch empfohlen, daß ihre sämmtlichen Kinder derselben beitraten. Einegroße Anzal von Jndulgenzen für Rosenkränze, von Päpsten geweiht, für AgnuS Dei,für Medaillen, mit päpstlichen Vergünstigungen ausgestattet, beweisen, daß ihr frommerGlaube gerne Alles um stch vereinigte, waS nach der Lehre der Kirche dem innernLeben als Hilfsmittel dienen kann. Deßwegen hatte für sie nichts einen so hohenWerth wie Ueberreste der Heiligen, ob nun von deren Leibern oder Gewändern. Vonallen Orten her suchte sie dergleichen sich zu verschaffen; noch im letzten Jahre ihresLebens mußte Ferdinand seinen Ausenthalt in RegenSburg dazu benutzen, um auSSt. EmeranS Abtei ein Theilchen von dem Leib deS heil. Bischofs Wolfgang für siezu erbitten; und der Ausdruck der Dankbarkeit gegen denselben für den Erfolg seiner