Ausgabe 
13 (22.5.1853) 21
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Verwendung ist zugleich derjenige der Freude, ihren Wunsch erfüllt zu sehen. Wiewerth ihr die durch Clemens VIII. erhaltene Vergünstigung müsse gewesen seyn, der-gleichen heil. Ueberreste in allen Klöstern und Kirchen Italiens verlangen zu dürfen,läßt sich dem reichen Verzeichnis) solcher entnehmen, die ihr einzig in Mailand über-lassen wurden. Ihre Ehrerbietung gegen dieselben bewährte sich dann durch die Fassung,mit denen sie sie ausstatten ließ. Hiezu gab sie mit freudigem Sinn Perlen, Evel-gesteine, Arm- und HaiSzierden und die kostbarsten Kleinodien her. So vereinigte siein ihrer Capelle, die seit der ersten Zeit ihres 'Aufenthaltes in Grätz mit Recht ihrAugapfel konnte genannt werden, welcher sie die eifrigste Sorgfalt und Liebe stetsangedeihen ließ, zweierlei Schätze: diejenigen, welche nur der Glaube würdigt, undsolche, die vor der Welt ihre Geltung nie verlieren werden. Die Mehrung von beidenließ sie ihr ganzes Leben durch sich angelegen seyn.

Die Hinneigung zu geistlichen Dingen zog sie auch zu denen, welche kraft ihresBerufes dieselben den Gläubigen vermitteln sollen. Sie erwies den Geistlichen be«sondere Achtung, doch dann nur, wenn der Stand und dessen Träger sich gegen»seilig durchdrangen.Alle Geistlichen, sagte sie öfters, habe ich von Herzen lieb,dafern sie sich wohl halten; ist aber das nicht der Fall, dann mag ich ihnen nichtviel gute Worte geben; das wollte ich Jedem rund heraussagen." An Beispielen,daß sie solcher Rede Folge zu geben wußte, fehlt eS nicht. Hörte sie von dem Miß-tritt eines Geistlichen, so war sie sehr besorgt, daß ihn weder die Bessern entgeltenmöchten, noch daS Volk dadurch geärgert würde. Gemeiniglich rief sie, wenn Der-artiges ihr zu Ohren kam, auS:Wie verkehrt ist doch die Welt, wie ein arger,listiger Feind und Bösewicht ist nicht der leidige Satan!" Arme Geistliche lud sieöfters zu Tisch. Erklärte sie: wollte einer ihrer Söhne Capuciner werden, mit Freudenwürde sie ihm ihren Segen geben, so ging diese Rede gewiß aus ihrer tiefsten Ueber-zeugung hervor. So oft sie mit einem Priester oder einer geistlichen Person zu ver-kehren hatte, vergaß sie nie, in deren Gebet sich zu empfehlen. In besonderer Gunststanden bei ihr die Ordenspersonen beiderlei Geschlechts, denn katholisch seyn wollenund jenen ihres Standes wegen abgeneigt seyn ist ein greller Widerspruch. Weilbet des Adels Abfall von der Kirche die Glieder des FraucnklosterS Göß, die jenemangehören mußten, sehr herabgeschmolzen waren, wendete Maria große Kosten darauf,ihnen Zuwachs auS Bayern und auS Welschland zu verschaffen.

Maria besaß ein besonderes Geschick, Irrgläubige auf den Weg der Wahrheitzurückzuführen. Die Liebe, welche zu solchen Bemühungen allein der Beweggrundseyn darf und zugleich das erfolgreichste Mittel seyn wird, machte sie hiezu ausneh-mend tüchtig. Durch Freundlichkeit suchte sie sich bei ihnen Gehör zu verschaffen, zogdieselben hiedurch an sich, legte ihnen in solcher Weise die Glaubenslehren vor. Dannließ sie sich angelegen seyn, dieselben mit glaubenswarmen Männern in Berührungzu bringen. Auch zum Gebet, zu Messen nahm sie ihre Zuflucht. Nahten sich der-gleichen Leute ihrem LebenSenve, so verdoppelte sie ihren Eifer. DaS Verdienst,Jemand in den Hafen deS Heils geleitet zu haben, ging ihrer Ueberzeugung nachjedem andern voran, deßwegen begab sie sich bisweilen in adelige Häuser, mit einemkleinen Bilde der heiligen Jungfrau versehen, und stellte mit beweglichen Worten dar,wie man doch den alten Glauben verlassen und Diese unter die gemeinen Weiber .herabwürdigen könne? Nicht immer war ihre Bemühung fruchtlos; Einige wurdenhiedurch zur Rückkehr in die Kirche bewogen. So der alte Herr von Thanhausen,mit dem sie oft über Glaubenssachen in Erörterung sich einließ, auch mehrmals einenPater auS der Gesellschaft Jesu mitnahm, der ihm Alles auseinandersetzen mußte.Wie sie dann dessen tödliche Erkrankung vernahm, veranstaltete sie ein vierzigstündigeSGebet, ließ für seine Bekehrung Messen lesen, beten, Almosen austheilen und hatteendlich die Freude, ihn vor dem Tod mit der Kirche ausgesöhnt zu sehen. Gleichesgeschah mit einer Frau von Lichtenstein, die dergestalt unter steter Huth ihrer unkatho-lischen Umgebung stand, daß eS nur der Erzherzogin möglich war, einem Priester,der dem Verlangen der Edelfrau willfahren konnte, Zutritt zu derselben zu verschaffen.