Ausgabe 
13 (22.5.1853) 21
Seite
166
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Baume vor Entzücken, die Quelle fingt hell auf wie daS Kind im süßen Traum, undalle Blumen bringen die besten Düfte dem heiligen Gast im Walde zum Opfer dar.Da schließen wir einen KreiS um den Heiland und singe» unser schönstes Ostcrlieddem guten Hirten aller Wesen auf Erden. Da spricht wundcrlieblich sein Rosen-mund: Laßt uns auswärts ziehen, unser Freund ist erkrankt, der Dorfcaplan, euerNährvater und Schutzherr. Wir wollen ihm himmlische Musik in die Seele spielen,daß er eine Weile raste und aufathme aus irdischer Brustenge. Er hat mich undeuch Vögelein so innig lieb gehabt, der Dorfcaplan soll gesund werden! Ach! daSwar ein Nicken und Lispeln, ein Hüpfen und Jubel, das Herz möchte Einem zerspringenvor Freude." Bei diesen Worten sah er verklärt wie ein Heiliger, und drückte mirinnig die Hand.

Er mußte für die Kinder seiner kleinen Gemeinde Schule halten. DaS Lehr-zimmer befand sich in seinem eigenen Wohnhaus. Er richtete eS zierlich ein mit Bil-dern und Kupferstichen zur Erläuterung des Unterrichtes. Wand und Decke und selbstder Ofen war bemalt, Bänke und Sitze gebohnt und allerwärtS die heiterste Reinlichkeiteingehalten. Man bemerkte ihm, eS lohne sich wohl nicht der Mühe, daS Schul-jimmer so niedlich einzurichten, da von Kindern keine Schonung zu erwarten sey.Gerade umgekehrt," versetzte der erfahrene Kindcrfreund,für Reinheit, Zier undAugenmaaß hat daS kleinste Kind ein Gefühl, und je anziehender die Außenseite, destomehr schonen die Kinder den Ort, wo sie alle Tage zusammen kommen. ES ist einwichtiger Moment deS christlichen Unterrichtes, durch äußere Schönheit und Ordnungden Sinn der jugendlichen Gemüther anzuregen, und dadurch den sittlichen Schön-heitStrieb auszubilden. Sie kommen frisch aus den Händen GotteS , an ihnen istnoch nichts abgenützt und verbraucht, darum ist ihre zarteste Blüthe so aufgequollen,ihr Feingefühl so rege, ihr Urtheil so fromm für Alles, was Lob verdient." Inseinen letzten Augenblicken stand er in süßem Traume vor seinen Kindern und flüsterteleise:Wie so wohl mich dieses frische Leben anspricht! Wie eS mich durchvringtmit lebendiger Gesundheit! Ich lebe aus in diesem Garten GotteS , unter diesenMenschenpflanzen, die Gott segnen möge in Ewigkeit."Liebste Kinder," fuhr eransteigend weiter,grüßt mir euere braven Eltern, die so friedlich beisammen wohnen,ein HauS GotteS in der Eintracht aller Hausgenossen. O, werdet der frommenMutter ähnlich, die für euch so viel geweint und gelitten hat. Arbeitet so eifrig undehrlich wie euer Vater. Er ist braun geworden in allerlei Noth für euch und seinAngesicht hat tiefe Furchen. Diese bedeuten die Sorge für euch, und die grauenHaare rufen: werdet mit Ehren alt wie euer Vater, wie euere Mutler!" Bei solchenAnreden wurde er allzeit tief gerührt, er machte im Bett eine Bewegung, als drängtensich die Schulkinder heran zum Abschied, und streckte die Hand auS zum Kusse. Nochlange harrte er in der Stellung aus, als schaute er ihnen aufmerksam nach undlispelte lächelnd:Was daS für ein frisches Blut ist für alle Tugend und Gottesfurcht!"

Ein Bauer, den er sehr geliebt, kam in der Frühe, ihn heimzusuchen, er warsehr ermattet und konnte aus dem engsten Traumkreise nicht heraus. Aber selbst beivölligem Darniederliegen seiner Kräfte klang sein voriges Leben vernehmbar nach.,/O JoS," redete er ihn an,nicht wahr, du bist heute im Walde gewesen um Holzund Streu. Auch ich war gern im Wald. Im Rauschen aller WaldeSbäume hörteich eine Stimm,, die rief: Komm zu mir, Dorfcaplan! weit weg vom Tumulte derWelt. Und ich gehorchte gern und ließ mich nieder ans weiches Mooö an der Quelle,die von Oben herab kam und vom Himmel erzählte. Alle Vögel spielten um michherum und die Rehe sraßen zahm die Maßlieben auS meiner Hand. Und zuletzt kamGott mit seinen Heiligen und sie sangen im Chöre: Lobet den Herrn ihr Berge undWolken, ihr Quellen und'Bäume und Alles, waS im Wald ist! Und eS war einvolles Rauschen von tausend und tausend Stimmen, ein übermächtiges Lied, daSnoch Niemand gehört hat. So saß ich selig im Wald, und zum Abschiede schütteltenmir die himmlischen Gäste die Hand recht auf deutsche Weise, ja ernstlich deutsch!"

Wie er in gesunden Tagen gern und oft gepredigt und seine Rednergabe durch