Ausgabe 
13 (22.5.1853) 21
Seite
167
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Einfalt und Klarheit überall Beifall gefunden hatte, so geschah cS auch in seinenletzten Traumzuständen. Einmal, als er eben die Kirchenglocke läuten hörte, erhober wie verwundert seine Augen und sprach:O, welch ein Volk für daS WortGolteS! Wir find alle ein Geschlecht und der eine Bruder nicht besser als der andere.Tretet heran an'S Herz eueres Gottes und hängt an ihm als Kinder eines VaterS.Wie könntet ihr zürnen gegen einander, eS ginge ja gegen euer eigenes Fleisch undGebein, und mit diesem hat Jeder Gedulc>. Wie kann euch einfallen, ein strengesUrtheil über eueren Nachbar zu fällen! Er schläft ja den nämlichen Schlaf mit euchund träumt den nämlichen Traum. Haltet euch fromm und ruhig als gute Schlaf-gesellen und streitet euch nicht um die eine Decke, die Alle wärmt und erquickt. Schlagtin keine blühende Staude! Wer eine FrühlingSblüthe wissentlich tödtet, vor dem istkein Leben, kein Herz und kein Gott sicher. Und wer ein junges Bäumchen muth-willig zerknickt, mit dem schlafe ich nicht unter einem Dache." So spann sich in denlebhaftesten Bildern die ganze Sittenlehre an seinem Krankenbett ab. Er achtete dabeiwenig auf die Umstehenden, die er in solchen Augenblicken auch nicht recht erkannte.Seme innigste Ueberzeugung machte sich Luft und die That seines LebenS gellend.

Er verstand, wie kein Anderer, mit unnachahmlicher Kunst, Kindergeschichtenzu erzählen, Mährchen, Fabeln und Lehrstücke aller Art auf so einschmeichelnde Weise,daß ihm die Knaben und Mädchen auf der Gasse in die Schöße seines RockeS fielen,und ihn nur um das Lösegeld einer lustigen oder traurigen Geschichte frei ließen. Inden Phantasien seiner Krankheit spielten diese wunderlieblichen, oft mährchenhaftenBilder und Bruchstücke wie auS Tausend und Eine Nacht im buntesten Gemische durchseine Seele, durchtönt vom Beifall aushorchender Kinder, den er selbst mit allenMuskeln seines gereizren Organismus kundgab.Eine Geschichte, eine Geschichte!"riefen die Kinder. Er lag mit dem kinderseligsten Lächeln auf seinen Kissen und sagtemit weicher Stimme:O, Geschichten weiß ich viel tausend, und die allerschönsten,die noch kein Mund erzählt und kein Ohr gehört hat; aber heute bin ich müde, laßtmich eine Weile ausrasten!" Bei diesen Worten machte er eine Bewegung, als wollteer sich den Händen der Kinder entwinden, eS gab ein Scherzen und ein Gekicher, daSdem kranken Mann einen eigenthümlichen, für die Zuschauer oft schmerzlichen Ausdruckgab. Er wand sich hierhin und dorthin, eS half alles nichts, die Kinder ließen ihnnicht loS. »Nun, so will ich denn erzählen," sagte er wie ermüdet vom langenWiderstreben. Nach der Erzählung sank er ermattet in'S Kissen und lag einehalbe Stunde unbeweglich, nur leise athmend.

(Schluß folgt.)

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Schornsteine gegen Jesuiten .

Die Gegner der Jesuiten scheinen nicht verschmerzen zu können, daß die ihnenvom ?. Roh bedingungsweise versprochenen 1000 Gulden ihnen doch entgangen sind.Bekanntlich endete der von Lübeck aus angefangene Krieg mit einem schmählichenRückzüge der Gegner. Nachträglich ist ein neuer Streiter, ein neuer Bewerber umdie 1000 Gulden ausgetreten, eS ist der vr. Sander, nicht der auS Elberfeld , sondernder aus HildeSheim , der erst seit neuester Zeit berühmt zu werden anfängt. In demjüngst erschienenen 2ten Hefte seiner Zeitschrift:Luther oder Papst?" zieht er gewaltiggegen Diejenigen zu Felde, welche den Jesuiten vorgeworfen, sie haben offen eSgelehrt, daß der Zweck die Mittel heilige.ES hat", sogt vr, Sander,(in frü-herer Zeit) wahrscheinlich kein Mensch gewähnt oder gar behauptet, die Jesuiten hätten mit dürren Worten in irgend einer gedruckten Schrift ausgesprochen, daß derGrundsatz:Der Zweck heiliget die Mittel"" wirklich ihr Grundsatz sey; fürso einfältig hätte nur ein höchst einfältiger Mensch die Jesuiten halten können." Also auch den Historiker Ranke in seiner ersten Auflage derrömischen Päpste und so viele Hunderte vor und nach ihm, die behaupteten, dieJesuiten lehren mit dürren Worten, daß der Zweck die Mittel heilige, nennt Herr